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Chez Madeleine 18
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Le Rucher d’Evolène

Travel · September 2026

B

Brigitte Cocyan

September 2026

Ein Dorf wird zum Hotel

Sieben Zimmer in einem Haus wären ein kleines Hotel. Verteilt man Zimmer, historische Chalets, Raccards, Spa und Gastronomie über ein ganzes Walliser Bergdorf, entsteht daraus eine ziemlich spannende Idee: Le Rucher d’Evolène.

Ein Hotel braucht eine Lobby, Zimmer, Restaurant und Spa – zumindest nach klassischer Vorstellung. In Evolène sieht man das etwas anders. Hier entsteht mit Le Rucher d’Evolène ein sogenanntes Heritage Albergo Diffuso: kein abgeschlossenes Resort, sondern ein Hotel, das sich Schritt für Schritt über ein bestehendes Dorf verteilt. Gäste wohnen in unterschiedlichen historischen Häusern, gehen über Dorfstrassen zum nächsten Teil des Hotels und begegnen dabei zwangsläufig dem Ort, in dem sie gerade Ferien machen.

© Le Rucher d’Evolène

Die Idee des Albergo Diffuso stammt ursprünglich aus Italien und ist ebenso einfach wie klug: Statt für den Tourismus neue Gebäude zu errichten, werden bestehende Häuser eines Ortes genutzt und gemeinsam als Hotel geführt. In Evolène bekommt dieses Prinzip eine Schweizer Interpretation – und dafür ist das Walliser Bergdorf ziemlich gut geeignet. Einige der Gebäude sind bemerkenswert alt. Le For de Blatt stammt aus dem Jahr 1443, Chez Catherine & Joseph aus 1595, Chez Madeleine aus 1634 und Chez Berthe aus 1757. Alte Holzbalken, Steinstrukturen, Türen, Inschriften, bemalte Schränke und Truhen wurden bei der Restaurierung erhalten. Ergänzt wird der Bestand mit Lärchenholz, Naturstein und Schiefer aus der Region; gearbeitet wird unter anderem mit Handwerkern aus dem Val d’Hérens.

Zeitgenössischer Komfort darf trotzdem einziehen. Fussbodenheizung und gute Betten müssen schliesslich nicht historisch sein, nur weil die Mauern es sind. Für Architektur und Gestaltung sind die Büros Tamaris und Alp’Architecture verantwortlich. Géraldine Dohogne, die bereits Interieurs für Zannier Hotels gestaltet hat, übernimmt die künftige Brasserie La Pension, Studio C&C steuert Kunst bei.

© Le Rucher d’Evolène

Am 21. August 2026 eröffnet mit Le Central zunächst das kleine Zentrum des Projekts. Das Boutiquehotel im Dorfkern verfügt über sieben Zimmer, Garten, Honesty Bar, Skiraum und das Olèïnna Spa. Letzteres orientiert sich an einer alpinen Grotte und verbindet Stein, Wasser und reduziertes Licht mit Jacuzzi, Sauna, Zen-Raum und einem separaten Behandlungsraum.

© Le Rucher d’Evolène
© Richard Gaston

Doch Le Rucher soll weiterwachsen – nicht in Form eines grossen Neubaus, sondern Haus für Haus. Geplant sind zusätzliche Unterkünfte im Dorf, die öffentlich zugängliche Brasserie La Pension, ein Kultur- und Begegnungsraum im mehr als 580 Jahre alten Le For de Blatt sowie La Maison Jaune mit Sportshop und zwei Gästezimmern. 2028 soll mit L’Hermitage ein Berghotel mit weiteren 25 Zimmern folgen. Entscheidend ist dabei, dass Evolène nicht zur Hotelkulisse werden soll. Das Dorf im Val d’Hérens hat seine eigene Geschichte, Handwerkstraditionen und sogar eine bis heute gesprochene regionale Sprache. Die Gebäude, Wege und Plätze bleiben Teil des normalen Dorflebens. Genau darin liegt der Reiz des Konzepts: Der Gast soll nicht in einer nachgebauten Version alpinen Lebens wohnen, sondern mitten in einem Ort, der längst existiert hat, bevor jemand auf die Idee kam, dort ein Hotel zu eröffnen.

© Le Rucher d’Evolène

Und die Umgebung erledigt den Rest. Über dem Tal steht die Dent Blanche, im Sommer führen Wanderwege und alpine Routen in die Berge, im Winter geht es auf Skitouren oder mit Schneeschuhen durch die Landschaft. Lokale Produzenten und traditionelle Handwerksbetriebe gehören ebenso zum Umfeld wie das Museum von Evolène.

Vielleicht ist genau das die zeitgemässere Idee eines Berghotels: nicht noch eines bauen, sondern das nutzen, was längst da ist. In Evolène bekommt man damit nicht nur ein Zimmer – sondern ein Stück Dorf dazu.

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