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Der 18-jährige Dominic Stricker hat in seiner noch jungen Karriere schon einige Meilensteine gesetzt. Vergleiche mit den anderen Grossen des Schweizer Tennissports sind daher nicht nur naheliegend, sondern unumgänglich. Der sympathische Athlet aus Grosshöchstetten reagiert indes gelassen auf die gesteigerte Aufmerksamkeit und gewinnt den zahlreichen Reaktionen nur Positives ab. 

Herzliche Gratulation. Du hast für das ATP250 Turnier in Genf eine Wildcard erhalten. Kam diese Nachricht überraschend?

Danke für die Glückwünsche. Eigentlich habe ich nicht damit gerechnet. Aufgrund der letzten guten Resultate habe ich dennoch darauf gehofft. Da dies mein erstes Turnier auf ATP-Stufe ist, gilt es für mich in erster Linie, Erfahrung zu sammeln. Und natürlich werde ich einfach jeden Moment geniessen. 

(Anm. der Redaktion: Eine bessere Feuertaufe auf der Profi-Tour hätte sich Dominic Stricker nicht wünschen können. Er hat im Einzel und Doppel sensationell gespielt und verdient den Viertelfinal erreicht.)

Wo liegt deines Erachtens die grösste Herausforderung beim Wechsel von den Junioren in die Erwachsenenliga?

Einige Dinge sind auf jeden Fall anders. Der markanteste Unterschied liegt zweifelsohne in der mentalen Stärke. Sind bei den Junioren während eines Matches manchmal noch Schwankungen auf emotionaler Ebene möglich, ist dies bei den «Grossen» nicht der Fall. Die Profis sind mental stets auf der Höhe. Ein weiterer Punkt ist die physische Komponente. Die Junioren sind – auch altersbedingt – noch nicht so kräftig.

Du trainierst derzeit im nationalen Leistungszentrum von Biel. Wie sieht ein ganz normaler Trainingsalltag aus?

Der Tag beginnt mit Schulunterricht (Sport KV, Anm. der Redaktion), gefolgt von zwei Stunden Tennistraining. Am Nachmittag ist Konditionstraining mit Fokus auf Kraft und Schnelligkeit angesagt. Danach stehen nochmals zwei Stunden Tennis auf dem Programm. 

Mit den Siegen am French Open bei den Junioren und am Challenger Turnier in Lugano ist das Scheinwerferlicht zusehends auf deine Person gerichtet. Dies bedeutet zugleich auch vermehrten Druck.

Für mich ist diese Situation natürlich neu. Nach dem French Open war das Interesse relativ gross und hat mit dem Sieg in Lugano zusätzlich Fahrt aufgenommen. Obwohl ich oft darauf angesprochen werde, erlebe ich den Druck nicht als negativ. Ich finde es cool, wenn andere Menschen meine Matches verfolgen und es freut mich, wenn sie den Erfolg mit mir teilen. 

Sand, Hard Court oder Rasen? Welches ist deine Lieblingsunterlage und wieso?

Grundsätzlich spiele ich auf jedem Belag gerne. Auf Rasen fehlt mir noch die Erfahrung, diese Unterlage könnte mir jedoch liegen. Auf Hard Court habe ich gute Resultate erzielt und am French Open, das auf Sand gespielt wird, habe ich gewonnen. 

Linkshänder sind oft unangenehme Gegner, weil sie andere Winkel spielen können. Schaust du dir die Matches von Rafael Nadal an?

Ich schaue mir Rafaels Matches immer gerne an, weil die Art und Weise seines Spiels unglaublich beeindruckend ist. Den Aufbau seiner Spielzüge zu beobachten, ist für mich äusserst lehrreich. 

Ich finde es cool, wenn andere Menschen meine Matches mitverfolgen und es freut mich, wenn sie den Erfolg mit mir teilen.

Grundlinie oder Netz: Wo fühlst du dich wohler? 

Mir gefällt beides, aber eigentlich bevorzuge ich das Netz.

Das heisst, wir werden dich öfters auch im Doppel sehen? Heutzutage konzentrieren sich die Profis meistens aufs Einzel und spielen nur sehr selten Doppel. 

Ich habe auf jeden Fall vor, regelmässig Doppel zu spielen. Bei Turnieren, in denen die Doppel vor den Einzeln an der Reihe sind, ist es für die Spieler von Vorteil, damit sie sich schon ein wenig an den Platz gewöhnen können. Im Doppel sind Volleys und Returns sehr wichtig. Entsprechend beziehe ich diese Schläge in mein Training mit ein.

Dem am gleichen Tag geborenen, aber ein Jahr älteren Jannik Sinner aus Italien wird wie dir eine grosse Tennis-Zukunft vorausgesagt. Kennt ihr euch und trainiert ihr auch mal zusammen? 

Wenn ich mich richtig erinnere, haben Jannik und ich vor einigen Jahren am gleichen Turnier teilgenommen. Ich hatte jedoch noch nicht die Gelegenheit, ihn persönlich kennenzulernen. 

Du bist jetzt auf Platz 334 im ATP-Ranking. Wie sieht die Planung für 2021 aus?

Ich werde sicherlich versuchen, mein Ranking zu verbessern und den positiven Flow von Lugano und Genf mitzunehmen.

Dein bester Schlag?

Momentan ist es sicherlich der Service. 

Du kannst zu Recht als sportliches Multitalent bezeichnet werden. Wer dich auf Instagram verfolgt, weiss, dass du seit einiger Zeit auch auf dem Golfplatz unterwegs bist. War für dich immer klar, auf die Karte Tennis zu setzen?

Eigentlich schon, obwohl ich früher auch Fussball und Eishockey spielte. Fussball habe ich aufgegeben, weil ich mich nicht wirklich für die Sommertrainings begeistern konnte. Auf Eishockey hingegen habe ich aufgrund der hohen Verletzungsgefahr verzichtet. Den Golfsport entdeckte ich erst vor ungefähr zwei Jahren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Hoffnungsträger

Dominic Stricker schwang schon im zarten Alter von fünf Jahren das erste Mal den Tennisschläger. Ein Jahr später wurde Roger Meylan, Trainer und Initiator der CIS Academy in Heimberg, auf das Talent des Youngsters aufmerksam. Danach zeigte Dominic Strickers Erfolgskurve vor allem in eine Richtung: nach oben. 2013 erfolgte die Aufnahme in das Nachwuchs-Nationalkader von Swiss Tennis. 2020 gewann er am French Open den Junioren-Titel im Einzel und Doppel. Im März dieses Jahr holte sich der junge Tenniscrack am Challenger Turnier in Lugano den ersten Titel bei den Profis. Aktuell liegt Dominic Stricker auf Platz 334 im ATP-Ranking. Seit diesem Frühling gehört das Ausnahmetalent zum Team der Cornèrcard Markenbotschafter. 

Informationen unter dominicstricker​.com