So manche Restaurants verwenden Teller nicht nur als Geschirr, sondern vor allem als Bühne. Hier werden Farben, Texturen und Aromen inszeniert, und das mit einer Präzision, die sowohl das Auge als auch den Gaumen verführt.
Diese fünf Restaurants in der Schweiz, Deutschland und Österreich gehören zur Creme de la Creme des Food Designs. In ihren Küchen entstehen Gerichte, die nicht nur unfassbar gut schmecken, sondern aussehen, als entstammten sie der Feder eines Designers.
1) Jan (München)
Das JAN in München ist Jan Hartwigs kulinarisches Wohnzimmer – nur eben mit drei Michelin-Sternen und deutlich weniger Couch. 2022 hat sich der Spitzenkoch hier seinen Traum von der Selbstständigkeit erfüllt und innerhalb weniger Monate erneut die begehrteste Dreier-Kombi der Gastronomie geholt. Im modern-eleganten Setting mit maximal 40 Plätzen, Private Dining Room und offener Küche serviert Hartwig keine altbackene «deutsche Küche», sondern eine Neuinterpretation mit Überraschungseffekt: mal vertraut, mal völlig neu, aber immer präzise, kreativ und mit ordentlich Herzblut. Zwischen Kunstareal und Maxvorstadt gelegen, führt Gastgeber Kilian Skalet das Publikum charmant durch Menüs, die Hartwig als «Labor der Liebe» beschreibt – ein ständiges Spiel zwischen Tradition und Innovation. Food Design? Gehört hier zur Grundausstattung. Und ja – wer einmal einen Hartwig-Teller gesehen hat, erkennt ihn überall wieder.
2) CODA (Berlin)
Wer im CODA in Berlin Platz nimmt, verabschiedet sich am besten schon beim Aperitif von allen kulinarischen Konventionen. Sternekoch René Frank und Head Chef Julia A. Leitner servieren kein Menü, sie inszenieren ein essbares Designprojekt – inspiriert von den Techniken der Patisserie, aber ohne Scheu vor herzhaften Noten. Hier kann Umami mit Mango flirten, Rote Bete in die Schokoladenrolle schlüpfen und Ziegenkäse ein süsses Finale feiern. Vorspeise, Hauptgang, Dessert? Gestrichen. Stattdessen: eine Abfolge saisonaler Kompositionen, die so kunstvoll wirken wie Installationen in einer Galerie – nur eben zum Aufessen. Alles nachhaltig gedacht, alles handwerklich brillant, alles herrlich nonkonform.
3) Herzig (Wien)
Im Herzig in Wien, untergebracht in den Hallen des ehemaligen Dorotheum-Fünfhaus, serviert Sören Herzig Fine Dining mit Augenzwinkern. Internationale Einflüsse treffen auf österreichische Wurzeln und ergeben die unverwechselbare «Herzig-Mischung»: kreativ, charmant und optisch spektakulär. Food Design ist hier Pflicht – vom kunstvoll inszenierten Menü bis zum berühmten «Kussmund»-Dessert, das fast zu schön zum Anbeissen ist. Zwischen Werken von Peter Jellitsch und Clemens Wolf geniesst man eine Küche, die so viel Charakter hat, dass man sie sofort wiedererkennen würde.
4) Seven Swans (Frankfurt)
Im vermutlich schmalsten, aber dafür siebenstöckigen Haus der Stadt inszeniert Küchenchef Ricky Saward im Seven Swans ein Fine-Dining-Erlebnis, das so puristisch wie radikal ist: rein vegan, komplett bio und streng regional – vieles direkt vom eigenen Bauernhof. Die Location selbst ist ein Hingucker: stylish-klares Design, dazu ein raumhohes Fenster mit Blick auf den Main, das fast wie ein überdimensionaler Naturrahmen wirkt. Das Menü? Ein fünfstündiges Gesamtkunstwerk, bei dem alle gleichzeitig essen und jedes Gericht mit einer kleinen Performance präsentiert wird. Die «Permakultur»-Philosophie zieht sich durch jeden Teller – nachhaltig, durchdacht und trotzdem so raffiniert, dass man Fleisch keine Sekunde vermisst. Als Begleitung gibt’s deutsche Weine oder hausgemachte alkoholfreie Kreationen. Tipp: Früh reservieren – hier sind die Plätze so begehrt wie ein Sonnenuntergang am Main.
5) Restaurant Stucki (Basel)
Wenn man das Restaurant Stucki von Tanja Grandits betritt, hat man fast das Gefühl, in einer Galerie zu sitzen. Allerdings werden hier keine Bilder, sondern Teller bewundert. Jeder einzelne ist wie ein Miniaturkunstwerk: filigran arrangiert, farblich komponiert und mit Aromen jonglierend. Grandits treibt Food Design auf die Spitze, ohne dass man den Eindruck bekommt, da sei ein Möchtegern-Künstler mit zu viel Zeit und unnötiger Pinzette am Werk. Grandits‘ Stil wirkt wie ein wohlüberlegter Designcode: oft monochrom, mit kräftiger Pflanzensprache, subtilen Gewürznoten und einem bewussten Fokus auf ein einzelnes Farbschema pro Gericht – was nicht etwa nach Aufwand und Show schreit, sondern nach klarer Handschrift und Disziplin. Und dann noch das Ambiente: das helle, zurückhaltende Interieur einer historischen Villa ordnet sich den kulinarischen Farbexplosionen unter – der Raum sagt: «Mach Platz, du Teller!» Kurz gesagt: Im «Stucki» wird nicht einfach gekocht – da wird Essen entworfen.
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