Die beste Reisezeit steht nicht immer im klassischen Ferienkalender. Wer gewohnte Saisonlogiken hinter sich lässt, findet vielerorts mehr Ruhe, überraschende Naturerlebnisse und mitunter auch bessere Verfügbarkeiten.
Im August lockt Indonesiens Inselwelt mit trockenen Tagen, im September zeigt sich Island zwischen Herbstfarben und den ersten Nordlichtern.
August: Inselhopping in Indonesien
Asien im Hochsommer? Das klingt zunächst nach Monsunregen, hoher Luftfeuchtigkeit und Städten, die sich in Backöfen verwandeln. Doch der Kontinent ist gross – und südlich des Äquators gelten andere Regeln. In weiten Teilen Indonesiens, darunter Java und Bali, fällt der August mitten in die Trockenzeit, die üblicherweise von April bis Oktober dauert. Ideale Voraussetzungen also, um einige der weniger bekannten Inselwelten des riesigen Archipels zu entdecken. Ein guter Ausgangspunkt ist Karimunjawa, ein Archipel aus 27 Inseln im Java-Meer nördlich von Zentraljava. Rund um die bewaldeten Inseln wechseln sich helle Strände, türkisfarbenes Wasser und Korallenriffe ab. Zwischen April und Oktober ist das Meer meist ruhiger und die Wetterbedingungen sind günstiger – beste Voraussetzungen für Bootsfahrten, Schnorchelausflüge und entspannte Tage abseits der bekannteren Ferieninseln.
Weiter östlich wartet Sumba mit einer völlig anderen Landschaft. In der Trockenzeit färben sich die geschwungenen Hügel goldbraun, traditionelle Dörfer liegen zwischen Savannen, Reisterrassen und spektakulären Küsten. Von Juli bis September herrscht hier Hochsaison – allerdings auf einem deutlich zurückhaltenderen Niveau als auf Bali. Neben einsamen Buchten und Wasserfällen gehört die türkisfarbene Weekuri-Lagune zu den schönsten Badeplätzen der Insel. An vielen offenen Stränden ist das Meer hingegen rau; nicht jede fotogene Bucht eignet sich auch zum Schwimmen. Ein zusätzlicher Anlass für eine Reise im August 2026 ist das West Sumba Cultural Arts Festival, das vom 25. bis 29. August traditionelle Musik, Tanz, Handwerk und regionale Küche in den Mittelpunkt stellt. So verführerisch die Idee vom Inselhopping auch klingt: Indonesien besitzt kein einheitliches Klima. Regen- und Trockenzeiten können sich von Region zu Region deutlich verschieben. Wer weit nach Osten bis zu den Molukken reist, sollte die Route daher nicht allein nach der Landkarte, sondern auch nach den regionalen Wetterverhältnissen planen.
September: Island zwischen Herbstlicht und Nordlichtern
Im September wird es auf Island ruhiger. Der sommerliche Andrang lässt nach, die Tage sind aber noch lang genug für ausgedehnte Fahrten, Wanderungen und Ausritte. Gleichzeitig beginnt sich die Landschaft zu verfärben: Moose, Gräser und niedrige Sträucher leuchten in Rot‑, Orange‑, Violett- und Goldtönen, während auf den ersten Bergspitzen bereits Schnee liegen kann. Die Papageitaucher, die im Sommer Islands Klippen bevölkern, sind zu diesem Zeitpunkt grösstenteils bereits wieder aufs Meer hinausgezogen. Am Látrabjarg gelten Juni bis Mitte August als beste Beobachtungszeit. Dafür bestehen im September weiterhin gute Chancen auf Walbeobachtungen, etwa vor Húsavík oder Reykjavík; verschiedene Anbieter führen ihre Touren bis Ende September oder darüber hinaus durch.
Der besondere Reiz dieses Monats liegt im Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit. Tagsüber bleibt genügend Zeit, um Wasserfälle, Lavafelder, Geysire und die Küstenstrassen zu erkunden. Nachts ist der Himmel bereits dunkel genug für die Aurora borealis: Die Nordlichtsaison beginnt Ende August und dauert bis ins Frühjahr. Eine Garantie gibt es natürlich nicht – klare Nächte und etwas Geduld gehören immer dazu.
Auch kulturell zeigt sich Island im September von einer besonderen Seite. Bei den traditionellen Réttir werden Schafe und Pferde aus den Bergen zurück zu den Höfen getrieben. Die Zusammenkünfte finden von Anfang September bis Mitte Oktober im ganzen Land statt und verbinden bäuerliche Arbeit mit Volksfeststimmung, kräftigem Essen und viel Gemeinschaft. Ganz ohne Vorsicht geht die Reisezeit dennoch nicht. Herbststürme und erste Wintereinbrüche können bereits Anfang September auftreten, im Hochland sind Schnee und kurzfristige Strassensperren möglich. Vor jeder Etappe sollten deshalb Wetter- und Strassenverhältnisse kontrolliert werden.
Ein stilvoller Ausgangspunkt für den Süden der Insel ist das im Frühjahr 2026 eröffnete Black Sand Hotel in der Region Ölfus. Das Haus liegt rund 40 Minuten von Reykjavík entfernt und greift mit grossen Fensterflächen, natürlichen Materialien und zurückhaltendem skandinavischem Design die vulkanische Landschaft seiner Umgebung auf. Seine 79 Zimmer blicken je nach Lage Richtung Atlantik, Berge oder den Fluss Ölfusá. September auf Island ist damit weder Sommer noch Winter, sondern das Beste aus beiden Welten: genug Licht für Abenteuer, genug Dunkelheit für Nordlichter – und genug Abstand zum nächsten Reisebus.
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