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Wenn bedeutende Werke das Museum wechseln, entsteht oft ein neuer Blick. Genau das ist derzeit mit einem Teil der Sammlung des Kunst Museum Winterthur zu erleben. Aufgrund der laufenden Sanierung ist ein Grossteil der weltberühmten Bestände vorübergehend ausgelagert – und an einem Ort zu sehen, den viele Schweizer Kunstinteressierte bislang nicht auf dem Radar hatten: im norditalienischen Udine.

Unter dem Titel «Monet, Van Gogh, Picasso, Kandinsky, Magritte» zeigt die Ausstellung einen konzentrierten Überblick über rund 150 Jahre Kunstgeschichte. Die Auswahl überrascht durch ihre Qualität und Dichte – und durch die Nähe, die hier zu den Werken entsteht. Zu sehen sind Lichtstudien von Claude Monet, die emotionale Kraft von Vincent van Gogh, kubistische Arbeiten von Pablo Picasso, die spirituelle Abstraktion von Wassily Kandinsky sowie die rätselhaften Bildwelten von René Magritte. Werke, die unser modernes Sehen bis heute prägen – hier in einem ungewohnt intimen Rahmen.

Ein Museum mit Geschichte

Gastgeberin der Ausstellung ist die Casa Cavazzini, mitten in der Altstadt von Udine. Das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus des Textilmagnaten und Mäzens Dante Cavazzini wurde der Stadt mit der Vision eines Museums für moderne Kunst vermacht. Die architektonische Umgestaltung stammt von der italienischen Architektin Gae Aulenti, bekannt unter anderem für das Musée d’Orsay in Paris. Glasböden eröffnen den Blick auf antike Zisternen, Fresken aus dem 14. Jahrhundert treffen auf avantgardistische Wandmalereien der Brüder Afro und Mirko Basaldella. Geschichte wird hier nicht konserviert, sondern weitergedacht – ein idealer Rahmen für eine Ausstellung dieser Bedeutung. Gerade diese räumliche Nähe macht den Reiz der Winterthur-Werke in Udine aus. Anders als in den grossen Museen von Paris oder London lassen sich die Bilder hier ohne Gedränge erleben – ruhig, konzentriert, fast persönlich.

Udine entdecken

Wer wegen der Ausstellung nach Udine reist, entdeckt eine Stadt, die mit einer überraschenden Gelassenheit empfängt. Die Piazza della Libertà, oft als schönster venezianischer Platz auf dem Festland bezeichnet, verströmt mit der Loggia del Lionello Renaissance-Eleganz. Unter Arkaden wird flaniert, ein Aperitivo genossen, das Licht auf pastellfarbenen Fassaden beobachtet. Udine ist auch die Stadt von Giambattista Tiepolo, dessen barocke Fresken bis heute präsent sind. 

Infobox:

  • Ausstellung: Meisterwerke aus dem Kunst Museum Winterthur
  • Ort: Casa Cavazzini, Udine
  • Dauer: bis 30. August 2026
  • Tipp: unter der Woche kommen – für Ruhe, Nähe zu den Werken und Zeit für die Stadt

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