Mit Cherituelle denken Imane Karboussi und Frederik Strange Luxus neu – als bewusste Form der Wertschätzung. Ihr Schmuck erzählt von Handwerk, Verantwortung und Schönheit, die nicht nur gesehen, sondern gefühlt werden will.
Nach aussen ist Cherituelle ein junges Schmucklabel mit klarer Ästhetik. Doch hinter den feinen Linien und glänzenden Oberflächen steckt eine Geschichte über Mut, Wandel und Werte. Als Imane Karboussi und Frederik Strange nach der Geburt ihrer Tochter ein Schmuckstück suchten, das diesen Moment festhält, fanden sie nichts, das ihren Vorstellungen entsprach. Also schufen sie selbst, was sie vermissten: eine Maison, in der Handwerk und Haltung untrennbar verbunden sind.
Der Markenname vereint cherish, ritual und elle. Was bedeutet das für Sie?
Wir wollten einen Namen, der unsere Werte widerspiegelt. Cherituelle = Cherish + Ritual + Elle. Es ist eine Einladung, die bedeutungsvollen Momente des Lebens zu würdigen und Rituale zu schaffen – für die Menschen, die unsere Welt prägen, für uns selbst oder für einen geliebten Menschen. Elle ruft zugleich Mutter Erde in Erinnerung und steht für unser Bekenntnis, jede Kreation verantwortungsvoll zu fertigen.
Sie kommen aus unterschiedlichen beruflichen Welten. Wie ergänzen Sie sich in Ihrer Arbeit?
Wir arbeiten sehr intuitiv zusammen. Mein Hintergrund in Strategie, Ingenieurwesen und im Luxussegment hilft, Visionen greifbar zu machen und jedes Detail mit Bedeutung zu füllen. Meine Jahre in der Schmuckbranche haben meinen Blick für Präzision und emotionale Tiefe geschärft. Frederik bringt seine Erfahrung aus dem Finanz- und Nachhaltigkeitsbereich ein – mit einem tiefen Verständnis dafür, wie verantwortungsbewusstes Handeln Wirkung entfalten kann. Er hat uns etwa dazu bewogen, Fairmined-Gold zu verwenden – eine Entscheidung, die zwar aufwendiger ist, aber unseren Werten entspricht. Uns verbindet der Wunsch, Schönheit und Bedeutung untrennbar zu machen.
Ihre Kollektion Ondine ist vom Wasser inspiriert – Bewegung, Wandel, Kraft. Wie entstehen Ihre Designs?
Oft beginnt alles mit einem Gefühl. Ondine ist eine Hommage an die fliessende Energie des Lebens – an Mut, Bewegung und Veränderung. Jede Linie, jede Textur erzählt eine Geschichte von innerer Stärke und Anmut. Für uns ist Design nie nur Ästhetik, sondern eine Sprache, mit der wir Emotion ausdrücken.
Cherituelle steht für Handwerk und Verantwortung. Wie bringen Sie beides zusammen?
Unsere Schmuckstücke entstehen in einem italienischen Familienatelier – mit derselben Präzision, die Haute Joaillerie auszeichnet, aber getragen von einer modernen Idee von Intimität. Wir arbeiten mit Fairmined-Gold, ethisch gewonnenen Edelsteinen und klimaneutralen, SCS-zertifizierten Labor-Diamanten. Verantwortung ist für uns kein Trend, sondern Ausgangspunkt. Wir beziehen unsere Kundinnen und Kunden in den Prozess ein – etwa bei einem Atelier-Erlebnis, bei dem sieben Frauen Teil der Entstehung wurden. Auch bei unserem kommenden Runway in Kopenhagen öffnen wir die Backstage-Türen – Transparenz ist Teil unserer DNA. Selbst unsere Verpackung spiegelt diese Haltung wider: Sie wird in Barcelona von Hand aus recycelten Materialien gefertigt. Zudem spenden wir ein Prozent unseres Gewinns an Bildungsprojekte für Frauen – weil Selbstermächtigung für uns die nachhaltigste Form von Luxus ist.
Transparenz und Offenheit gegenüber ihrer Kundschaft ist Ihnen sehr wichtig. Wie lebt Cherituelle diesen Anspruch?
Wir zeigen, woher jedes Material stammt und wer daran gearbeitet hat. Viele Marken schweigen über die Herkunft oder die Art der Gewinnung ihrer Edelsteine – wir wollen genau das sichtbar machen. Auf unseren Kanälen teilen wir Wissen, das unsere Kundinnen und Kunden befähigt, bewusste Entscheidungen zu treffen. Transparenz schafft Vertrauen – und das ist für uns das Fundament wahrer Schönheit.
Nachhaltigkeit ist ein grosses Thema in der Luxusbranche. Wo liegen für Sie die grössten Herausforderungen – und Chancen?
Die grösste Herausforderung ist, ehrlich zu bleiben. Recyceltes Gold klingt gut, löst aber oft keine Probleme, weil es kaum Rückverfolgbarkeit gibt. Mit Fairmined-Gold unterstützen wir aktiv Gemeinschaften, die verantwortungsvoll abbauen. Auch bei Diamanten ist die Diskussion komplex: Laborsteine sind ethischer, aber nur dann nachhaltig, wenn sie mit erneuerbarer Energie produziert werden. Wir wählen ausschliesslich klimaneutrale, zertifizierte Diamanten. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit, Verantwortung und Emotion zu verbinden – Schmuck zu schaffen, der Sinn stiftet und bleibt.
Ihre Tochter war die Inspiration für Cherituelle. Welche Rolle spielt sie für Ihre Arbeit heute?
Sie erinnert uns täglich daran, warum wir tun, was wir tun. Wir wünschen uns, dass sie sieht, dass Mut, Mitgefühl und Sinn wichtiger sind als Status. Dass wahre Brillanz nicht im Glanz liegt, sondern im Licht, das wir anderen geben.
Und wenn Sie in die Zukunft blicken – was wünschen Sie sich für Cherituelle?
Wir wünschen uns, dass Menschen die Seele der Marke spüren – und verstehen, dass wir nie einfach Schmuck verkaufen wollten. Im kommenden Jahr zeigen wir unsere erste Haute-Joaillerie-Kollektion an der Haute Couture × Fine Jewelry Show in Kopenhagen. Doch unser grösster Erfolg wäre, etwas zurückzugeben – Menschen zu inspirieren, Verantwortung zu übernehmen und mit Herz zu handeln.
Wenn Sie den Satz vervollständigen müssten: «Luxus bedeutet für uns …»
… das Gefühl, gesehen zu werden – und sich selbst in einem Moment der Schönheit zu erkennen. Luxus ist kein Statussymbol, sondern ein Bewusstsein. Er entsteht, wenn Bedeutung spürbar wird – so beständig wie das Schmuckstück selbst.
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