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Zurich Design Week 2026

Design · September 2026

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Redaktion

September 2026

Out of the Ordinary

Raus aus den gewohnten Denkmustern, vertrauten Materialien und vorgegebenen Kategorien: Vom 17. bis 27. September 2026 laden die Zurich Design Weeks unter dem Motto «OUT OF…» dazu ein, Design aus neuen Perspektiven zu betrachten. Die fünfte Ausgabe führt dabei einmal mehr quer durch die Stadt – von Museen und Ateliers über Offspaces bis zum Paradeplatz. 

Manchmal beginnt Neues damit, einen Satz nicht zu Ende zu schreiben. «OUT OF…» lautet das diesjährige Thema der Zurich Design Weeks – und überlässt es bewusst den Designerinnen und Designern, womit sie die Lücke füllen. Out of the Box, Out of Office, Out of Curiosity oder Out of the Blue: Gefragt ist der Schritt aus dem Gewohnten, nicht nur gestalterisch, sondern auch gedanklich und gesellschaftlich. Vom 17. bis 27. September 2026 wird Zürich dafür einmal mehr zum weitläufigen Designparcours. Was vor fünf Jahren aus dem Wunsch nach stärkerer Vernetzung innerhalb der Schweizer Designszene entstand, bringt heute Museen, Hochschulen, Studios, Marken und junge Talente zusammen. Das Programm reicht von textilen Gesamtkunstwerken über wiederentdeckte Schweizer Designgeschichte bis zu einer Reise ins Weltall – zumindest in den Schaufenstern am Paradeplatz. 

Out of Category

Wer seine Tour im Museum für Gestaltung Zürich beginnt, sollte etwas mehr Zeit einplanen. Denn neben der Design Zentrale lohnt dort derzeit vor allem die Ausstellung «Christoph Hefti – The Missing Cat und andere textile Storys». Die erste umfassende Einzelausstellung des Schweizer Textildesigners führt in einen farbenprächtigen Kosmos, der sich einfachen Kategorien konsequent entzieht. Hefti, der unter anderem für Dries Van Noten und Jean Paul Gaultier gearbeitet hat, bewegt sich zwischen Textildesign und Kunst, Mode und Bühne. Handgeknüpfte Teppiche treffen auf Patchwork und Textildrucke, Keramik auf Möbel und performative Inszenierungen. Selbst ein ganzer Raum wird zum textilen Gesamtkunstwerk. Damit passt Hefti erstaunlich gut zu einem Designfestival, das dazu auffordert, vertraute Grenzen hinter sich zu lassen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 3. Januar 2027.

Christoph Hefti © Gregory Georgescu
Christoph Hefti © Taxi Val Mentek

Out of Stock

Was bereits vorhanden ist, muss nicht zwangsläufig ausgedient haben. Der Zürcher Designer Robert Wettstein macht diesen Gedanken mit «Plenty» zum Ausgangspunkt seiner Arbeit. Er sammelt «zugelaufene», geschenkte oder wiederentdeckte Materialien und verwandelt sie in skulpturale Designobjekte. Nicht trotz des Überflusses wird gestaltet, sondern gerade aus ihm. Besonders interessant ist dabei ein Objekt, das nicht neu, sondern fast 70 Jahre alt ist. Wettstein zeigt erstmals öffentlich den aufgearbeiteten SAFFA-Stuhl von Erika Schläpfer-Thöne aus dem Jahr 1958. Das wiederentdeckte Möbelstück bringt ein Stück Schweizer Designgeschichte zurück in die Gegenwart – und passt damit fast exemplarisch zu einem Projekt, das danach fragt, was ein zweites Leben verdient. 

© Robert Wettstein

Out of the Blue

Blau ist nicht gleich Blau. Die Installation «Blau machen» widmet sich mit Ultramarin und Pariserblau zwei Pigmenten, die Kunst‑, Design- und Architekturgeschichte geschrieben haben. Besuchende erfahren, wie aus historischen Pigmenten präzise Farbrezepturen entstehen und welche Rolle Licht, Material und Herstellung für deren Wirkung spielen. Die Spur führt dabei zu Yves Klein, Eileen Gray und Le Corbusier, deren Arbeiten von der besonderen Tiefe und Leuchtkraft blauer Farbtöne geprägt wurden. Gleichzeitig geht es um die Wahrnehmung: Wie verändert Blau einen Raum, warum empfinden wir bestimmte Farbtöne als beruhigend und wie lässt sich Farbe gezielt einsetzen, um Atmosphäre zu schaffen?

Out of the Box – And out of this World

Wie unterschiedlich sich ein Motto interpretieren lässt, zeigt sich vielleicht am schönsten bei zwei Namen, die man nicht unbedingt im selben Atemzug nennen würde: IKEA und Hermès. IKEA Schweiz hat gemeinsam mit dem niederländischen Designstudio Raw Color die immersive Installation «Make space for…» entwickelt. Ausgangspunkt ist ausgerechnet eines der einfachsten Dinge überhaupt: die Box. Aus zahlreichen Boxen entsteht eine farbenreiche Landschaft, die vertraute räumliche Perspektiven verändert. Im «Keepsake Box Atelier» können Besuchende anschliessend selbst eine Box gestalten – als Aufbewahrungsort für Dinge, von denen sie sich noch nicht trennen möchten, und gleichzeitig als Platz für Neues. 

Während IKEA damit buchstäblich out of the box denkt, geht es bei Hermès gleich out of this world. Für die Schaufenster des Geschäfts am Paradeplatz hat das Lausanner Designstudio Panter&Tourron eine kosmische Szenerie unter dem Titel «Venture Beyond» geschaffen. Inspiriert von den visionären Reisen Jules Vernes und den fantastischen Bildwelten von Moebius ziehen drachenartige Flugobjekte durch ein imaginäres Universum, irgendwo zwischen Raumschiff und Hermès-Ikone. Farbenfrohe Planeten werden zu unbekannten Welten, auf denen gelandet, entdeckt und weitergereist wird. Zwei Interpretationen könnten kaum weiter auseinanderliegen: Hier die alltägliche Box, dort das unendliche Weltall. Gemeinsam ist ihnen die Aufforderung, sich vorzustellen, was möglich wird, wenn man den vertrauten Raum verlässt. 

«Make space for…» von IKEA © IKEA
«out of this world» von Hermès © Hermès

Out of one Place

Genau das sollte man während der Zurich Design Weeks übrigens auch ganz praktisch tun. Das Event konzentriert sich nicht auf ein Messegelände, sondern verteilt sich über die ganze Stadt. Wer möglichst viel sehen möchte, tut deshalb gut daran, seine Route vorab zu planen – und Orte anzusteuern, an denen mehrere Positionen zusammenkommen. Einer davon liegt in Zürich-Oerlikon. Die alle zwei Jahre stattfindende Interior-Ausstellung «neue räume» bringt mehr als 100 Aussteller auf rund 7’000 Quadratmetern zusammen. Neben Möbeln und Produktneuheiten gehören kuratierte Sonderschauen zum Konzept der inzwischen 13. Ausgabe. 

Und wer zwischendurch eine Pause braucht, findet dafür die passende Design-Week-Interpretation. Der Zürcher Concept Store paus. verbindet Stoneground-Tee mit Design und Ritual. Tee wird dort frisch auf der Steinmühle vermahlen; eigens für die Design Weeks entsteht ein spezieller Drink, zudem führen Workshops mit einem Tee-Sommelier in das Handwerk ein. 

17. bis 27. September 2026
Zurich Design Weeks

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