Die Milan Design Week 2026 verwandelte Mailand bereits zum 64. Mal in das Zentrum der internationalen Designwelt. Moments war vor Ort – und zeigt die spannendsten Eindrücke vom Salone del Mobile, Fuorisalone und den Installationen grosser Design- und Fashion-Brands.
Vom 20. bis 26. April 2026 wurde Mailand wieder zum globalen Treffpunkt der Designszene. Mit dem Salone del Mobile als internationalem Anker und dem Fuorisalone als immer dichter werdendem Stadterlebnis zeigte die Milan Design Week, wie stark Design heute zwischen Möbel, Kunst, Mode, Handwerk und Markeninszenierung denkt.
Die Milan Design Week ist jedes Jahr ein Pflichttermin im April. 2026 wirkte sie jedoch noch präsenter, noch dichter, noch energiegeladener. In Brera, dem wichtigsten Design District der Stadt, folgte ein inspirierendes Event auf das nächste. Doch auch jenseits der bekannten Hotspots wartete Mailand mit einer schier endlosen Auswahl an Installationen, Präsentationen und Ausstellungen auf. Vor historischen Palazzi, modernen Galerien und stilprägenden Boutiquen standen Kunstkenner, Design-Experten und Pressevertreter Schlange, um zu sehen, welche Ideen, Materialien und Formen das kommende Designjahr prägen könnten.
Auch am Salone del Mobile in Rho war der Anspruch spürbar, Design nicht nur zu zeigen, sondern räumlich zu inszenieren. Viele Aussteller setzten auf konzeptionelle Pavillons, starke Szenografien und kuratierte Produktwelten, die weit über klassische Messepräsentationen hinausgingen. Wir waren war zu viert vor Ort und von früh bis spät unterwegs, um möglichst viel von dieser aussergewöhnlichen Woche einzufangen. Zurückgekehrt sind wir mit vollen Notizbüchern, neuen Perspektiven und reichlich Stoff für die kommenden Art- und Design-Ausgaben. Vorab haben Brigitte Cocyan und Philipp Josef Rossmann die Milan Design Week 2026 Revue passieren lassen – mit ihren persönlichen Highlights aus Mailand.
Brigitte
Nach ein paar Tagen bei der Watches & Wonders in Genf wirkt Mailand wie ein Gegenentwurf. Weniger kontrolliert, weniger formal – und vor allem zugänglicher. Der Salone ist keine geschlossene Welt, sondern verteilt sich über die ganze Stadt. Man bewegt sich zwischen Messe, Innenhöfen, Palazzi und improvisierten Installationen.
Ein Ort, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war der Palazzo Crespi. Kaldewei zeigte dort unter dem Titel «Bubbles of Time» eine Installation rund um das Badezimmer als Rückzugsort. Entscheidender als das Konzept war der Raum selbst: Architektur von Piero Portaluppi, erstmals zugänglich, mit genau der richtigen Patina.
Auch die Automarken waren präsent, aber mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Audi setzte auf eine klare, architektonische Inszenierung in Zusammenarbeit mit dem Studio von Zaha Hadid. Fiat ging einen anderen Weg: weniger Bühne, dafür ein Nachwuchspreis – wobei man sich fragen kann, was Fiat in Mailand überhaupt noch beweisen muss mit ihrem «King of the City».
Besonders präsent waren die Installationen. Ai Weiwei für Rubelli war erwartungsgemäss stark, aber auch in den Stores gab es spannende Arbeiten – etwa bei Grand Seiko.
Bei Poliform ging es weniger um einzelne Möbel als um Inszenierung. Mit Multitude wurde der Palazzo Clerici in eine abstrakte, fast entrückte Landschaft verwandelt – eine Art urbaner Garten, in dem Möbel bewusst auf Distanz gesetzt waren.
Zum Schluss ein Gespräch, das herausstach: Stephen Burks über seine Arbeit für Roche Bobois. Offen, unterhaltsam, ohne Attitüde – dafür mit umso mehr Geschichten.
Mailand bleibt Mailand. Schwer zu vergleichen – und genau deshalb jedes Jahr wieder ein Fixpunkt.
Philipp
Mailand ist schon lange meine Lieblingsstadt während den Fashion Months, aber die Energie war für mich in dieser Woche nochmal auf einem anderen Level. Gefühlt war jeder dort, der auch nur im Entferntesten mit der Designbranche zu tun hat. Das Zentrum wirkte so pulsierend, wie ich es in Mailand noch nie erlebt habe, und das Programm war schlicht überwältigend.
Einem Fashion-Freak wir mir standen die Installationen der grossen Brands natürlich weit oben auf der Liste. Allen voran die Ausstellung «Gucci Memoria» in den Chiostri di San Simpliciano, die anhand von zwölf Tapisserien die 105-jährige Geschichte des Hauses neu erzählte. Auch Kwangho Lees Installation für Bottega Veneta war stark: Die gewebten Lederformen schlugen eine präzise Brücke zwischen Kunst, Handwerk und der Designsprache der Marke. Wie immer war ein Besuch bei 10 Corso Como Pflicht – diesmal nicht nur wegen der Gentle Monster Boutique, sondern auch, um den gigantischen Oktopus von Moncler zu bestaunen, der die Fassade des berühmten Concept Stores fest in seinen Tentakeln hielt.
Meine Leidenschaft für Interieur kam ebenfalls nicht zu kurz. Besonders eindrucksvoll fand ich die Inszenierung von Carl Hansen & Søn, die zeigte, wie eine Mailänder Wohnung von Designlegende Hans J. Wegner heute aussehen könnte. Dafür wurden einige seiner ikonischen Möbel in einen zeitgenössischen Kontext gesetzt und mit für die Marke ungewohnt lebhaften Stoffen kombiniert.
Als Kontrast zum Trubel des gut besuchten Apartments bot der Showroom von Daikan anschliessend eine sensorische 360-Grad-Erfahrung, die bewusst mit Erwartungen spielte. Das japanische Designstudio lud dazu ein, Düfte, Aromen, Geräusche und Texturen neu zu erforschen. Im Zentrum stand der «Flux Table», ein prototypischer Tisch mit einer Oberfläche aus beweglichem, beinahe flüssig wirkendem Metall. Eine Materialneuheit, die in den kommenden Jahren durchaus Bewegung in die Möbelwelt bringen könnte.
Am Salone selbst sprintete ich von einem Interviewtermin zum nächsten und liess mich unterwegs durch die Hallen von den vielen Neuheiten treiben. Der für mich eindrucksvollste Pavillon war zweifellos der von Kartell. Beim Eintreten wirkte er zunächst wie ein grosser, leerer, weisser Raum. Hinter clever gesetzten Wänden wurden dann die neuen Produkte, unter anderem von Patricia Urquiola, Erwan Bouroullec und Barber Osgerby, gemeinsam mit passenden Kunstwerken präsentiert. Durch die raffinierte räumliche Gestaltung konnte jedes Objekt für sich wirken – ruhig, präzise und deutlich stärker, als es in einer klassischen Messesituation möglich gewesen wäre.
Ci vediamo, Milano! Nächstes Jahr miete ich mir aber definitiv eine Vespa.
Nichts mehr verpassen – wir halten Sie auf dem Laufenden!
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.
Design & Architecture — Juni 2026
Outdoor-Trends 2026: vier Marken, vier Ideen
Highlights der Milan Design Week
Design & Architecture — Mai 2026
Wie Falkensteiner Residences Wohnen und Hotellerie vereinen
CEO Otmar Michaeler im Interview
Design & Architecture — Mai 2026
Wenn Luxusmarken auf visionäre Architektur treffen
Ein Blick in die Welt der Branded Residences
Design & Architecture — Mai 2026
Atelier Vierkant in Mailand: Keramik als Teil des Raums
Archae & Petrae auf der Milan Design Week 2026
Design & Architecture — April 2026
Diese sechs Designmessen sind 2026 ein Must-see
Von Kopenhagen bis Dubai
Design & Architecture — März 2026
Giardina 2026: Warum der Naturgarten jetzt im Trend ist
Die Highlights der Gartengestaltung