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Wenn Künstler Autos, Taschen und Sofas gestalten, wird Luxus zum Zeitkommentar. Warum Dior, BMW und Co. auf echte Kooperation statt blosse Deko setzen – und was das über unsere Gesellschaft verrät.

Wir wollen Produkte mit Geschichte, sagt die italienische Luxus-Expertin Federica Carlotto. Und genau diese Geschichten erzählen wir – anhand ausgewählter Beispiele, die uns besonders überzeugt haben. Von Dior über BMW bis hin zu Mercedes-Benz: Luxusmarken nutzen Kunst längst nicht mehr als dekoratives Element, sondern als zentrales Ausdrucksmittel.

Wenn Kunst zur Marken-DNA wird

In einer Zeit, in der Käufer verstärkt nach Sinn, Identifikation und kultureller Tiefe suchen, entsteht eine neue Sprache des Luxus: Kunst wird nicht einfach eingebunden, sondern transformiert, kuratiert – und zum integralen Bestandteil des Produkts erhoben.

Dabei gehen die Kooperationen mit zeitgenössischen Künstlern weit über limitierte Kollektionen hinaus. Hier geht es um Haltung, Identität und erzählerische Substanz. Einige aktuelle Projekte zeigen, wie unterschiedlich diese Allianz heute interpretiert wird – von Automobil bis Interior, von Streetwear bis Haute Couture.

Mercedes x Moncler: G‑Klasse meets Streetstyle

Wenn Mode, Automobil und Popkultur aufeinandertreffen, entsteht mehr als ein Produkt – nämlich ein neues Lebensgefühl. Mercedes-Benz und Moncler haben gemeinsam mit dem japanischen Designer NIGO eine Kooperation geschaffen, die von einem spektakulären Kunstfahrzeug (Project G‑Class) bis zur passenden Capsule Collection reicht: Mit gestepptem Dach, Tartan-Sitzen und einer 90s-inspirierten Silhouette wird die G‑Klasse zum Streetstyle-Statement – und ist auf nur 20 Exemplare limitiert.

Diese Partnerschaft steht exemplarisch für ein neues Selbstverständnis: Luxusmarken agieren nicht mehr isoliert, sondern erschaffen Erlebniswelten, in denen Musik, Mode und Design miteinander verschmelzen. Für eine Zielgruppe, die nicht nur konsumiert, sondern sich inszeniert – und für die der Wagen ebenso Ausdruck der Persönlichkeit ist wie Kleidung, Musikgeschmack oder Social-Media-Präsenz.

BMWs Art Car: Kunst in Bewegung

Mit dem 20. Art Car bringt BMW erneut Kunst auf die Strasse – im wörtlichen Sinn. Für das Jubiläumsmodell wurde Julie Mehretu ausgewählt. Ihre Arbeit mit dem M Hybrid V8 ist keine blosse Gestaltung, sondern eine performative Skulptur, die beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans ihre Bühne findet. Darüber hinaus entstanden in panafrikanischen Workshops und einem begleitenden Filmprojekt Diskurse über globale Identität, Technik und Bewegung.

Was uns BMW damit zeigt: Luxus definiert sich nicht allein durch Form und Leistung, sondern auch durch Geist und Haltung. Thomas Girst, Kulturverantwortlicher bei BMW, betont: «Uns ist wichtig, dass eine unabhängige, internationale Jury die Künstler auswählt – ohne Einfluss des Unternehmens. In der Jury, die Julie Mehretu benannt hat, sassen unter anderem Cecilia Alemani, Hans Ulrich Obrist und Anita Dube. Wir stellen das Fahrzeug – die Entscheidung treffen die Experten. Diese kreative Freiheit ist für uns essenziell.»

Dior Lady Art: wenn Taschen zur Leinwand werden

Mit der neunten Edition von Dior Lady Art verwandelt das Pariser Haus seine ikonische Tasche erneut in eine wandelnde Ausstellung. Elf Künstler – darunter die feministische Malerin Faith Ringgold und der südkoreanische Multimedia-Künstler Woo Kukwon – interpretierten die Lady Dior völlig neu. Das Ergebnis: elf Unikate, die kulturelle Themen, nachhaltige Materialien, feministische Narrative und moderne Techniken wie 3D-Druck oder veganes Ananasleder vereinen.

Ringgolds posthume Beiträge verleihen dem Projekt zusätzliche Tiefe. Ihre Arbeiten setzen ein starkes Zeichen – in einer Branche, die lange Zeit ästhetisch einseitig war.

Luxus im Wandel: Persönlich, kunstvoll, relevant

All diese Projekte eint ein klares Ziel: die Neudefinition des Luxusbegriffs. Es geht nicht mehr um Herkunft, Qualität oder Prestige, sondern um Bedeutung. Taschen, Fahrzeuge, Möbel oder Tücher werden zu Trägern von Erzählungen, Persönlichkeiten und Weltanschauungen. Sie öffnen Räume für kulturelle, politische und ästhetische Auseinandersetzungen. Marken wie Dior, BMW oder Mercedes-Benz zeigen: Kunst ist kein Zusatz mehr – sie ist Kern. Und sie prägt eine neue Form des Luxus, die vielschichtig, relevant und zutiefst persönlich ist. 


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