Oman gleicht einer gut gefüllten Schatztruhe der Natur: Schnorcheln mit Walhaien, Wüstenromantik mit bestem Milchstrassen-Blick und Wadi-Canyoning sind bloss einige Optionen unter vielen.
Was für ein Panorama! Weissgetünchte kubische Häuschen und sandfarbene Wachtürme rahmen das perfekte Hafenrund der alten Stadt Sur. Eine urige Fähre schippert träge zwischen den Molen und zahllosen Möwen hin und her. Und auch sonst hat das 150 Kilometer südlich von Maskat gelegene Hafenstädtchen das Zeug zum Postkarten-Motiv: blitzblauer Himmel, tiefblaues Meer, von Wachtürmchen bestandene Bergketten im Hintergrund. Dort, wo die Bucht allmählich versandet, nimmt das Wasser herrlich türkisgrüne Töne an. Doch das eigentliche Tüpfelchen auf dem I dieser Idylle sind die prächtigen hölzernen Dhaus. Wie zur Zeit der Piraten treiben sie mit hochgezogenem Heck im flachen Lagunenwasser, lassen den alten Hafen wie einen Spuk aus längst vergangenen Zeiten wirken. Weitere Exemplare dieser altertümlich anmutenden Boote liegen an Surs Dhau-Werften, der Hauptattraktion der malerischen Stadt. Berühmt wurde Sur als Tor nach Sansibar. Von hier legten die Schiffe nach Ostafrika ab, um mit dem nächsten Monsunwind mit Gewürzen, Elfenbein und anderen wertvollen Waren beladen wieder im Hafenbecken einzulaufen. Dreihundert Jahre lang prosperierte Sur durch diesen Deal. Dann kamen die Engländer und die Stadt fiel langsam aber sicher in einen tiefen Dornröschenschlaf. Diesen Eindruck hat man auch beim Besuch der berühmten Werften am Creek. Der Geruch von Teakholz, Pech und Algen hängt über dem schlickigen Ufer des Meeresarms. Neben einem Gerippe von Spanten liegen fast fertige Boote auf Kiel. Seit Generationen werden hier nach altem Vorbild Dhaus gezimmert – ohne Planvorlage und ohne Nägel. Dhau heissen die wunderschönen Schiffe aber nur für Laien. Kenner unterscheiden die hochseetüchtigen «Boum» und die mit eckigem Heck ausgestattete «Sambouk», dem einstigen Kahn der Perlentaucher.
Der Strand der Schildkröten
Surs nautisches Heritage ist keine schlechte Einstimmung für die prall gefüllte Schatztruhe der maritimen Natur, die Besuchern entlang der omanischen Küste in regelmässigen Intervallen den Atem raubt. Rollt man von Sur weiter in südlicher Richtung, dann führen Schotterpisten in die grandiose Mondlandschaft von Ras al-Hadd, dem östlichsten Kap der Arabischen Halbinsel. Beim gleichnamigen Fischerdorf und beim benachbarten Ras Al Jinz entdeckten Archäologen Relikte von Siedlungen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. Urzeitlich wirken aber vor allem die Meeresschildkröten, die Besucher anlocken und in den sandigen Buchten rund ums Kap ihre Eier ablegen – ihr Stammbaum reicht 225 Millionen Jahre zurück. Die einsame Ostküste von Oman zählt weltweit zu den wichtigsten Nistplätzen für Meeresschildkröten. Das Besondere an Ras Al Jinz: Es ist einer der wenigen Strände, an dem die Tiere ganzjährig zur Eiablage an Land kommen, ein nächtliches Naturschauspiel, das seinen Höhepunkt in den Sommermonaten erreicht. Seit 2008 erleichtert ein Visitor Center mit Museum und Nächtigungsmöglichkeit den Besuch des Schildkrötenreservats.
Heia Walhai-Safari!
Wer die holprige Küstenpiste in südlicher Richtung weiter verfolgt, versteht auf Anhieb: Oman ist ein Naturparadies der Superlative. Das gilt auch für weite Teile dieser Küstenlinie: steil zum Meer abfallende Felsen, im Hinterland erstreckt sich die unwirtliche Sharqiyah Sands-Wüste. Bis zum fernen Dhofar haben neben Schildkröten Wale und eine bunte Vielfalt anderer Meeresbewohner das Sagen. Das ist typisch für den mehr als 3.000 Kilometer langen Küstenstreifen von Oman, der einzigartige Tierbegegnungen und Badespass auf vielfältige Weise kombiniert. Es spricht wohl für den entspannten Vibe des Landes, dass selbst die Meeresregion vor der Küste Maskats keine Ausnahme dazu bildet. Einige Kilometer vor dem Startpunkt der Marina Al Mouj liegt das Naturreservat der Daymaniyat Islands, eine Kette unbewohnter Inseln, die sich über zwanzig Kilometer parallel der Küste erstreckt, und die zu den besten Tauchrevieren der gesamten Region zählt. Korallenriffe mit endemischen, nur in Oman vorhandenen Arten finden sich hier. An den sandigen Buchten nisten Dutzende Seevögel. Doch der erste Coverstar der Daymaniyat-Inseln ist ein sanfter Riese. Anfang Juli lockt der Reichtum an Plankton, der den Golf von Oman auszeichnet, Walhaie an. Bis in den November hinein ergibt sich so die einzigartige Chance, mit den bis zu zehn Meter langen Fischen – den grössten der Welt – zu schnorcheln. Ein unvergessliches Abenteuer!
Delfine in Dhofar
Ganz im Süden, in der Region Dhofar, ziehen Delfine eine ganz andere Show ab. Mit etwas Glück erlebt man die geschickten Jäger dann in besonderer Fresslaune. Denn wenn vor Salalah grössere Sardinenschwärme vorüberziehen, bedeutet das: Fiesta für Delfinschulen. Dann verwandeln sich die erhöhten Klippen, die diesen Küstenabschnitt neben langer Sandstrände ebenfalls auszeichnen, in Logenplätze, von denen aus man ein besonderes Spektakel erleben kann. Schwarze Schatten gleiten durchs Wasser und verwandeln sich in glänzende Buckel, die silbrigen Sardinenschwärmen hinterherhechten. Vielfältig verteilen sich die Naturwunder des Dhofar allemal. Alljährlich streifen Ausläufer des asiatischen Südwestmonsuns den Süden des Landes und kleiden die knochentrockenen Hügel in das sattgrüne Kleid der Khareef-Saison. Eine ganz andere Besonderheit weist das westlich von Salalah gelegene Khor Rori auf. Archäologen vermuten hier, an der antiken Stätte Sumhuram, den Hafen der legendären Königin Hadramaut. Jetzt gehören die Lagunen und Brackwasser des einsamen Khor Rori seltenen Zwergflamingos, Löfflern, Uferschnepfen und Wasserfasanen – Afrikas Vogelwelt lässt grüssen! Und auch Mirbat, ein weiterer Küstenort des Dhofar, kann mit besonderen Tieren aufwarten. Hier werden die selten gewordenen Abalone-Schnecken vom Meeresgrund heraufgetaucht. Eine Delikatesse, die in Salalah Spitzenpreise erzielt. An den nahen Fischerdörfern Sadh und Hadbin reist man besser per Dhau weiter: Vor der Küste locken die fünf Inseln des Hallaniyat-Archipels – einsame Strände mit angespülten Walwirbeln, Teufelsrochen und Seevogelkolonien laden hier zur omanischen Robinsonade ein.
Der stille Fjord: Musandam
Ein ganz anderer Geheimtipp befindet sich im äussersten Norden der Arabischen Halbinsel. Für viele Kenner der Region hat Musandam einen magischen Klang. Das hat nicht zuletzt mit der erhabenen Stille zu tun, die diese pittoreske Fjordlandschaft auszeichnet. Spiegelglatte, tiefblaue Wasserflächen, abgeschiedene Fischerdörfer und einsame Strände – so sieht die Cruise zum 17 Kilometer langen Khor Shimm aus, einem Highlight der bizarren, von steilen Bergen umschlossenen Meeresregion. Während Schnorchler unter der Wasserfläche bunte Fischschwärme bewundern, elektrisiert der Platz an Deck Hobbygeologen. Denn Musandams Fjorde laden zum Exkurs in Sachen Erdgeschichte ein. Hier trifft die arabische Kontinentalplatte auf die eurasische, und hat ein mineralisches Kaleidoskop an Gesteinsverwerfungen und ‑auffaltungen in spektakulären Zickzackmustern und Farbschattierungen geschaffen.
Die Wüste lebt
Weiche Schattierungen und sanfte Wellen prägen indessen Oman für Trockenschwimmer. Die Rede ist von jenen Sanddünen der leicht erreichbaren Wüste Shariya Sands, die sich in traumhafte Locations für romantische Nächte verwandeln. Kamelritt zum Sonnenaufgang, «Dune Bashing» per Geländewagen, ein Sundowner auf dem schnell kühler werdendem Dünenkamm, gefolgt vom Lagerfeuer unterm Sternenhimmel mit bester Sicht auf die Milchstrasse – so sieht der ideale Tag in einem omanischen Desert Camp aus. Szenenwechsel! Omans Anteil am legendären «leeren Viertel» Rub al-Khali im Südwesten des Sultanats ist fast doppelt so gross wie Deutschland. Den riesenhaften, bis zu dreihundert Meter hohen Dünen kann man hier im Rahmen mehrtägiger Wanderungen mit Übernachtung in Zelten näher kommen – und viel über die Schönheit und Gefahren der Wüste lernen, auch vom alltäglichen Leben der dort lebenden Beduinen.
Wunderwelt Wadi
Ganz andere Geschichten vom Überleben inmitten karger Schönheit erzählen Orte wie das Wadi Bani Khalid oder Wadi Bani Awf. Sie haben mit Metamorphose zu tun und mit dem belebenden Zauber des Lebenselixiers Wasser. Was in der Trockenzeit als schattige Schlucht inmitten bizarrer Gesteinsformationen hartgesottene Kletterer anlocken mag, verwandelt sich nach den ersten Regenfällen in eine grüne Süsswasser-Oase mit natürlichen Felsenpools und Wasserfällen. Einige Wadis führen auch ganzjährig Wasser. Canyoning durch versteckte Schluchten, abgerundet mit einem Picknick inmitten üppiger Vegetation, zählt definitiv zu den Naturerlebnissen, die man nicht vergisst. Am Wadi Shab, das an den Wochenenden Ausflügler aus Maskat anzieht, rahmen sacht wehende Schilfgräser und Froschgequake bereits das Entrée: Der Eingang zum wildromantischen Canyon mit schattigen Limonen‑, Dattel- und Mangohainen führt hier durch einen biblisch anmutenden Süsswassersee. Ganz anders der Snake Canyon des Wadi Bimah: Abenteuerlustige erleben hier zwischen Kletter- und Abseilpartien sowie Sprüngen ins Wasser einen wahren Adrenalinkick. Geheimnisvoller Orient: Das gilt nicht zuletzt für einen Abenteuerspielplatz der omanischen Natur, gegen den Wadi-Canyoning mitunter wie ein Spaziergang wirkt. Die Rede ist von jener Vielzahl versteckter Höhlen, mit denen das Sultanat ebenfalls überrascht. Ein Highlight ist Majlis Al Jinn, die zweitgrösste Höhlenkammer der Welt! Reicher an Stalaktiten, Stalagmiten und schimmernden Karstkristallen ist die fünf Kilometer lange Höhle Al Hoota am Fusse des Jabal Shams. Einmal öfter glitzert hier die Oman-Schatztruhe der Natur!
Travel — November 2025
Fest der Escalade: Vorweihnachtszeit mit historischem Anstrich
So lebt Genf seine Geschichte
Travel — November 2025
Paradise Plains lädt auf einzigartige Safari-Abenteuer ein
Neueröffnung in der kenianischen Maasai Mara
Travel — November 2025
Mandarin Oriental Downtown, Dubai öffnet seine Tore
Wo die Stadt in den Himmel wächst
Travel — November 2025
So schön wird das Zürcher Wienachtsdorf 2025
Das Winterhighlight im Überblick
Travel — November 2025
Wie die Grand Tour of Switzerland diesen Winter zum Highlight wird
Mit der Schnee-Bahn durch die Schweiz
Travel — November 2025
Die besten Schneeschuh-Trails der Schweiz für winterliche Erholung
Von sanft bis sportlich