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Die Zurich Design Weeks 2025 haben die Stadt an der Limmat vom 4. bis 14. September 2025 in ein lebendiges Zentrum für Innovation, Kreativität und Austausch verwandelt. Mit über 40 Standorten, interaktiven Angeboten und Ausstellungen ist das Festival zu einem bedeutenden Ereignis für Designinteressierte geworden.

Design ist mehr als eine Formgebung – es ist Ausdruck kultureller Identität, individueller Narrative und Antwort auf gesellschaftliche Fragen. Viele Ausstellungen reflektierten eindrücklich, wie Gestaltung Werte transportiert, Geschichten erzählt und neue Perspektiven eröffnet. Und das Ganze mit einem besonderen Blick auf die Rolle der Design-Nation Schweiz.

Re/​Flexion — im Spiegel der Zeit

Design trifft Bahnhofstrubel: Direkt im Hauptbahnhof Zürich überraschte der Soeder Store mit einem echten Design-Highlight. Die Traditionsmanufaktur Ruckstuhl brachte ikonische Entwürfe von Trix & Robert Haussmann zurück. Frisch interpretiert und mit einer klaren Botschaft. Nachhaltigkeit kann spektakulär aussehen. Schon beim Eintreten zog der grosse, runde Teppich im schwarz-weissen Faltenwurf-Design STRIPE alle Blicke auf sich. Ein Statement-Piece und Herzstück der COLLECTION TRIX & ROBERT HAUSSMANN by Ruckstuhl. Diese Kollektion ist eine Premiere, da sie die erste weltweit ist, deren Oberschicht zu 60% aus recycelter Wolle besteht. Das Material stammt aus ausgedienten, hochwertigen Kleidungsstücken wie edlen Wintermänteln und schenkt ihnen ein zweites Leben als Designobjekt. Jeder Teppich trägt ausserdem einen digitalen Produktpass von World of Pi, der die Herkunft transparent macht. Entstanden ist die Kollektion in enger Kooperation mit Trix Haussmann und Edition‑H – ein perfektes Zusammenspiel von Handwerkskunst, Designgeschichte und Zukunftsdenken. 

Das Zürcher Architekten- und Designerpaar Trix und Robert Haussmann gehört zu den prägenden Personen der Schweizer Architektur- und Designszene. Mit ihrem Manierismo Critico (kritisches Hinterfragen des Gewohnten) haben sie durch spielerischen Ernst und feinem Humor Konventionen aufgebrochen und bleibende Spuren hinterlassen. Mit dem Shopville und der daCapo Bar im Zürcher Hauptbahnhof hat das visionäre Paar der Stadt markante Orte geschenkt, und mit der Kronenhalle Bar das kulturelle Gedächtnis geprägt. 

Susanne Bartsch – Transformation!

Stilikone, Party-Queen und Visionärin der New Yorker Clubszene. Seit über vier Jahrzehnten prägt Susanne Bartsch das Nachtleben in der Metropole. Geboren in der Schweiz, fand sie in den 1970er-Jahren in London ihre künstlerische Heimat, inspiriert von Punk, New Romantics und der Gegenkultur jener Zeit. Seit 1981 in New York zu Hause, setzt sich die Schweizerin für gelebte Vielfalt ein und verbindet dabei Mode, Clubkultur und Performance. Ihr unverwechselbarer Stil und ihre Fantasie beeinflussen die Underground Fashion und die zeitgenössische Club Culture bis heute.

Die Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich folgt dem roten Faden einer Partynacht. Von der Verwandlung vor dem Spiegel bis zum krönenden Auftritt im Club. Gezeigt werden ikonische Outfits aus dem persönlichen Fundus von Susanne Bartsch, ergänzt durch Kreationen befreundeter Künstlerinnen und Künstler, die den Look-Kosmos von Baroque über Cybergoth und Club Kids bis hin zu Anime aufspannen.

Ausstellung bis 7. Dezember 2025

Seitz x Monocle – Moderne Schweizer Handwerkskunst

Die kleine, aber feine Ausstellung des Möbelherstellers Seitz schmiegte sich perfekt in das Setting des Monocle Café ein. Neutrale Farben und ein durchdachtes, zeitloses Design vermittelten ein angenehmes Hier-fühle-ich-mich-Zuhause-Gefühl. Funktionaler Minimalismus in seiner reinsten Form. Beim näheren Betrachten fiel sofort auf, dass einige Möbelstücke in Zusammenarbeit mit der bekannten Schweizer Marke Appenzeller Gurt entstanden sind. So waren beispielsweise auf dem Sideboard die Metallaufschläge mit den typischen Alpaufzugs-Motiven zu erkennen. 

«Schweizer Handwerk steht seit jeher für Präzision und Ehrlichkeit», bekräftigt Seitz Mitbegründer Rob van Wyen. «Daran knüpfen wir an – und stellen uns zugleich der Frage, wie Design heute verantwortungsvoll sein kann: Möbel zu schaffen, die transparent, ethisch und von Dauer sind (Slow Furniture)». Ein klares Bekenntnis zu Schweizer Qualität und einer langsameren Lebensweise sind eine Philosophie, die auch Monocle teilt, dessen Plattformen und reale Räume sich für zeitloses Design und zweckmässige Herstellung einsetzen.

Josephine – Design zum Draufsitzen

Eigentlich sollte die neu entwickelte Plancha-Grillstation von Autz + Herrmann der Star jeder Garten-Party werden. Doch dann kam eine Idee ihrer langjährigen Partner um die Ecke. Die Architekten Baier Bischofberger haben eine Installation entworfen, die mehr ist als einfach Outdoor-Möbel: Ein Spiel aus Formen und Farben, das dazu einlädt, das Leben im Freien ganz neu zu entdecken. Herzstück sind die Monohocker Solo – wetterfeste Skulpturen aus pulverbeschichtetem Aluminium, die ebenso Hocker wie Beistelltisch sein können. Ihre grafischen Designs erinnern an die ikonischen Fassaden, die die beiden Architekten schon in zahlreichen Projekten umgesetzt haben. Architektur zum Anfassen im eigenen Garten. Das Ergebnis: praktische Farbtupfer, die jede Terrasse in eine kleine Designbühne verwandeln sowie perfekt für alle, die ihren Garten nicht nur nutzen, sondern auch inszenieren möchten. 

Museum of the Future — Raus aus der Vitrine

Ein Stuhl, auf dem man nicht mehr sitzen darf, oder eine Marionette, die stille an ihren Fäden hängt. Viele spannende Objekte lassen sich im Museum nur schwer ausstellen: Sie können nicht transportiert werden oder sind gar verschollen. Manche sind zu gross, manche zu filigran, während andere aus konservatorischen Gründen nicht berührt oder bewegt werden dürfen. Welche Möglichkeiten bieten die digitalen Technologien, um solche Objekte erlebbar zu machen?

Das Museum für Gestaltung Zürich blickt anlässlich des 150-jährigen Jubiläums in die Zukunft und möchte das Publikum mit interaktiven Stationen und partizipativen Projekten miteinbeziehen. Entstanden sind 17 Experimente, die den Ausstellungsraum in ein Zukunftslabor verwandeln. Ob beim Entschlüsseln antiker Schriften, im digitalen Dialog mit den Avataren der Stabpuppen des Künstlers Fred Schneckenburger, beim Betrachten der zwölf einheimischen Insektenarten mithilfe von 3D-Scans oder des aktuell grössten Panoramabilds der Welt, das die Schlacht bei Murten im späten 19. Jahrhundert aufzeigt. Die Ausstellung erforscht die Potenziale der Digitalisierung und der KI für das Museum von morgen.

Braucht es in der heutigen zunehmend digitalen Welt überhaupt noch den physischen Ort des Museums? «Der Erfolg der Museen auf internationaler Ebene zeigt, dass die Menschen das echte Leben möchten. Der Kontakt mit einem Gegenüber, mit dem man sich austauschen und gemeinsam an eigene Geschichten andocken kann», bestätigt Christian Brändle, Direktor des Museums für Gestaltung Zürich und Kurator der Ausstellung Museum of the Future. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Ausstellung vom 29. August 2025 bis 1. Februar 2026.

Magic Drawing – Hermès Suisse x Agnes & Anthony

Die Schaufenster von Hermès am Paradeplatz waren auch dieses Jahr ein echter Hingucker. Die multimediale Installation des Brüsseler Kreativduos Agnes & Anthony schuf eine vielschichtige Erzählung, in deren Zentrum ein Künstler und dessen Vorstellungskraft stand. Wo verläuft die dünne Linie zwischen Realität und Fantasie?

In einem Strudel von Farben entfaltete sich die Geschichte auf Papier über die Rahmen zweier Fenster. In der Mitte sass ein leidenschaftlicher Animationskünstler, der eifrig an seinem Schreibtisch zeichnete. Bild für Bild erwachten die Zeichnungen zum Leben und umgaben ihn. Elemente und Figuren, alles war in Bewegung. Im zweiten Teil wurde der Künstler selbst zu einer Figur in seiner fiktiven Geschichte. Für diese besondere Ausstellung wurde jedes Teil des Sets aus Papier mit handgezeichneten Details und Texturen mit Bundstiften hergestellt. Auch die Animation wurde Bild für Bild gezeichnet, um der Geschichte treu zu bleiben.


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