Reformer Pilates ist längst mehr als ein Nischentraining – in Zürich, Basel und Genf eröffnen laufend Studios, die Bewegung, Design und Lifestyle miteinander verbinden.
Eine, die den Trend mitprägt, ist Scarlett Steiner. Mit KULT Pilates hat sie einen Raum geschaffen, der Haltung zeigt – und erklärt, warum Präzision heute mehr bedeutet als Kraft.
Frau Steiner, Reformer Pilates ist aktuell angesagt wie nie. Woran liegt das?
Dieser Hype ist tatsächlich schwer in Worte zu fassen – der Reformer hat eine fast magnetische Wirkung. Das liegt einerseits am Reformer selbst, ein Trainingsgerät aus dem Pilates-Training, das von Joseph Pilates nach dem Ersten Weltkrieg erfunden wurde. Das Gerät besteht aus einer gepolsterten Liegefläche, die auf einem Gestell mit Federn und Rollen montiert ist, was eine Vielzahl von Ganzkörperübungen ermöglicht. Diese sind präzise, gelenkschonend und fast schon meditativ. Teilnehmerinnen und Teilnehmer spüren darum auf dem Reformer quasi sofort, wie sich eine Balance aus Kraft, Flexibilität und Stabilität einstellt. Und: Man trainiert im Reformer Pilates nicht wie im Gym anonym vor sich hin, sondern wird von gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern bei jeder Übung kompetent angeleitet. Die jeweils kleinen Gruppen ermöglichen zudem individuelle Anpassungen sowie schnell sichtbare Fortschritte, was natürlich ungemein motiviert.
Was kann das Reformer-Gerät, das andere Trainingsgeräte nicht leisten?
Der Reformer schafft etwas, das andere Trainingsformen so nicht leisten: Er vereint Kraft, Kontrolle, Ruhe und Herausforderung in einer einzigen Session. Unsere Klassen sind stark und zugleich erdend, fokussiert und dennoch belebend. Die Bewegungen sind ästhetisch, klar geführt und versetzen die Teilnehmenden in einen Flow-Zustand, in dem man völlig präsent ist. Dieser tiefe Fokus – diese Verbindung von Körper, Geist und Atmung – ist die eigentliche Magie. Das gibt es nur im Reformer Pilates.
Welche Menschen zieht diese Trainingsform besonders an?
Wir erleben eine sehr breite und heterogene Zielgruppe, bestehend aus Frauen und Männern jeden Alters – von Anfängern, die noch nie Pilates gemacht haben, bis hin zu Profisportlerinnen, die Reformer Pilates als Ergänzungstraining einsetzen. Aber auch solche, die nach einer längeren Sportabsenz wieder mit Training beginnen wollen oder solche, die sich von Verletzungen erholen möchten. Und nicht zuletzt Frauen, die nach einer Schwangerschaft mit Rückbildung beginnen.
Auf Social Media sieht man oft perfekte Körper auf den Reformern. Was ist daran Mythos – und was Wahrheit?
Social Media zeigt oft eine sehr kuratierte, ästhetische Seite von Reformer Pilates. Die Realität ist viel inklusiver, da sich dieses Training für alle Körper, alle Altersgruppen sowie alle Levels eignet. Der Reformer unterstützt dort, wo nötig, und fordert dort, wo man bereit dafür ist. Das macht dieses Gerät für Anfängerinnen genauso zugänglich wie für Fortgeschrittene. Und: Bei KULT leben wir diese Inklusivität ganz bewusst – vom Studio-Design über die Kommunikation bis hin zu jeder einzelnen Klasse. Niemand muss irgendwie reinpassen, alle sind willkommen.
Der Begriff KULT hat Kraft – und auch etwas Widersprüchliches. Wie lesen Sie ihn selbst?
Der Begriff KULT hat eine enorme Kraft – genau deshalb haben wir diesen, für einige widersprüchlich anmutenden Namen für unser Reformer Pilates-Studio gewählt. Er spielt mit einer Intensität, die man eigentlich nicht mit Wellness oder Fitness verbindet. Und gleichzeitig beschreibt dieser Name ziemlich genau das Gefühl, das entsteht, wenn Menschen gemeinsam etwas erfahren, daran wachsen und es lieben lernen. Für uns ist KULT kein blinder Glaube, sondern ein Erleben. Ein «Ich gehöre hierher». Schliesslich geht es bei uns um einen modernen Kult der Bewegung, der Gemeinschaft und der Selbstfürsorge. Wir verwenden darum diesen Begriff mit einem Augenzwinkern – aber die Energie dahinter ist echt: Wenn etwas guttut, darf man es feiern, darüber sprechen und sich sogar hineinsteigern. Nicht umsonst spricht man Pilates eine transformierende Kraft zu. Und wenn Menschen plötzlich drei, vier Mal pro Woche zu uns ins Studio kommen, sich besser fühlen, stärker werden und sich mit anderen verbinden – dann entsteht automatisch dieses kultige Gefühl. Wir geben dem nur einen Namen.
Was wollten Sie mit KULT schaffen – ein Studio, einen Raum oder eine Haltung?
Wir hatten schon vor der Eröffnung unseres Studios im September die Vision, einen Ort zu schaffen, in dem Menschen zusammenkommen können; sei es, um sich zu bewegen, etwas Neues zu lernen, sich mit anderen zu verbinden oder einfach sich selbst wieder stärker zu spüren. Natürlich arbeiten wir auch wirtschaftlich. Nichtsdestotrotz treiben uns insbesondere die positiven Veränderungen und Feedbacks unserer Kundinnen und Kunden an: Unsere Community wächst rasant, viele entdecken Pilates ganz neu und verlieben sich in den Reformer. Darum nennen wir das, was gerade passiert, mit einem Augenzwinkern «Obsession» – eine weitere Metapher, die uns und das, was wir machen, so gut beschreibt.
Welche Rolle spielen Licht, Materialien und Atmosphäre für das, was Menschen in Ihrem Studio erleben?
Licht, Materialien und Atmosphäre sind bei uns nicht Dekoration – sie sind Teil der Praxis. Im Performance-Bereich, dort, wo die Reformer stehen, soll das Licht das Training unterstützen, damit man die körperliche Ausrichtung wahrnehmen kann. Deshalb arbeiten wir ausschliesslich mit indirektem Licht und mit Sportspiegeln, die ein feines Hintergrundglühen erzeugen und nicht ablenken. So haben wir Klarheit ohne Härte geschaffen und somit eine Atmosphäre, in der man präzise, ruhig und fokussiert trainieren kann. In unserem Community-Bereich mit Matcha-Bar und einer kleinen Boutique verändert sich der Mood bewusst. Das Licht ist heller, offener, einladend. Materialien und Licht führen die Menschen also durch zwei Zustände: Konzentration und Begegnung. Beides gehört zu KULT. Und beides soll sich richtig anfühlen, sobald man den Raum betritt.
Pilates gilt als Training, das den Körper stärkt und zugleich fokussiert. Welche Veränderungen beobachten Sie bei Ihren Kundinnen und Kunden am deutlichsten?
Joseph Pilates hat einmal gesagt: «Nach zehn Lektionen fühlst du dich besser, nach zwanzig siehst du den Unterschied. Und nach 30 hast du einen komplett neuen Körper.» Diese Aussage beschreibt die Realität unserer Kundinnen und Kunden erstaunlich gut. Viele erleben sehr schnelle Veränderungen und berichten uns oft, dass sie besser schlafen oder sich wacher sowie stabiler fühlen. Manche haben sogar weniger Rückenschmerzen oder gehen positiver durch den Alltag. Das kommt nicht von ungefähr. Denn Reformer Pilates stärkt nicht nur den Körper, sondern schärft auch den Fokus. Man lernt, sich präziser zu bewegen, besser zu atmen, bewusster zu stehen oder zu gehen. Am deutlichsten sehen wir die Transformation bei jenen, die regelmässig kommen – zwei Mal pro Woche ist ideal. Da passiert etwas: körperlich, mental und im Selbstvertrauen.
In einer Zeit, in der vieles digital stattfindet, setzen Sie auf einen physischen Ort. Warum war Ihnen dieser reale Raum wichtig?
Weil Bewegung etwas ist, das man physisch erleben muss. Ein Körper kann nur im Raum, im direkten Kontakt, wirklich trainieren, wahrnehmen, loslassen. Zudem suchen Menschen in Zeiten von Homeoffice & Co. wieder vermehrt Orte, an denen sie bewusst abschalten können – fern von Bildschirmen und ständiger mentaler Erreichbarkeit. Gleichzeitig erleben wir gerade ein gesellschaftliches Umdenken: Trainingseinheiten in Studios verwandeln sich in Social Happenings. Man geht heute weniger aus, sehnt sich nach einer Gemeinschaft, die einen kreativ und authentisch erfüllt. Deshalb schaffen wir bei KULT nicht nur Training, sondern fördern auch den Community-Gedanken: Menschen, die sich auf dem Reformer kennenlernen, können bei uns zusammen im Reformer Pilates wachsen und sich so gegenseitig motivieren. So wird Bewegung zu einem Ritual, was wir bewusst mit Events erweitern; darunter Manifestations-Workshops oder Wellbeing-Rituale rund um Themen wie Intentionsarbeit oder Regeneration. Der physische Raum ist dafür die Grundlage. Er macht Begegnung, Energie und echte Verbindung überhaupt erst möglich.
Und zum Schluss: Woran erkennen Sie für sich persönlich, dass Bewegung gutgetan hat?
Der Reformer hat mir ein neues Leben geschenkt. Ich hatte eine hartnäckige Schulterverletzung, die mich jahrelang begleitet hat. Klassische Medizin und Physiotherapie halfen mir leider nicht weiter. Und Yoga war plötzlich nicht mehr möglich für mich. Einzig auf dem Reformer konnte ich weitertrainieren. Schritt für Schritt, kontrolliert, schmerzfrei – und irgendwann war die Verletzung weg. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Heute ist eine regelmässige Praxis für mich unverhandelbar. Sie macht mich ausgeglichener, geduldiger, belastbarer – aber auch zu einem besseren Menschen: als Freundin, Ehefrau, Mami. Denn in der Pilates-Praxis lernt man genau das, was man im Alltag braucht: Fokus, Ausdauer und das bewusste Loslassen von Erwartungen. Ferner, das Bewusstsein für den Körper und gleichzeitig auch eine Dankbarkeit für ihn.
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