Eigenwillige Porträts auf den Plakaten, grosse Namen auf dem Green Carpet und Geschichten aus aller Welt auf der Leinwand: Vom 24. September bis zum 4. Oktober 2026 zeigt das Zurich Film Festival einmal mehr, wie viele Gesichter Kino haben kann.
Wer in den kommenden Wochen durch Zürich geht, dürfte ihnen immer wieder begegnen: abstrakten Gesichtern mit grossen Augen, kantigen Nasen und ziemlich viel Charakter. Sie gehören zum neuen Plakat des Zurich Film Festival – und passen perfekt zu dem, was die Stadt vom 24. September bis zum 4. Oktober 2026 erwartet. Denn auch die 22. Ausgabe des ZFF hat viele Gesichter: bekannte und noch unbekannte, jene auf der Leinwand und jene, die über den Green Carpet flanieren. Entworfen wurde das diesjährige Key Visual von den beiden ZHdK-Studierenden Mimi Peneva und Nico Frei. Ausgehend vom bestehenden ZFF-Logo entwickelten sie ein modulares System, aus dem immer neue abstrakte Porträts entstehen. Sie stehen für die Vielfalt der Menschen, die beim Festival zusammentreffen – von internationalen Stars über junge Filmschaffende bis zum Publikum.
Bekannte Gesichter, neue Rollen
Eines der bekanntesten Gesichter wird am 26. September 2026 erwartet. Naomi Watts erhält den Golden Eye Award und präsentiert mit THE HOUSEWIFE zugleich ihren neuesten Film. Darin spielt sie im New York der 1960er-Jahre die geheimnisvolle Ehefrau eines Mannes, der im Verdacht steht, eine nationalsozialistische Vergangenheit zu verbergen. Als ein junger Journalist zu recherchieren beginnt, bekommt die scheinbar makellose Fassade Risse. Für Watts ist der Besuch in Zürich zugleich eine Gelegenheit, auf eine Karriere zurückzublicken, die spätestens 2001 mit David Lynchs MULHOLLAND DRIVE international Fahrt aufnahm.
Watts bleibt allerdings bei Weitem nicht der einzige grosse Name. Oscar-Preisträgerin Julianne Moore wird mit dem Golden Icon Award für ihre Karriere und ihre Rolle in THE DEBUT ausgezeichnet. Der US-amerikanische Regisseur Richard Linklater, der mit Filmen wie Before Sunrise und Boyhood Kinogeschichte geschrieben hat, erhält einen Career Achievement Award; eine Retrospektive begleitet seinen Besuch. Der irische Autor und Regisseur Martin McDonagh, bekannt für Three Billboards Outside Ebbing, Missouri und The Banshees of Inisherin, wird mit dem A Tribute to … Award geehrt und bringt seinen neuen Film WILD HORSE NINE mit in die Schweiz. Auch Juliette Binoche, Tom Hiddleston und Willem Dafoe haben sich angekündigt.
Wenn der Bunker zum Luxusprojekt wird
Doch ein Filmfestival lebt nicht allein von den Namen auf dem Green Carpet. Besonders neugierig macht in diesem Jahr BUNKER, der neue Thriller des französischen Regisseurs Florian Zeller. Schon die Besetzung kann sich sehen lassen: Penélope Cruz und Javier Bardem stehen gemeinsam vor der Kamera, flankiert von Stephen Graham, Paul Dano und Patrick Schwarzenegger. Bardem spielt einen Architekten, der von einem Tech-Milliardär den Auftrag erhält, einen luxuriösen Hochsicherheitsbunker zu entwerfen – als privaten Rückzugsort für den Fall einer globalen Katastrophe. Je weiter das Projekt voranschreitet, desto stärker beginnt seine Frau, gespielt von Cruz, an den Wertvorstellungen ihres Mannes zu zweifeln. Zukunftsangst, Moral und die Frage, wie weit sich Sicherheit kaufen lässt, werden so zum Prüfstein einer Beziehung. Ein Stoff, der angesichts gegenwärtiger Krisen kaum zeitgemässer sein könnte.
Auch andernorts setzt das ZFF auf prominente Besetzungen und ungewöhnliche Geschichten. In THE ONLY LIVING PICKPOCKET IN NEW YORK spielt John Turturro einen alternden Taschendieb, dessen Beruf im Zeitalter von Zahlungskarten und Smartphones langsam aus der Zeit fällt. Danny Boyle wiederum richtet in INK den Blick auf die Medienwelt, während eine neue Verfilmung von Victor Hugos LES MISÉRABLES unter anderem Vincent Lindon, Tahar Rahim, Camille Cottin und Noémie Merlant vor der Kamera vereint.
Zürich als Premierenbühne
Zu einem internationalen Filmfestival gehören aber nicht nur jene Produktionen, deren Stars längst auf jedem roten Teppich erkannt werden. Für 2026 sind mehrere Weltpremieren angekündigt, darunter ALTE LIEBE, FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS, THE HAMMER, BLOOD MONEY oder EUROTRASH. Hinzu kommen internationale und europäische Premieren – und damit Filme, die in Zürich erstmals vor Publikum gezeigt werden.
Elf Tage lang treffen grosse Hollywoodnamen auf Nachwuchstalente, Weltpremieren auf Retrospektiven und glamouröse Auftritte auf jene stillen Entdeckungen, von denen man vor Festivalbeginn noch nie gehört hat. Das diesjährige Plakat bringt diesen Mix auf den Punkt: Das Zurich Film Festival hat nicht nur ein Gesicht. Es hat viele – und einige davon werden wir nach diesen elf Tagen vermutlich nicht mehr vergessen.
24. September bis 4. Oktober 2026
Zurich Film Festival 2026