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Sportkletterer, Student und Sportsoldat – ein Interview mit Sascha Lehmann.

Sportkletterer, Physik- und Mathematikstudent und zurzeit Sportsoldat beim Zeitmilitär. Seit Sascha Lehmann mit drei Jahren am ersten Seil hing, hat ihn das Sportklettern nicht mehr losgelassen. Heute gehört er zu den Spitzenathleten im Klettersport. Sein sportliches Traumziel: ein Podestplatz an der WM in Bern und damit ein gesichertes Ticket an die Olympischen Spiele in Paris 2024. Sascha Lehmann, aufgeschlossen und fröhlich, spricht mit seiner Sponsorin Cornèrcard über seine Ambitionen im Klettersport.

Sascha, wie bist du zum Klettern gekommen?
Das hat sich so ergeben. Meine Eltern waren Kunstturner, kletterten aber auch ein bisschen. In den Ferien machten wir ab und zu einen Ausflug an eine Wand oder in eine Halle. Alles war sehr entspannt. Irgendwann fragten mich meine Eltern, ob ich an einem Kletterwettkampf teilnehmen möchte. Das ging dann auch wunderbar, und ich errang den ersten Sieg in meiner Kletterkarriere.

Und dann ging es nur noch aufwärts?
Dieser Sieg hat sicher dazu beigetragen, dass ich mich fürs Klettern entschied. Noch mehr war ich jedoch von der spielerischen Seite begeistert. Als Kind hat mich das enorm fasziniert.

Aber was macht das Klettern so speziell?
Wie gesagt, das Verspielte und die Abwechslung. Es ist faszinierend, wie sich das Klettern in den letzten Jahren entwickelt hat: wie die Routen gebaut werden, wie sich das Griffmaterial verändert hat. Es kommen auch heute immer wieder neue Züge, neue Moves dazu, die vor 10 oder 15 Jahren unvorstellbar waren. Zudem kommt die meditative Komponente dazu. Wenn ich klettere, dann tauche ich voll ein, vergesse alles andere um mich herum und bin in diesem Flow-Zustand, lebe nur gerade diesen einen, intensiven Moment.

Wo liegt denn der Unterschied zwischen Felsen und Halle?
Das Material ist vollkommen anders. Felsklettern ist im Normalfall bestimmt statischer und langsamer in den Bewegungen. Die Griffe sind normalerweise einiges kleiner und die Fussarbeit wird wichtiger. Du musst kleinen Tritten vertrauen. Zudem braucht Felsklettern mehr Ausdauer, da die Routen deutlich länger sind. Hingegen ist das Klettern in der Halle koordinativer, physisch strenger, weil der ganze Körper eingesetzt wird und die Griffkraft eine kleinere Rolle spielt.

Das Verspielte und die Abwechslung – das fasziniert mich am Klettern. Sascha Lehmann

Und wie sieht ein Wettkampf beim Leadklettern aus?
Ein Wettkampf besteht aus drei Runden: der Qualifikation, dem Halbfinal und dem Final. Pro Route haben wir einen Versuch. Was zählt, ist, wie hoch wir in der Route kommen, also der höchste erreichte Griff. Als Zeitlimite sind sechs Minuten vorgesehen, danach ist Schluss. Normalerweise reicht das vollkommen.

In der ganzen Schweiz entstehen neue Kletterhallen. Wo steht deine Lieblingskletterwand?
Das O’BLOC in Ostermundigen ist definitiv mein Zuhause. Da habe ich grosse Unterstützung. Mir werden die Trainings organisiert und auch mal neue Routen eingerichtet. Ich bin aber auch regelmässig in der Schweiz und im Ausland unterwegs, da wir für die Wettkampfvorbereitung neue Routen brauchen. Im Gegensatz zum Bouldern, wo die Routen einfach anzupassen sind, ist der Aufwand beim Leadklettern einiges grösser und braucht beispielsweise eine Hebebühne.

Und wenn es dann einmal der Fels sein darf?
Der «Place to be» für schwierige Kletterrouten in der Schweiz ist ganz klar Gimmelwald, im Lauterbrunnental. Die Wand ist enorm überhängend und die ganze Kulisse rundherum einfach spektakulär. Da kann ich wunderbar abschalten.

Wenn du mal nicht für einen Wettkampf trainierst, reizen dich andere Kletterformen?
Klar ist Bouldern die zweite Disziplin, der ich grosse Aufmerksamkeit schenke, weil die Kombination Leadklettern und Bouldern für Olympia zählt. Ich bin hingegen kein grosser Bergsteiger, aber wenn ich Zeit hab, dann mach ich das gerne mal nebenbei. Eisklettern habe ich auch schon ausprobiert, ist mir aber eher ein bisschen zu kalt.

Neben dem Adrenalinkick gibt es sicher auch immer wieder schwierige Momente?
Als Spitzensportler suchst du konstant das Limit. Das hält der Körper nicht immer aus. Darum musst du Verletzungen im Spitzensport einfach akzeptieren. Hart ist es aber trotzdem. Ich denke an meine Schulterverletzung in einem EM-Halbfinal, die mir den Final verwehrte. Und gerade mal ein halbes Jahr später hatte ich das Kreuzband gerissen, mit erneuter sechsmonatiger Reha.

Aber dann gleichen die schönen Momente diese Rückschläge wieder aus?
Klar. Mein erster Weltcup-Sieg war ein enorm spezieller Moment. Auch ein bisschen unerwartet. Das war am Heimweltcup in Villars 2019. Meine Familie war da, das Heimpublikum feuerte mich an. Ein sehr eindrückliches und spezielles Erlebnis.

Und wie bereitest du dich auf die Heim-WM vor?
Im vergangenen Winter habe ich mich auf Kraft und Physis konzentriert, um eine gute Basis zu haben. Im Frühling ging ich viel Bouldern. Danach wechselte ich aufs Leadklettern, um auch längere Routen zu bewältigen. Kurz vor der WM werden wir auch den Ablauf der einzelnen Tage simulieren: Wann esse ich, wann brauche ich eine Pause, wann wärme ich mich auf? So verinnerliche ich den Ablauf. Gerade auch mental ist das bestimmt wichtig bei einer Heim-WM, bei der der Druck definitiv grösser ist. Als Athlet werde ich das wohl nur einmal erleben.

Kommen wir auf Olympia 2024. Was sind deine Ambitionen?
Mein erklärtes Ziel ist die Teilnahme. Wobei die Anforderungen respektive das Niveau von Jahr zu Jahr steigen. Viele junge Kletterer rücken nach, die noch jünger angefangen haben, professionell zu trainieren, als wir das taten.

Ganz eine andere Frage. Wie trainierst du die perfekte Körperspannung?
Das mache ich vor allem mit Wettkampfsimulationen. Einmal lege ich beispielsweise den Fokus darauf, die Füsse perfekt zu platzieren. Ein anderes Mal konzentriere ich mich auf das Routenstudium. Je näher der Wettkampf kommt, desto besser müssen die verschiedenen Komponenten zusammenpassen.

Was dann auch viel Fingerkraft braucht?
Klar, Fingerkraft übe ich an der Wand oder an thematischen Bouldertrainingswänden, an denen es verschiedene kleine Leisten und Griffe gibt. Oder auch mit Smart Boards, die mit einer App verbunden sind und dank Sensoren Rückschlüsse auf Maximalkraft (der Finger), Kraftausdauer und Greiftempo geben.

Zum Schluss: Träume, die du verwirklichen möchtest?
Ach, um glücklich zu sein, braucht es nicht viel. Ich möchte noch lange Spass und Freude am Sport, am Spiel haben. Am Spiel gegen mich selbst, gegen die Route, die Wand. Und natürlich möchte ich gesund bleiben und den Sport möglichst lange ausüben. Denn irgendwann werde ich keine Wettkämpfe mehr bestreiten, was nicht heisst, dass ich das Klettern an den Nagel hänge.

Vielen Dank für das Gespräch, Sascha!

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Heute lebt sie in Bern, hat an der Fernuni Schweiz den Bachelor in Psychologie abgeschlossen und den Master an der Uni Bern begonnen. Und findet trotz des Pensums Zeit für ein Gespräch mit ihrer Sponsorin Cornèrcard.

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