Während Paris, London, Amsterdam oder Mailand unter Overtourism leiden, laden kleinere Städte wie Lyon, Manchester, Turin, Rotterdam oder Izmir zu entspannten Besuchen ein.
So elegant wie Milano, die Hauptstadt der Bella Figura, ist kaum eine Metropole – doch Schönheit hat hier ihren Preis, im wörtlichen Sinn. Wer mit dem Schnellzug weiter in die Hauptstadt des Piemont fährt, begibt sich auf eine kleine Zeitreise. Turin wirkt neben dem Fashion-Powerhouse Mailand fast wie im Dornröschenschlaf. Die Zeiten als Residenzstadt eines italienischen Königs sind längst vorbei, historische Art-déco-Passagen wie die Galleria San Federico zeigen sich entspannt. Am Po laden Spazierwege ein – besonders lauschig an den Murazzi del Po. Entdeckungen warten dennoch an jeder Ecke – vor allem kulinarische.
Turin gilt als geheime Caffè-Hauptstadt Italiens: 1839 zählte man bei 120’000 Einwohnern bereits 98 Kaffeehäuser. Unter den Arkaden der Piazza San Carlo erzählen Traditionshäuser wie das «Caffè Torino» bei einem Giandujotto Bicerin ihre Geschichte. Gleich nebenan: das 1822 eröffnete «Caffè San Carlo», einst Italiens erstes Gaslicht-Lokal. Im «Caffè Platti» am Corso Vittorio Emanuele II wurde sogar das Tramezzino erfunden. Auch Italiens grösster Freiluftmarkt liegt hier – ein «Meer der Kulturen» an der Piazza della Repubblica. Gegenüber den ehemaligen Fiat-Werken, heute Industriedenkmal, befindet sich das Gourmetkaufhaus «Eataly»: das grösste der Welt und ein kulinarisches Best-of-Italy. Sein internationaler Siegeszug begann 2007 in Turin.
City-Check
In der Hauptgalerie der Königsresidenz der Savoyer befindet sich die königliche Waffenkammer Armeria Reale, die wiederum zum Museumskomplex Polo Reale gehört – am alten Königsschloss kommt man nicht vorbei. An weit älteren Relikten aber ebenso wenig: Immerhin beherbergt Turin die nach Kairos Grand Egyptian Museum zweitgrösste Sammlung ägyptischer Altertümer! Das Museo Egizio hält 30.000 Exponate bereit – darunter eine perfekt erhaltene Mumie und eine Ramses-II.-Statue aus schwarzem Dioritgestein.
Slow-Food-Himmel & Shopping
Das Piemont gilt als Reiseziel für Feinschmecker und als Geburtsstätte der Slow-Food-Bewegung. Mehr über die eigenständige Kulinarik, die auch mit alten Handelswegen zwischen ligurischer Küste und den Alpen zu tun hat, verrät die enorme Dichte an Michelin-Restaurants. Besonders hoch im Kurs: das seit dem 18. Jahrhundert bestehende «Del Cambio» an der Piazza Carignano. Zeitgenössische italienische Küche zaubert der Shootingstar Cesare Grandi im Restaurant «La Limonaia» auf die Teller. Vermouth-Hochburg ist Turin übrigens auch; er wurde 1786 dort erfunden. Beste Vermuteria? Für viele ist es das stylishe «Affini Torino» an der Via Belfiore, einem Urgestein des Szeneviertels San Salvario.
Italiens erste Modemetropole? Historisch gesehen ist das Turin: 1911 erschien dort zur Expo die erste Frau in langen Hosen; 1912 entstand das Ente Nazionale della Moda; 1950 folgte die erste Modemesse des Landes. Heute shoppt man im 400 Quadratmeter grossen «Verdelilla» mit Parkett-Schals von Faliero Sarti und Ibrigu-Designs. Luftig-verspielt: die Entwürfe der Turiner Designerin Kristina Ti im Store an der Via Maria Vittoria 18.
Ein sicherer Tipp: Wenige Gehminuten vom Museo Egizio entfernt wurde ein ehemaliges Bankgebäude in die exklusivste Hoteladresse der Stadt verwandelt: Das elegante Hilton Turin Centre setzt dabei auch Wellness-Standards: Im Spa Orya werden authentische Hammam-Rituale und eine Orlane Paris-Gesichtsbehandlung mit 24K Gold angeboten.
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