Unsere Design-Redakteurin Linda Pezzai wählt die besten Pavillons 2025 auf der diesjährigen Architekturbiennale.
Die Architekturbiennale Venedig 2025 zeigt, wie Architektur jenseits von Kontrolle, Konvention und Beton neu gedacht wird. Ob flüssige Räume im Zeichen des Wassers oder queere Körper als Widerstand gegen fossile Macht – die Beiträge reichen von spekulativer Stadtplanung bis hin zu textilen Meditationen über Vergänglichkeit. In einer Zeit globaler Krisen wird Architektur zum lebendigen Prozess, der nicht nur gestaltet, sondern hinterfragt, vernetzt und verwandelt.
Die Entstehung poetischer Räume – Uruguay
Der uruguayische Pavillon ruft das Hydrocene aus – ein Zeitalter, in dem Wasser zur architektonischen Intelligenz wird. Zwischen schwebenden Tropfen, metallischen Resonatoren und Stimmen indigener Gemeinschaften entsteht ein poetischer Raum über Knappheit, Klang und Klimaresilienz. Architektur fliesst, kreist, tropft – und verflüssigt alte Paradigmen.
Zwischen Radikalismus und Fluidität – Helsinki
Der ikonische Pavillon von Sverre Fehn wird, kuratiert von der in Helsinki ansässigen Architektin Kaisa Karvinen, zur Arena des Widerstands: In «Industry Muscle: Five Scores for Architecture» inszeniert der finnische Künstler Teo Ala-Ruona eine radikale Kritik an fossilen Machtstrukturen und architektonischer Starrheit. Zwischen choreografierter Nacktheit, recyceltem Marmor und queerer Fluidität entsteht eine neue Form räumlicher Erfahrung. Der Körper wird zum Werkzeug, um das moderne Erbe zu durchbrechen – roh, sinnlich, unbequem.
Entspricht Sicherheit der Norm? – Polen
Was schützt uns – der Feuerlöscher an der Wand oder der gesegnete Rosenkranz am Türrahmen? Die polnische Ausstellung tastet sich an ein Gefühl heran, das sich nicht normieren lässt: Sicherheit. Zwischen archaischen Ritualen und moderner Bürokratie wird der Wohnraum zur Projektionsfläche kollektiver Ängste. Der immersive Pavillon von Maciej Siuda, Krzysztof Maniak und Katarzyna Przezwańska wirkt wie ein Schutzzauber – gegen Katastrophen, aber auch gegen das Vergessen.
Handwerkt trifft Technologie – Serbien
Gewebte Wollpaneele, gefertigt von Mensch und Maschine, hängen wie atmende Landschaften im Raum – und werden von solarbetriebenen Motoren langsam dekonstruiert. Am Ende der Biennale: 125 Wollknäuel. Der serbische Beitrag ist eine textile Meditation über Vergänglichkeit, Kreislaufwirtschaft und das stille Zusammenspiel von Handwerk und Technologie.
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