Nina Egli hat sich vor allem mit ihren Mode- und Schmuckdesgins ihres Labels Family Affairs einen Namen gemacht. Nun ist die Zürcherin vermehrt als Illustratorin tätig und zählt dank ihres einzigartigen, verspielt-alltäglichen Stils sogar die Mega-Künstlerin Marina Abramovic zu ihren Kundinnen.
Im Interview mit moments erzählt Nina Egli von ihren kreativen Ritualen, ihrem Alltag und wie ihre besten Arbeiten entstehen.
Nina, du kommst ursprünglich aus der Mode und deine Illustrationen sind Teil der Modedesigns. Wann hast du gemerkt, dass du vermehrt als Illustratorin arbeiten möchtest?
NE: Zeichnen und Malen waren für mich schon als Kind ein Rückzugsort – neben dem Lesen meine liebste Beschäftigung. Unsere Mama hat in den Ferien immer einen Zeichnungskoffer mit Papier und Stiften gepackt, das war unser Entertainment für die ganzen Ferien. Dieses «Training» hat also früh begonnen. Dass ich heute so viel illustriere, verdanke ich einer Freundin, die mir sehr klar gesagt hat: Du machst das jetzt. Ich dachte lange, dass ich nicht einfach «so» anfangen darf, obwohl Zeichnen mein Leben lang da war.
Seit rund zwei Jahren arbeitest du primär als Illustratorin. Wie hat sich dein Blick auf deine eigene Arbeit seither verändert?
NE: Ich liebe meine Arbeit sehr – es ist mein absoluter Traumberuf. Gleichzeitig versuche ich, mich nicht auszuruhen, sondern mit der Arbeit zu wachsen und mich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Deine Illustrationen wirken verspielt, leicht und sehr lebensnah. Was interessiert dich an diesen kleinen, alltäglichen Momenten besonders?
NE: Die kleinen, alltäglichen Momente sind meine grösste Inspirationsquelle. Manchmal denke ich Jahre später noch an ein bestimmtes Essen auf einem Markt oder an eine Gelateria, in der ich mit zehn war. Das ist für mich Genuss und Leben. Ich versuche bewusst, jeden Tag kleine Highlights zu sehen und mir Leichtigkeit zu bewahren – in der Arbeit wie im Alltag. Ich romantisiere mein Leben ein Stück weit.
Vieles in deiner Arbeit wirkt intuitiv. Wie dürfen wir uns deinen Arbeitsalltag vorstellen?
NE: Damit ich intuitiv arbeiten kann, brauche ich eine Art Warm-up. Am liebsten stehe ich sehr früh auf, denke ein wenig vor mich hin, mit einem Schwarztee mit Milch. In dieser Phase dürfen Gedanken abschweifen, Konzepte entstehen, Projekte Form annehmen. Wenn ich mich später an den Tisch setze, ist Go-Time. Dann arbeite ich sehr fokussiert und ohne viel Zögern. Oft ergibt sich das Konzept erst durchs Anfangen. Daneben gibt es natürlich auch vieles Organisatorische: Produktionsmanagement für Family-Affairs-Objekte – aktuell etwa eine neue Pyjama-Kollektion – Administration, Kommunikation.
Du hast in früheren Gesprächen von Ritualen, Pausen und Genussmomenten erzählt – vom Café bis zum Meersalzbad. Welche Rolle spielen solche Routinen für deine Kreativität?
NE: Ein Schwarztee mit Milch im Bett vor Sonnenaufgang oder ein Meersalzbad gehören zu meinen liebsten Ritualen. Wenn es mir gut geht, bin ich kreativer – so einfach ist das.
Du hast auch einmal gesagt, dass du am Wochenende bewusst Abstand von Leistung, Excel-Tabellen und Optimierung hältst. Ist das immer noch so?
NE: Ich glaube, meine Distanz zu Excel-Tabellen liegt auch daran, dass ich sie schlicht nicht besonders mag – wahrscheinlich wäre es nicht schlecht, mich ihnen etwas anzunähern. Es macht mir nichts aus, am Wochenende zu arbeiten, aber dann am liebsten kreativ und nicht administrativ. Und Zeit mit meinen Liebsten gehört genauso dazu – inklusive ein paar Runden Uno.
Man begegnet dir in sehr unterschiedlichen Arbeits-Settings: allein im Atelier, live an Events, bei Menüs oder live bei kulturellen Anlässen. Wie erlebst du diese Momente, wenn Illustration Teil eines Erlebnisses wird?
NE: Als Live-Illustratorin Teil eines Anlasses zu sein, macht mir grosse Freude. Ich arbeite im Hintergrund, und wenn Gäste am Ende ein handgemaltes Porträt mitnehmen und sich darüber freuen, ist das immer ein Highlight. Es braucht viel Konzentration, Menschen im Moment und unter Zeitdruck einzufangen – genau das mag ich.
Ende letzten Jahres war deine Arbeit Teil eines Projekts im Umfeld von Marina Abramović, realisiert gemeinsam mit Star-Koch Ralph Schelling. Wie kam es dazu?
NE: Die Privatbank, die das Dinner organisiert hat, wurde durch meine Zusammenarbeit mit Ralph Schelling auf mich aufmerksam und hat mich kontaktiert. Ralphs Menü wurde durch Marina Abramovićs Worte ergänzt und so selbst Teil ihrer Kunst. Auch wenn Marina eine absolute Legende ist, war es mir wichtig, ruhig zu bleiben und mich ganz auf die Arbeit zu konzentrieren. Ich habe mich in ihre klare Bildsprache eingefühlt und versucht, ihren Worten Raum zu geben.
Deine Arbeiten dürfen humorvoll, unaufgeregt und unperfekt sein. Was gibt dir diese Freiheit zurück?
NE: Sie erlaubt mir, Dinge mit Humor zu nehmen, das Schöne im Alltäglichen zu sehen und nicht alles zu ernst zu nehmen. Meine Arbeit erinnert mich daran, dass Ästhetik, Freude und das Unperfekte Platz haben dürfen.
Deine Arbeit ist heute sehr sichtbar, gleichzeitig betonst du, wie wichtig Offline-Zeit für dich ist. Wie bringst du diese beiden Pole zusammen?
NE: Der Kern meiner Arbeit ist offline – Zeichnen und Malen. Das schätze ich sehr. Sichtbarkeit gehört dazu, und ich teile meine Arbeit gern, aber ich muss meinen Instagram-Konsum bewusst steuern. Ich bin visuell sehr offen, und wenn ich anfange, Reel-Musik mitzusingen, weiss ich: Es ist Zeit für eine Pause. Deshalb lösche ich Instagram regelmässig für ein paar Tage von meinem Smartphone.
Wenn du nach vorne schaust: Worauf hast du als Illustratorin – und als Mensch – gerade am meisten Lust?
NE: Auf das Einfache und Schöne: in einer neuen Stadt ein Lieblingscafé entdecken, Blumen arrangieren, den Tisch schön decken. Märkte, neue Musik, Überraschungen. Als Illustratorin freue ich mich auf jedes neue Projekt. Mit meinen Kundinnen und Kunden besondere Lebensmomente begleiten zu dürfen, empfinde ich als grosses Privileg.
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