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Wenn die «Grand Tour of Switzerland» im frischen Schnee versinkt und viele Pässe Wintersperre haben, empfiehlt sich der Umstieg auf die Bahn. MySwitzerland hat dazu eine Rundreise mit den schönsten Erlebnisbahn-Strecken zusammengestellt – ein einziger Traum in Weiss.

Herrlich verschneite Berggipfel wohin man schaut. Aber leider auch: Schneekettenpflicht und gesperrte Pässe. Oder kurzfristig aufgetürmte Schneewechten. Idyllisch anzuschauen, aber zugleich auch im Weg. Die grandiose Naturkulisse der Schweiz hält zu jeder Jahreszeit Überraschungen bereit. Auch für jene Autofahrer, die sich in den Wintermonaten auf die spektakuläre Rundfahrt der «Grand Tourismus of Switzerland» begeben – und dann auf Improvisationen angewiesen sind. Eine wunderbare Alternative, die anlässlich des 10-Jahr-Jubiläums der berühmten Grand Tour ausgearbeitet wurde, lautet nun: den Wagen einfach parkieren. Schlüssel abziehen. Oder besser noch: überhaupt gleich per Flug oder Zug anreisen. Das macht im Premium-Bahnland Schweiz, berühmt für Pünktlichkeit und das dichte Bahnnetz, generell Sinn. Besonders aber dann, wenn es um die wintertaugliche Variante der legendären Schweiz-Rundreise geht. «Grand Train Tour of Switzerland – Winterzauber» heisst sie. Eine Zugreise durch ein Wintermärchen namens Schweiz, die alles bietet, was man sich von diesem Ziel erträumen kann: blaugrüne Gletscher und funkelnden Pulverschnee, zugefrorene Seen und tief eingeschneite Bergdörfer. Ganz grosses Winterkino, betrachtet durch die Fenster der feinsten Panoramazüge, die das Land zu bieten hat.

Alles nach Fahrplan

Höchste Eisenbahn für traumhafte Landschaften – auch so wird die wintertaugliche Variante der berühmten «Grand Tour of Switzerland» gerne beschrieben. Sie führt durch Winterdestinationen wie Zermatt, Interlaken und St. Moritz. Eine gute Woche ist dann nicht schlecht kalkuliert. Flexibel unterwegs ist man im Zuge der winterlichen Reise durch die Schweiz allemal. Denn die einzelnen Etappen lassen sich beliebig verlängern, zusätzliche Skitage und Ausflüge können eingebaut werden. Für viele ist das ohnehin keine Frage: Liegen doch einige der berühmtesten Skigebiete der Welt auf der Strecke, von Jungfrauenjoch bis Grindelwald oder Zermatt. 

Altes Eisenbahneisen in Luzern

Eine Stunde dauert der Prolog vom Flughafen Zürich zum ersten Stopp Luzern. Dass sich das Tor in die Zentralschweiz als perfekte Einstimmung eignet, entdeckt man spätestens bei der obligaten Schiffsrunde am Vierwaldstätter See. Ein beeindruckendes Alpenpanorama glitzert dann über der winterstillen Wasserfläche und lädt zu Ausflügen auf die umliegenden Höhen Pilatus, Titlis oder Rigi ein. Mit Letzterem verbindet sich ein Stück Eisenbahngeschichte: Die 30-minütige Zahnradbahn ab Vitznau bescherte Europa 1871 als erste Bergbahn eine lange zurückliegende Premiere. Vor Kurzem wurde der historische Wagenpark um neue Fahrzeuge ergänzt – eine Hommage an den ältesten Zahnradtriebwagen der Welt, jene Nr. 6 aus dem Jahr 1911, die bis heute zwischen Goldau und Rigi Kulm unterwegs ist.

Berner Oberland auf Schiene

Gute Aussichten verspricht aber auch die Weiterreise mit dem Luzern-Interlaken Express. Zwei Stunden dauert die Fahrt, vorbei am jetzt still daliegenden Lungerersee, und weiter Richtung Berner Oberland. In Interlaken, dem Startpunkt in die Jungfrau Region und weltweit führend punkto Abenteuersport, haben Bahnfahrer erstmals die Qual der Wahl: Mit der Wengernalpbahn via Grindelwald bis Kleine Scheidegg? Oder gleich weiter, per Jungfraubahn aufs legendäre Jungfrauen hinauf, und Europas höchstgelegene Bahnstation inmitten des UNESCO-Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch im Winter geniessen? Sieben Kilometer lang ist der Tunnel ab Station Eigergletscher, dessen Bau bereits 1896 in Angriff genommen wurde. Ein Stopp im Bergstollen erlaubt spektakuläre Blicke durch Waggonfenster aus der Eigernordwand. Auf dem Gipfel erschliesst sich den Besuchern eine hochalpine Wunderwelt aus Eis, Schnee und Fels – besonders spektakulär von den Aletschgletscher-Aussichtsplattformen «Sphinx» und «Plateau».

Luzern Interlaken Express Cr Schweiz Tourismus
Schweiz Tourismus ©
Luzern-Interlaken Express

Zeit für Zermatt

Next Stop: Zermatt, der im Kanton Wallis gelegene, südlichste Ort der winterlichen Rundreise. Im Rahmen der berühmten Autorunde erreicht man hier beim 2492 Meter hohen Furkapass die höchste Stelle und geniesst später den Foto-Stop Grosser Aletschgletscher, an dem einem die Schweizer Berge auch im Hochsommer ihre lange, weisse Zunge zeigen – mit seinen 23 Kilometern handelt es sich um den grössten Gletscher der gesamten Alpenregion. Möglich ist das allerdings nur während des Sommers. Von Mitte Oktober bis Mitte Mai, wenn am Pass Wintersperre herrscht, bietet die Winterzauber-Variante der Grand Train Tour ganz andere Möglichkeiten. Dann lädt das autofreie Zermatt zum Umsteigen in die Matterhorn-Gotthard-Bahn ein, einem Eisenbahnunternehmen mit bloss 144 Kilometern Streckennetz und einer durchgehend schmalspurigen Spurweite von einem Meter. Doch zugleich gilt die ganzjährig verkehrende Matterhorn-Gotthard-Bahn als Alpen-Erlebnisbahn schlechthin. Eine besonders schöne Etappe: die Strecke durch das tief verschneite Nikolai-Tal alias Vallée de Zermatt, eines der südlichen Seitentäler des Rhonetals und umgeben von drei der vier höchsten Bergmassive der Alpen. Aber Zermatt hat für Bahnliebhaber noch weitere Bahnabenteuer parat. Da wäre die Fahrt mit der ebenfalls ganzjährig verkehrenden Gornerbahn auf den Gornergrat: Nach 1469 Höhenmetern und Anreise über eindrucksvolle Brücken, durch Galerien und Tunnels, vorbei an Lärchenwäldern, Steinschluchten und Bergseen hat die Zahnradbahn ihr Ziel erreicht. Dann bietet der von 29 Viertausendern umgebene Gornergrat ein Gebirgspanorama, wie es überwältigender kaum sein kann. Zum Winterwandern, Schneeschuhlaufen oder Skifahren mit Ausblick auf das Matterhorn lädt die kurze Fahrt ebenfalls ein, und auch die multimediale Erlebniswelt «Zooom the Matterhorn» kann das ganze Jahr über besucht werden. Der Ausflug zum Matterhorn-Gletscherparadies, wo sich auf 3883 Metern Höhe Europas höchstgelegene Bergstation befindet, ist ohnehin Pflicht. Unternimmt man ihn in einer der brandneuen Crystal Ride-Kabinen des Matterhorn Glacier Rides – sie sind mit 280000 Swarovski-Steinen besetzt – dann funkelt der markanteste Berg der Welt in ganz neuem Licht. 

St. Moritz: Glamour und Streckentechnik

Eine Einstimmung auf eine besonders glamouröse Etappe der Schweiz-Rundtour ist das allemal. Die Rede ist vom mehrere Stunden entfernten St. Moritz. Wer mit dem Glacier Express von Zermatt nach St. Moritz rollt, erspart sich unterwegs sogar das Umsteigen. Champagner und Winterpolo an einem herrlichen See vor prachtvoller Winterkulisse. Viel Sonne und noch mehr Glamour – all das macht den wohl mondänsten Wintersportort der Welt zu einem Ziel, das man nach Möglichkeit gerne per Rolls Royce oder Lamborghini anfährt. Wer mag, kann auf der ältesten noch in Betrieb befindlichen Bobbahn der Welt, der Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina einsteigen und eine flotte Gäste-Bobfahrt wagen. Doch man kommt in St. Moritz auch mit ganz normalen Bahnwaggons gut weiter. Präziser: mit jenen der Rhätischen Bahn, für viele Eisenbahn-Fans eine der schönsten Bahnreisen der Welt. Im Winter präsentiert sich die Bahnstrecke Albula/​Bernina als weiss gleissendes Kernstück des UNESCO-Welterbes, dessen Strecke von Thusis nach Tirano als bahntechnisches Meisterwerk nicht zuletzt in die Tourismusgeschichte einging. Namen wie Landwasserviadukt oder Albulakarussell lassen nicht bloss Ingenieure und Bahnfreunde aufhorchen: Die «Kleine Rote» schlängelt sich über kühn geschwungene Viadukte und Brücken durchs Gebirge Graubündens. Schluchten, Felsbarrieren und grosse Steigungen wurden mit dem Bau der Strecke vor über hundert Jahren auf einzigartige Art und Weise überwunden, sodass sich die Albulastrecke von St. Moritz nach Chur nun harmonisch in die wilde Natur einbettet und heute eine Einheit mit der wildromantischen Kulturlandschaft bildet. Eine ähnlich spektakuläre Bahn-Attraktionen ist die Fahrt mit dem Bernina Express nach Tirano: Es ist die höchste Bahnstrecke über die Alpen, wo vor extragrossen Panoramafenstern die Bündner Bergwelt wie auf einer Leinwand vorbeigleitet. Beim Ospizio Bernina erreicht der Zug imposante 2253 Meter Höhe. 

Chur ist Pflicht

Unternimmt man die Wintervariante der Grand Train Tour of Switzerland in dieser Richtung, so markiert Chur den letzte Stopp. Rollt man per Bernina Express von St. Moritz zum Flughafen Zürich, ist man dreieinhalb Stunden unterwegs, von Chur sind es bloss noch neunzig Minuten. Doch ein wenig Zeit für den Aufenthalt in der ältesten Stadt der Schweiz sollt man am Ende der Winterzauber-Reise allemal einplanen. Etwa für den Ausflug zur spektakulären Rheinschlucht zwischen Reichenau und Ilanz. Sie trägt den Namen «Swiss Grand Canyon» zu Recht und ist per Rhätischer Bahn via Bahnhof Trin erreichbar. Ganz anders lohnenswert fällt der Bummel durch die zuletzt aufwendig renovierte Altstadt von Chur aus – eine der intaktesten der Schweiz. Kleine Gässchen, Cafés und Bündner Delikatessen laden dann zu einer letzten Genuss-Station ein. Ein netter Zug ist auch das.

Rheinschlucht Cr Schweiz Tourismus
Schweiz Tourismus ©
Rheinschlucht

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