Während Paris, London, Amsterdam oder Mailand unter Overtourism leiden, laden kleinere Städte wie Lyon, Manchester, Turin, Rotterdam oder Izmir zu entspannten Besuchen ein.
Einen Eiffelturm für sich allein? Den gönnte sich 1894 der Gastronom Monsieur Gay; er liess den Tour métallique de Fourvière nach Plänen Gustave Eiffels auf Lyons Hügel errichten. Die Petite Tour Eiffel steht sinnbildlich für die Stadt: Zwar ist Lyon Frankreichs zweitgrösste Metropolregion, wirkt aber angenehm überschaubar, fast intim. Zwischen Saône und Rhône zieht sich eine schmale Halbinsel, die Durchgangsverkehr kaum zulässt. Kommt man mit dem TGV aus Paris in Lyon Part-Dieu an, ist alles anders: Plätze und Cafés gehören den Einheimischen, Warteschlangen und U‑Bahn-Gedränge sind selten. Das entspannte Tempo spürt man auch in Bouchons und Bistros, wo sich Kellner Zeit nehmen. Lyon, Heimat von Ampère, den Brüdern Lumière und Saint-Exupéry, ist vor allem stolz auf seine Küche. Pro Einwohner gibt es mehr Michelin-Sterne als in Paris – und bessere Chancen auf einen Tisch. Die einstige Seidenweberstadt liegt in einer fruchtbaren Region mit bekanntem Geflügel und Gemüse; berühmte Weinbaugebiete wie Beaujolais oder Côte du Rhône sind nah. Marseille und das Mittelmeer erreicht man in 90 Minuten, Grenoble und den Mont Blanc in gut zwei Stunden. Auch das macht Lyons Ruf als kulinarisches Herz Frankreichs aus.
City-Check
Der Künstler, der das Modell der New Yorker Freiheitsstatue schuf, bescherte auch Lyon einen kleinen Hingucker: Es sind die dynamischen Pferde des Brunnens am Place des Terreaux, an dem man wohl des Öfteren vorüberkommt. Man quert ihn, während man das barocke Rathaus bewundert oder zur Oper hinüberspaziert. Zu sehen gibt es hier viel: das Musée des Beaux-Art, mit Werken von Rubens, Rembrandt, El Greco oder Tintoretto, oder das «Hotel Dieu» am Rhône-Ufer mit seiner 325 Meter langen Fassade in UNESCO-geschützter Architektur. Am anderen Ufer der Saône breitet sich indessen Lyons ältester Stadtteil aus: das von Renaissancebauten und romantischen Plätzen geprägte Vieux Lyon. Das Musée Gadagne am Place du Petit Collège bringt Besuchern die Geschichte der Seidenweber-City näher. Für weitere spannende Museen muss man das Zentrum ein wenig verlassen – etwa um das Wohnhaus und die ersten filmischen Arbeiten der Brüder Lumière im Musée Lumière zu bewundern. Oder die moderne Architektur des spektakulären Musée des Confluences am Zusammenfluss von Rhône und Saône – ein Werk des österreichischen Büros Coop Himmelb(l)au.
Morcheln & more
Sechzehn Michelin-Sterne-Restaurants in einer Stadt dieser Grösse? Das macht Lyon keine andere City nach! Aber noch besser ist das Fundament, auf dem alles fusst: nämlich die Liebe zu den einfachen Bouchons, die hier hochwertige Hausmannskost abliefern. Ein Kulinarik-Spaziergang durch «Les Halles Lyon Paul Bocuse» – einer modernen Markthalle der Superlative – hält eine beeindruckende Auswahl an regionalen Delikatessen bereit. Dass man in Lyon auch mit dem Auge isst, verrät später der Besuch der historischen «Brasserie des Brotteaux» von 1913 – berühmt für Morchelgerichte.
Ein gewisser Joseph-Marie Jacquard erfand in seiner Heimatstadt Lyon 1805 den lochkartengesteuerten Webstuhl und revolutionierte so dieses uralte Handwerk. Den Ausdruck Jacquard-Gewebe kennt man bis heute. Innovative Produkte heutiger Designer entdeckt man in Pop-up-Stores der «Passage Thiaffait» (19 Rue René Leynaud), wo die Organisation Village des Créateurs innovative Start-ups unterstützt.
Next Room
Bester Panoramablick? Den bietet das exklusive Fünf-Sterne-Hotel Villa Maïa, gelegen im Hügelviertel Fourvière. Lyons einziges The Leading Hotels of the World-Mitglied kombiniert modernes Design, ein Thermalbad-Spa und ein Michelin-Stern-Restaurant. Budget-Tipp im Zentrum: das neu eröffnete Mama Shelter Lyon Hotel.
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