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Visionäre Hotels prägen seit jeher unser Reisen. Arnaud Zannier ist einer ihrer stillen Architekten – und lässt 2026 eine legendäre Insel vor der Côte d’Azur neu erstrahlen.

César hiess der Mann. César Hilton. Seine Ansage: Veni, vidi, verti. Ich kam, sah, veränderte – den Luxus-Service der Hotellerie. Visionäre Gründer gehören bis heute zur Welt der Edelherbergen wie der Private Room Butler zum Pillow-Menü. Die Luxus-Hotellerie ist reich an schillernden Aufsteigern und David-gegen-Goliath-Geschichten: J. Willard Marriott begann 1927 mit einem Root-Beer-Stand mit neun Barhockern in Washington, D.C., eröffnete später das erste Drive-in östlich des Mississippi und 1957 sein erstes Motel. Bereits zu seinem Tod in den 1980er-Jahren war daraus ein Imperium aus 1400 Restaurants sowie 143 Hotels und Resorts geworden – Marken wie St. Regis, Sheraton oder Le Méridien inklusive.

Auch Minor Hotels erzählen eine solche Geschichte: 1967 gründete der erst siebzehnjährige William Heinecke in Bangkok Minor Holdings – «minor», weil er noch minderjährig war. Heute zählt die Gruppe über 560 Hotels und Resorts weltweit, von Anantara über Avani bis nhow, und deckt das gesamte Spektrum vom Ultra-Luxus bis zum Select Service ab. Daneben existiert ein anderer Typus Visionär: der Unternehmer, der sich sein persönliches Urlaubsparadies erschuf. Aga Khan entwickelte in den 1960er-Jahren die Costa Smeralda auf Sardinien. Costa Navarino im griechischen Peloponnes geht auf einen Reeder zurück, der über Jahrzehnte seine Heimat in ein Luxus-Refugium verwandelte. Kunstliebhaber Soichiro Fukutake, der laut Forbes mit einem geschätzten Vermögen von 1,3 Milliarden US-Dollar der reichste Japaner ist, kombinierte auf der Insel Naoshima zeitgenössische Architektur mit exklusiver Hotellerie – mit Pritzker-Preisträger Tadao Ando als Partner. Auch Prominenz fand ihren Weg in die Branche: Francis Ford Coppola mit seinen filmreifen Hideaways, Robert Redford mit dem nachhaltigen Sundance Mountain Resort oder der ehemalige Puma-Manager Jochen Zeitz, der in Namibia mit Segera einen ökologischen Gegenentwurf zum klassischen Safari-Luxus realisierte.

Zannier Cr Mireille Roobaert
Mireille Roobaert ©
Arnaud Zannier

Die Geschichte von Arnaud Zannier, der 2026 das spektakulärste Hotel-Opening Europas feiern wird, liest sich leiser – und ist gerade deshalb bemerkenswert. Kein Industriemagnat, kein Konzernmanager, sondern ein Mann mit ausgeprägtem Sinn für Qualität, Herkunft und Handwerk. Aufgewachsen im Umfeld der Zannier Group, eines internationalen Unternehmens für Kindermode, entwickelte er früh ein Gespür für Materialien und Fertigungstiefe. Anfang der 2000er-Jahre gründete er die Luxusschuhmarke n.d.c. made by hand – «nom de code». Marketing spielte dabei eine untergeordnete Rolle, das Produkt stand im Zentrum. Leder aus den besten Gerbereien der Toskana, aus England und den USA, gefertigt in Italien und Portugal nach Blake- oder Goodyear-Machart. Heute sind die Schuhe in rund 350 Boutiquen sowie in eigenen Stores in Paris und Brüssel erhältlich – ein frühes Lehrstück über stille Exzellenz.

2011 folgte der Schritt in die Hotellerie. In Megève erwarb Zannier das Michelin-Sterne-Restaurant Ferme de mon Père und verwandelte es in das Boutiquehotel Zannier Hotels Le Chalet. Es war der Auftakt einer bewusst langsam wachsenden Kollektion: Phum Baitang nahe Angkor in Kambodscha, Omaanda und Sonop in Namibias Wildschutzgebieten sowie Bãi San Hô an Vietnams kaum berührter Zentralküste. Allen Häusern gemeinsam ist Zanniers Kernidee: Das Verweben von regionaler Kultur und traditionellem Know-how inspiriert eine besondere, auch besonders ehrliche Form von Luxus.

«Was ich auf meinen Reisen oft vermisst habe, waren Einfachheit und Authentizität», sagt Zannier. Seine Hotels sind keine isolierten Luxusblasen, sondern Orte des Eintauchens. Langjährige Partner wie der ehemalige Michelin-Koch Julien Burlat entwickeln kulinarische Konzepte auf Basis lokaler Zutaten und überlieferter Rezepte – aus Respekt vor der «geborgten» Umgebung. «Simple Mastery« nennt Zannier diese Momente: Erlebnisse, die später zu den kostbarsten Erinnerungen eines Lebens zählen.

Ile de Bendor Cr Zannier Hotels
Zannier Hotels ©
Île de Bendor

Nun folgt sein bislang ambitioniertestes Projekt: die Wiedergeburt der Île de Bendor. Die knapp sieben Hektar grosse Privatinsel östlich von Marseille war seit den 1950er-Jahren Treffpunkt der südfranzösischen Bohème. Pastis-Erfinder Paul Ricard zog Künstler, Intellektuelle und Geniesser an, rund um einen kleinen Hafen mit Hotels, Galerien und Ateliers. Gemeinsam mit Ricards Urenkel Marc de Jouffroy schlägt Zannier nun ein neues Kapitel auf. Nach fünf Jahren behutsamer Transformation empfängt das Inselhotel ab Mai 2026 seine ersten Gäste.

Ile de Bendor Archiv Cr Societe Paul Ricard
Société Paul Ricard ©
Rechts: Pastis-Erfinder Paul Ricard

Statt Chichi setzt Zannier auf Understatement, kulturellen Austausch und Nähe zum Wasser. Die Architekten Hardel Le Bihan und Niez Studio Paysagistes entwickelten drei Designwelten: Delos mit 39 Zimmern zitiert die entspannte Eleganz der Riviera der 1960er-Jahre. Die fünf zweistöckigen Madrague-Häuser mit privaten Gärten bieten provenzalische Privatheit. Soukana mit 49 Zimmern richtet sich an Wellnessliebhaber. Herzstück ist ein 1200 Quadratmeter grosses Spa – eines der grössten der Region – mit Ayurveda, Traditioneller Chinesischer Medizin, Akupunktur, Hammam, Kalt- und Moorbad sowie Iyashi-Dome.

Kulinarisch gilt Zannier Bendor schon jetzt als eines der spannendsten Europa-Openings im Luxussegment. Küchenchef Lionel Levy orchestriert acht gastronomische Konzepte: vom Café Paul Ricard über die Bar Patrick bis zu Nonna Bazaar und dem Gourmetrestaurant Le Grand Large mit internationalen Gastköchen und weitem Meerblick.

Die Île de Bendor kehrt zurück – leise, kultiviert und mit jener schlichten Exklusivität, die Arnaud Zannier zur Handschrift erhoben hat.

Ile de Bendor Cr Zannier Hotels 32
Zannier Hotels ©

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