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Es gibt Feste, die wie aus der Zeit gefallen scheinen und den Advent in den Hintergrund rücken. So etwa die Escalade in Genf, die vom 12. bis 14. Dezember an den historischen Sieg über den Herzog von Savoyen vor über 400 Jahren erinnert.

Die Geschichte zur Genfer Fête de l’Escalade geht so: Die Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1602 war alles andere als besinnlich. Denn Savoyarden griffen die Rohne-Stadt mit einigen Tausend Männern an – ihre Vorhut hatte die Stadtmauern bereits mit Leitern (deshalb die Bezeichnung Escalade für «Kletterei») überwunden, als endlich Alarm geschlagen wurde. Die savoyardischen Männer sollten das Stadttor für die restlichen Truppen öffnen, schafften es aber nicht, da es dem Genfer Soldaten Isaac Mercier gelang, das Fallgatter der Porte Neuve zu schliessen. Das zwang die Angreifer, sich zurückziehen, womit der Plan des Herzogs von Savoyen gescheitert war. 

Was sich für Karl Emmanuel zu einer militärischen Blamage entwickelte, wurde für Genf ein Befreiungsschlag, da der Herzog 1603 im Frieden von Saint-Julien die Unabhängigkeit von Genf definitiv anerkennen musste. Diesen historischen Sieg feiern die Genferinnen und Genfer noch heute, unter anderem mit einem Stadtlauf, einem Nachtumzug und Freudenfeuern. Mittelalterliche Gewänder, brennende Fackeln, Pauken und Reiter inklusive.

Der zerbrochene Kochtopf

Kaum eine Figur ist so eng mit der Escalade verbunden wie Catherine Royaume, née Cheynel (heute ist sie vor allem als «Mutter Königreich» bekannt, Anm. d. Red.), die einen feindlichen Soldaten erschlagen haben soll, indem sie einen gusseisernen Kochtopf voller Gemüsesuppe auf ihn warf. Eigentlich nur logisch, ist der Kochtopf zum Signet der Escalade geworden. Statt solche aus Gusseisen zerschlagen heute grosse und kleine Genferinnen und Genfer in der ganzen Stadt Kochtöpfe aus Schokolade, die jeweils bis an den Rand mit Marzipangemüse, Bonbons und Knallkörpern gefüllt sind. 

Überhaupt herrscht während der Escalade eine Art herrlicher Ausnahmezustand, der den ganzen Vorweihnachtsstress etwas vergessen lässt und für mehr Gemeinschaftsgefühl sorgt: Vor den Häusern stehen nämlich Feuerschalen, die Gassen sind erfüllt von mittelalterlichen Gesängen und es duftet überall nach Glühwein sowie gebrannten Mandeln. Weitere Aktivitäten sind Vorführungen von Handwerkskünstlern, Stände mit traditionellem Essen, patriotische Lieder und Reden aus der Renaissance sowie Schmiedekurse.

Der Auftakt: der Course de l’Escalade

Am Wochenende davor – am 6. und 7. Dezember 2025 – laufen Zehntausende durch Genfs Strassen: der Course de l’Escalade ist einer der grössten Volksläufe der Schweiz. Manche starten verkleidet, andere einfach gut eingepackt. Am Ende zählt weniger die Laufzeit, als einfach mitzulaufen und sich gemeinsam auf die kommenden Festtage einzustimmen.

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Schweiz Tourismus ©

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