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Kaum ein Gericht verkörpert Schweizer Geselligkeit so sehr wie das Raclette. In Morgins (VS) fand vom 24. bis 26. Oktober 2025 die zweite Auflage der Raclette Weltmeisterschaft statt. Ein Schmelzduell der besonderen Art.

Zwölf Länder, 150 Käsesorten, 50000 Raclettes: Bei der zweiten Ausgabe der Raclette Weltmeisterschaft am letzten Oktober-Wochenende traten im Herzen der Région Dents du Midi zwölf Länder mit ihren besten Käsespezialitäten gegeneinander an. Neben der Schweiz und ihren Nachbarn Frankreich und Italien waren auch Belgien, Rumänien, Kanada, Grossbritannien, Liechtenstein, Österreich sowie die Tschechische Republik vertreten. Doch wen wunderts – Raclette ist längst kein rein europäischer Genuss mehr. Auch Australien und Japan schickten ihre cremigsten Delegierten ins Rennen und zeigten, dass geschmolzener Käse rund um den Globus begeistert.

150 Käsesorten wurden von einer Jury aus Experten, Gastronomieprofis und Konsumentinnen und Konsumenten aus dem Publikum verkostet, analysiert und bewertet, wobei nach sehr genauen Kriterien beurteilt wurde: Textur, Aroma, Aussehen, Gesamteindruck und Geschmack. Nach einer Vorrunde kürte die Jury schliesslich Käsesorten aus dem Wallis, aus Luzern, aus Freiburg sowie aus Frankreich zu den Siegern.

In Morgins floss der Käse sprichwörtlich in Strömen. Rund 50000 Raclette-Portionen wurden in drei Tagen serviert. Dazu gesellten sich die klassischen Beilagen, ohne die kein Raclette auskommt: drei Tonnen Kartoffeln und zehn Paletten Cornichons und Zwiebeln fanden den Weg auf die Teller der Besuchenden. «Raclette ist ein Gericht, das überall zubereitet werden kann, man braucht lediglich die richtigen Grundzutaten», erklärt Isabelle Dubosson, Präsidentin der Raclette Weltmeisterschaft und Käserin auf der Alp Champsot. Doch hinter dem würzigen Käse steckt weit mehr als nur eine kulinarische Tradition.

Raclette – vom Sennentisch in die Stuben der Welt

Die Wurzeln des Raclette-Käses liegen tief in den Bergtälern des Wallis. Schon im Mittelalter wärmten Sennen ihren Käse über offenem Feuer. Das Leben in den Bergregionen war zu jener Zeit hart und karg. Doch die Natur war auf der Seite der Sennen und bot genau das, was sie brauchten, um den knurrenden Magen zu beruhigen. Kräuterreiche Alpenwiesen lieferten nahrhaftes Futter für die Kühe und damit beste Milch für die Käseherstellung. Was heute als gesellige Mahlzeit gilt, war damals eine einfache, aber geniale Lösung. Mit etwas Brot, geschmolzenem Käse und einem Schluck Wein liess sich auch in der rauen Alpenwelt ein nahrhaftes Essen zubereiten. Die Sennen nannten es schlicht Bratchäs (Bratkäse). Erst im Jahr 1874 erhielt es seinen offiziellen Namen: Raclette, abgeleitet vom Verb racler, das im einheimischen französischen Dialekt so viel wie abschaben bedeutet. 

Mit dem Aufkommen des Alpentourismus im 19. Jahrhundert fand das Raclette seinen Weg aus den abgelegenen Bergdörfern in die Täler und Gasthäuser. Reisende entdeckten das herzhafte Gericht für sich und brachten es weiter in die Schweiz und darüber hinaus. In den 1950er-Jahren begann dann der eigentliche Siegeszug. Der elektrische Raclette-Ofen machte das Schmelzen des Käses zu Hause einfach und sicher. Aus einer rustikalen Mahlzeit wurde ein gesellschaftliches Ereignis. Perfekt für Familienfeiern und Winterabende. Einfach himmlisch!

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La petite galerie ©

Tradition mit Qualitätssiegel

Von klassisch Nature über Pfeffer, Chili-Mango, Pesto, Curry, Thymian oder Knoblauch bis hin zu kreativen Varianten mit Gin, Whisky oder Speck. Die Welt der Raclette-Sorten wird jedes Jahr bunter und vielfältiger. DER Traum eines jeden Raclette-Fans schlechthin. Und doch ist Raclette nicht gleich Raclette. Seit dem 15. Oktober 2007 steht die Bezeichnung Raclette du Valais AOP für ein echtes Stück Walliser Identität. Das Gütesiegel schützt nicht nur die Herkunft und den unverwechselbaren Geschmack, sondern auch das handwerkliche Erbe einer jahrhundertealten Käsetradition.

Die nächste Raclette Weltmeisterschaft findet in zwei Jahren statt.

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Alain Barblan ©

Die Sieger der Raclette-Weltmeisterschaft 2025

1 – Alpkäse-Raclette aus roher Kuhmilch:

🥇 Alpage da la cave du Scex (Crans-Montana, Wallis)

🥈 Alpage des Bochasses (Troistorrents, Wallis)

🥉 Fromagerie de la Loutze (Chamoson, Wallis)

2 – Raclette aus roher Kuhmilch:

🥇 Fromagerie de Liddes (Liddes, Wallis)

🥈 Fromagerie le Pont (Champéry, Wallis)

🥉 Wallis 65 Turtmann (Turtmann, Wallis)

3 – Raclette aus pasteurisierter/​thermisierter Milch:

🥇 Milco SA (Vuisternens-en-Ogoz, Fribourg)

🥈 Fromagerie des Hauts de Savoie (Frangy, Frankreich)

🥉 Fromagerie de Vuadens (Vuadens, Fribourg)

4 – Raclette aus Schafsmilch:

🥇 Fläcke-Chäsi GmbH (Beromünster, Luzern)

🥈 Autour du Buis des Cabasses (Verrières, Frankreich)

🥉 Fromagerie Moléson SA (Orsonnens, Fribourg)

5 – Raclette aus Ziegenmilch:

🥇 Fromagerie Beaudé (Montferrat, Frankreich)

🥈 Fromagerie de Martigny (Martigny, Wallis)

🥉 Odermatt Käserei (Dallenwil, Nidwalden)


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