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Wie ein privater Party-Bus, nur ultraluxuriös – und auf Schienen. Von Simplon-Orient-Express bis British Pullman: Züge sind die neuen «Art of travel»-Ikonen. Und wer was zu feiern hat, bucht private Waggons. Und was für welche!

Eine versteckte Bibliothek mit Hunderten von Büchern, die sich bei näherer Betrachtung als Geheimtür entpuppt. Dahinter: ein privater Teesalon – mit Kamin und Oculus-förmigen Oberlichtern, die den Blick auf den Himmel freigeben. Ein en-suite Badezimmer mit freistehender Marmorwanne, eine eigene Lounge. Dazu 24 Stunden Butler-Service und der ganze Opulenz-Pipapo, den man sich vorstellen kann – und auch noch nicht vorstellen kann. «L’Observatoire», gestaltet vom Pariser Streetart-Künstler JR, ist kein klassisches Luxusabteil, sondern etwas ganz Neues: ein gesamter Wagen des Venice Simplon-Orient-Express, der seit 2025 als ultra-exklusive Suite genutzt wird. Man fährt hier nicht von A nach B, sondern verbindet den Akt des Reisens mit dem Luxus, sich Zeit lassen zu können. 

Das Innere des Abteils nimmt diesen Gedanken auf und spinnt ihn weiter. Auf den ersten Blick könnte man meinen, hier werden die 1920er-Jahre zitiert, bis zu einem gewissen Teil stimmt das sogar. Edle Hölzer, Intarsien, geometrische Eleganz, luxuriöse Handwerkskunst – es passt. Aber die Zeit bleibt im L’Observatoire nicht stehen, sie beginnt, sich neu zu erfinden. Das Design mag verwurzelt im Art déco sein, geht aber darüber hinaus, das erkennt man auf den zweiten und dritten Blick, die Muse hat man ja, wenn die Welt langsam vorbei rattert. Der L’Observatoire ist dabei so etwas wie eine moderne Wunderkammer – ein Raum, der überrascht und die Welt im Kleinen neu zusammensetzt. Die Reisestrecken variieren. Vom Klassiker Paris – Istanbul bis hin zur häufigsten Verbindung London – Venedig. Aber darum geht es eigentlich eher nur am Rande. Züge dieser Liga stellen das Unterwegssein in den Fokus, nach Jahrzehnten, in denen es ausschliesslich um Geschwindigkeit und Effizienz gegangen ist.

Shakespeare & West-End

Hinter dem Venice Simplon-Orient-Express steht die Marke Belmond, die einen britischen Ursprung hat, heute aber zur globalen LVMH-Gruppe gehört. Das allein ist natürlich schon ein Versprechen. Und Belmond setzt in diesem Mai noch mal einen drauf, dieses Mal beim British Pullman, der sich ausschliesslich auf Strecken in Grossbritannien bewegt. Mit «Celia» geht ein Speisewagen auf Schiene, auf den die geflügelten Worte «ganz grosses Kino» zutreffen. Regisseur Baz Luhrmann («Moulin Rouge», «The Great Gatsby») und die vielfach ausgezeichnete Filmdesignerin Catherine Martin haben hier weit mehr geschaffen als nur ein Zugabteil, das man für private Feiern mieten kann – auch wenn genau das der Sinn der Übung ist. «Celia» ist kein beliebig gewählter Name, sondern eine liebevolle Hommage: Sie steht für eine fiktive West-End-Ikone aus dem Jahr 1932. Die beiden Hollywood-Honorees betonen den Einfluss realer Personen auf ihr Narrativ, etwa Sir Laurence Olivier, der oft nach Theaterabenden den Pullman-Zug nach Hause nahm. Denn: Auch die imaginäre Celia fährt – ihren Erschaffern zufolge – mit Freundinnen nach einer «Sommernachtstraum»-Vorstellung in eben diesem Zug. Als weitere Inspiration nannten Luhrmann und Martin auch Shakespeare – ebenfalls eindeutig britisch codiert.

Dolce Vita & Riviera-Glamour

Ganz im Gegensatz zum «La Dolce Vita Orient Express», den die Hotelgruppe Accor letztes Jahr erstmals auf Reisen durch – man errät es – Italien geschickt hat. Nur kurz zur Abgrenzung: Der Venice Simplon-Orient-Express ist der historische Luxuszug von Belmond, der Reisende durch ikonische europäische Landschaften leitet, während der neue Orient Express von Accor die Marke in die Gegenwart holt – mit modernen Zugreisen wie La Dolce Vita und künftigen Strecken nach Paris und Istanbul, ergänzt um Hotels und aussergewöhnliche Erlebnisse – etwa auch eine Yacht. Jedenfalls: La Dolce Vita trägt die Handschrift des renommierten Design-Studios Dimorestudio aus Mailand und die haben geliefert! Das Projekt nimmt das Lebensgefühl des süssen, genussvollen Italiens der 1960er-Jahre auf – mit allem, was man damit assoziiert: Dolce Vita, Riviera-Glamour, Jet-Set-Reisen, Kino-Kultur, gesellschaftliche Eleganz – aber ohne klischeehafte Imitation. Fein lackierte Oberflächen, Messing‑Details und durch die Bank edle Materialien sorgen für einen luxuriösen, warmen Look. Ob private Soirées oder andere Alltags-Entgleisungen, der La Dolce Vita kann entweder komplett gechartert werden – oder man hat einen Wagen für sich. Selbst die Lounge am Bahnhof in Rom ist schlichtweg eine Sensation, man hat an alles gedacht. Und da L’Observatoire, Celia und La Dolce Vita nicht mal das Auflösen des oft zitierten Bausparers was bringt: Wer es schafft, ein normales Ticket zu kaufen (bei Luxuszügen in Japan muss man bei einer Lotterie gewinnen, um überhaupt Geld ausgeben zu dürfen), bekommt auch ein Once-in-a-lifetime-Erlebnis. Bei Belmond zum Beispiel einen Dior-Spa an Bord – da ist man auch für sich. 

Inspiration

Das Buch «Legendäre Zugreisen» (Lonely Planet, Oktober 2025) ist ein bildgewaltiges Kompendium der beeindruckendsten Zugreisen der Welt, von einfach bis luxuriös, langsam bis schnell und geschichtsträchtig bis futuristisch. Praktischer Serviceteil, aber Achtung: Fernweh vorprogrammiert.

Lonely Planet Legendaere Zugreisen Cover1
Lonely Planet ©
«Legendäre Zugreisen»

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