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Hoshinaya nara prison
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Stranger Stays – aussergewöhnliche Hotels weltweit, Teil 1: Freiheit hinter Mauern

Travel · Mai 2026

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Brigitte Cocyan

Mai 2026

Das HOSHINOYA Nara Prison

Vom Gefängnis zur Designikone, vom Kloster zum Hideaway: Im Rahmen der Serie Stranger Stays stellen wir Hotels vor, die aus dem Rahmen fallen – architektonisch, historisch und emotional. Den Auftakt macht ein Ort, der wie kaum ein anderer mit Gegensätzen spielt: In Nara wird ein Gefängnis von 1908 zum luxuriösen Rückzugsort für Reisende, die das Aussergewöhnliche suchen.

Nara ist ein Ort der Stille. Bekannt für seine uralten Tempel und die sanftmütigen Hirsche, die durch die Parks flanieren, galt die Stadt bisher oft als Tagesausflug von Kyoto aus. Doch im Juni ändert sich das Narrativ grundlegend. Mit der Transformation des HOSHINOYA Nara Prison wird ein Monument der japanischen Moderne zu neuem Leben erweckt: Ein ehemaliges Gefängnis aus dem Jahr 1908 verwandelt sich in ein Refugium für Reisende, die das Aussergewöhnliche suchen.

© Former Nara Prison Preservation and Utilization Co., Ltd.
© Former Nara Prison Preservation and Utilization Co., Ltd.

Ein Denkmal der Meiji-Ära

Um die Wucht dieses Bauwerks zu verstehen, muss man in die Meiji-Zeit zurückblicken. Japan öffnete sich damals rasant dem Westen. Das Nara-Gefängnis war kein Ort des Schreckens, sondern ein stolzes Symbol des Fortschritts. Der Architekt Keijiro Yamashita entwarf das Haupttor im romanischen Stil – mit seinen zylindrischen Türmen und eleganten Kuppeln gleicht es eher einem Palast als einem Kerker. Dieses rote Backsteinjuwel ist heute das einzige seiner Art, das in seiner ursprünglichen Struktur vollständig erhalten geblieben ist. Wo früher das «Haviland-System» eine totale Überwachung durch sternförmig angeordnete Zellentrakte ermöglichte, bietet diese radiale Architektur heute eine fast sakrale Geometrie und eine unvergleichliche Lichtführung.

© Hoshino Resorts

April 2026: ein Museum für die grossen Fragen

Bevor die ersten Hotelgäste einziehen, öffnete am 27. April 2026 bereits das Nara Prison Museum seine Pforten. Unter der kreativen Leitung von Taku Satoh und Adrien Gardère stellt es die wohl spannendste Frage an einem solchen Ort: «Was bedeutet es eigentlich, wirklich frei zu sein?» Besucher erhalten hier exklusive Einblicke in die über hundertjährige Geschichte der Einrichtung, noch bevor der private Hotelbetrieb das Areal übernimmt. Es ist dieser philosophische Unterbau, der das gesamte Projekt so tiefgründig macht.

© Hoshino Resorts
© Hoshino Resorts
© Hoshino Resorts

Juni 2026: sanfte Akzente in hartem Stein

Am 25. Juni 2026 ist schliesslich die Eröffnung des Hotels geplant. Die architektonische Herausforderung bestand darin, die strenge Geometrie der Mauern beizubehalten, ohne dass sich der Gast eingeengt fühlt. Die Architektin Rie Azuma setzte auf ein Spiel der Gegensätze: Wo der rohe Backstein die Geschichte erzählt, sorgen warmes Licht, edle Hölzer und feine Textilien für eine schützende Geborgenheit. Da eine einzelne Zelle kaum den Platz für modernen Luxus bietet, wurden bis zu elf ehemalige Solitärzellen zu einem grosszügigen Wohnraum verschmolzen. Es ist eine Ästhetik, die Ruhe ausstrahlt und dazu einlädt, die Hektik der Aussenwelt abzustreifen.

© Hoshino Resorts
© Hoshino Resorts
© Hoshino Resorts

Kulinarik zwischen zwei Welten

Auch am Gaumen wird im Juni die Brücke zwischen den Kulturen geschlagen. In der ehemaligen Speisehalle serviert das Team eine japanisch-französische Fusionsküche, die an die Zeit der grossen Modernisierung erinnert. Ob ein Wagyu-Shabu-Shabu oder feinste Patisserie mit regionalen Zitrusfrüchten – serviert wird auf höchstem Niveau, wobei die Gerichte so konzipiert sind, dass sie ganz traditionell mit Stäbchen genossen werden können. Zwischen Grammophon-Abenden und Rikscha-Touren durch die Gassen Naras findet man hier eine Form der Freiheit, die man an diesem Ort wohl am wenigsten erwartet hätte.

hoshinoresorts​.com

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