Dimorestudio verwandelt den neuen Orient Express – La Dolce Vita in ein rollendes Design-Highlight. Zwischen Fellini-Flair und Future-Retro entsteht ein Interieur, das mehr ist als Luxus: Es ist Gefühl in Bewegung.
Schatten huschen über messinggerahmte Spiegel, die Samtvorhänge wiegen sich im sanften, aber stetigen Ruckeln des Zuges, irgendwo spielt ein imaginäres Streichquartett. Willkommen an Bord des Orient Express – La Dolce Vita: Ein Zug, der mehr ist als ein Transportmittel. Er ist Bühne, Traumkulisse und Zeitreise in einem. Entworfen vom Mailänder Designerduo Dimorestudio, gleitet das Interieur durch Epochen, Stile und Sehnsüchte – als würde Federico Fellini mit Wes Anderson und Gio Ponti in den Urlaub fahren.
Design, das erzählt
Bei Dimorestudio ist Design nie nur Dekoration. Es ist Inszenierung, Dramaturgie, Narration. Jede Kabine, jede Lounge, jeder Korridor erzählt von den goldenen Jahren des italienischen Kinos, vom Glamour der 60er-Jahre, vom süssen Leben an der Riviera. Die Referenzen sind bewusst gesetzt: Cinecittà, Jetset, Riviera-Flair – aber mit einem Augenzwinkern.
Wie ein rollendes Filmset erinnert der Zug an die Studiokulissen von Cinecittà – jenem legendären Filmstudio in Rom, das einst den internationalen Ruhm des italienischen Kinos begründete. Dimorestudio hat diesen Geist auf die Schiene gebracht: mit dramatischen Perspektiven, gezielten Stilzitaten und einem Gespür für szenografische Überhöhungen.
Zwischen lackierten Holzpaneelen, diffusem Licht und verspiegelten Wänden entsteht eine Atmosphäre wie im Traum – vertraut und fremd zugleich. Der Luxus? Nicht grell, sondern schwebend. Nicht aufdringlich, sondern spürbar.
Vom Transportmittel zur Bühne
Samtige Stoffe treffen auf kunstvolle Intarsien, eingelassene Leuchten lassen das Licht über golden schimmernde Flächen tanzen. Hier wird nichts dem Zufall überlassen – und doch wirkt alles wie beiläufig elegant. «Wir gestalten keine Räume. We design feeling»”, lautet einer der Leitsätze von Dimore. Und tatsächlich: Der Zug wird zur bewohnbaren Fiktion, zum mobilen Interieur-Drama, das man am liebsten nicht mehr verlassen möchte.
Nostalgie mit Lässigkeit
Britt Moran und Emiliano Salci sind bekannt für ihre eigenwillige Handschrift – eine schillernde Mischung aus Art Déco, Space Age, Memphis-Zitaten und Hollywood-Glam. Sie übertreiben, spielen mit Ironie und erzählen Geschichten. Wer ihre Dior-Installationen oder Mailänder Apartment-Shows gesehen hat, erkennt sofort: Hier geht es um mehr als Schönheit. Es geht um Atmosphäre, um Erinnerung, um Emotion.
Mit dem neuen Orient Express übertragen sie ihre Erzählhaltung erstmals auf ein ganzes Verkehrsmittel – und treffen damit einen Nerv: In einer Welt zwischen Hyperrealität und digitaler Überforderung wirkt der Zug wie ein sinnlicher Gegenentwurf. Eine Hommage an die Eleganz – nicht als Statussymbol, sondern als Haltung.
5 Fragen an Dimorestudio
Ihr Entwurf für «Orient Express – La Dolce Vita» wirkt wie ein bewegter Kinotraum. Was war das erste Bild oder die erste Emotion, die Ihre Vision für diese fahrende Bühne ausgelöst hat?
Dimorestudio: Der erste Impuls war der Wunsch, ein Erlebnis zu schaffen, das über das reine Reisen hinausgeht. Wir hatten einen Raum im Sinn, in dem die Zeit stillzustehen scheint und jedes Detail eine Geschichte erzählt. Stellen Sie sich einen Passagier vor, der am Fenster sitzt und langsam die italienische Landschaft vorbeiziehen sieht, umgeben von einer Atmosphäre zeitloser Eleganz. Diese intime, fast surreale Kulisse war unser Ausgangspunkt.
Der Zug vereint Referenzen an das italienische Kino der 1960er-Jahre, an die Eleganz des Art Déco und an futuristische Retro-Fiktionen. Wie haben Sie diese Elemente zu einer kohärenten räumlichen Erzählung choreografiert – und welche Rolle spielt Ironie in dieser Inszenierung?
Ds: Wir wollten einen Dialog zwischen verschiedenen Epochen schaffen und die Opulenz des Art Déco mit der Leichtigkeit und Ironie des italienischen Kinos der 1960er-Jahre verbinden. Ironie ist für uns ein Mittel, um Prunk zu vermeiden, mit Kontrasten zu spielen und den Zuschauer zu überraschen. Dieser Ansatz hat es uns ermöglicht, eine vielschichtige räumliche Erzählung zu konstruieren, in der jedes Element zu einer einzigartigen sinnlichen Erfahrung beiträgt.
Sie haben oft gesagt: «Wir gestalten keine Räume. Wir erzeugen Gefühle». Welche Gefühle oder Stimmungen wollten Sie in den Abteilen und Salons dieses Zuges hervorrufen?
Ds: Wir wollten eine raffinierte Nostalgie schaffen, eine Rückkehr zu einer Zeit, in der das Reisen eine Erfahrung war, die man langsam geniessen musste. Die Abteile und Salons wurden so gestaltet, dass sie Wärme, Intimität und einen Hauch von diskretem Luxus ausstrahlen. Jedes Material, jedes sanfte Licht wurde ausgewählt, um eine einhüllende Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Passagier als Teil einer zeitlosen Geschichte fühlt.
Die Materialität scheint bei diesem Projekt eine zentrale Rolle zu spielen – Samt, Lack, spiegelnde Oberflächen, gedämpftes Licht. Können Sie uns mehr über Ihre Materialwahl erzählen und wie diese zur Gesamtdramaturgie beiträgt?
Ds: Jeder Stoff erzählt eine Geschichte. Samt flüstert, Lack glänzt, Spiegel verzerren. Wir haben diese Materialien wie Lichtstimmungen im Theater eingesetzt – sie geben den Ton an, wecken Vorfreude und sorgen für Überraschungen. Das gedämpfte Licht lässt den Raum fliessen, schmeichelt der menschlichen Figur und regt zur Selbstreflexion an. Es geht nicht nur um Behaglichkeit, sondern darum, durch Oberflächen und Schatten eine emotionale Erzählung zu schaffen.
Sie haben ikonische Räume für Dior und unvergessliche Installationen für den Salone geschaffen. Was ist anders, wenn man einen mobilen, vergänglichen Raum wie einen Zug gestaltet, und was reizt Sie an dieser neuen Form von Luxus am meisten?
Ds: Ein Zug ist Architektur und Bewegung zugleich – ein Paradoxon. Man muss in Rhythmen, Wiederholungen und filmischen Sequenzen denken. Die Herausforderung, eine immersive Umgebung in einem komprimierten, mobilen Umfeld zu schaffen, hat uns gereizt. Luxus bedeutet hier nicht Überfluss, sondern die Patina der Zeit. Es geht darum, das Vergängliche unvergesslich zu machen.
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