Das Pfingstwochenende eignet sich perfekt für einen Wanderausflug mit seiner Lieblings-Crew. Um Touristenhorden auszuweichen, hier drei Wanderungen abseits der gewohnten Pfade.
Insbesondere Zürcherinnen und Zürcher kennen diese Stimmung am Hauptbahnhof an Feiertagen wie zum Beispiel Ostern, den 1. Mai oder eben Pfingsten: sämtliche Gleise mit Destination nach Luzern oder ins Tessin sind proppenvoll – Familien, die mit ihren Kids und Velos das Perron schier unzugänglich machen, Züri-Hipster mit Wanderschuhen und Picknick-Rucksäcken ausgestattet, die sich auf die Rigi freuen oder Ostschweizerinnen und Ostschweizer, die hoffen, via Zug den Gotthardstau zu umgehen. Übrigens: Anfang Mai wurde der Zürcher Hauptbahnhof vom britischen Reiseversicherer Allclear zum luxuriösesten Bahnhof der Welt gekürt – Zürich HB liegt mit 83 von 100 Punkten an der Spitze, noch vor Osaka, Kyoto und Tokio. An Pfingsten merkt man von all dem Luxus aber wenig, sondern vor allem, dass alle dasselbe wollen: raus. Das hat natürlich alles seine Berechtigung und ist durchaus verständlich. Dennoch: Manchmal wünscht man sich einfach etwas mehr Ruhe um die Feiertage herum, möchte diese aber trotzdem nicht ausschliesslich in den eigenen vier Wänden verbringen. Darum haben wir für Sie drei Wanderrouten mit sehr unterschiedlichen Stimmungen herausgesucht, die aber eines gemeinsam haben: Sie sind am Pfingstmontag deutlich leerer als die Klassiker.
Greina-Hochebene, Graubünden/Tessin
Die Greina-Hochebene liegt auf über 2’200 Metern, ist sechs Kilometer lang, einen Kilometer breit und erinnert ein wenig an das Hochland von Tibet – einfach ohne den jungen Brad Pitt –, weil es dort keine Strasse, keine Bergbahn und keine Souvenirläden gibt. Stattdessen findet man dort eine Tundralandschaft, einen Fluss, der mäandriert wie aus einem anderen Jahrhundert, und die «Punt la Greina» – eine 65 Meter lange, 40 Meter hohe Hängebrücke über den Rein da Sumvitg. Diese wurde 2018 gebaut und ist seither das Highlight der Route. Vorausgesetzt, man leidet nicht unter Höhenangst wie unsere Autorin. Der Weg führt von Vrin im Val Lumnezia über den Pass Diesrut (2’428 Meter) hinunter in die Ebene, über die Brücke zur Terrihütte. Wer dort übernachtet, dem empfehlen wir nach dem Frühstück den Abstieg ins unglaublich stille Tessiner Bleniotal. Abschnitte mit Ketten, Schwindelfreiheit für die Brücke. Der Rest ist Stille. In den 1980er-Jahren protestierten Naturschutzverbände erfolgreich gegen einen geplanten Stausee in der Greina-Ebene. Manchmal gewinnt also auch mal die Natur. Achtung: Die SAC-Terrihütte ist erst ab Mitte Juni bewartet, und auf 2’170 Metern liegt Ende Mai oft noch Schnee. Heisst: für Pfingsten zu früh, ausser es war ein wirklich warmer Frühling. Sicher klappt die Tour ab Ende Juni. Schneelage und Hüttensaison vorab auf terrihuette.ch checken.
Anspruch: anspruchsvolles Bergwandern, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig. Anreise: Zug nach Ilanz, Postauto nach Vrin, Bus alpin bis Puzzatsch (Reservation nötig!). Übernachtung Terrihütte SAC ab Mitte Juni: voranmelden, weil wenig Platz. terrihuette.ch
Gasterntal, Berner Oberland
Wer das Gasterntal oberhalb von Kandersteg mit dem Auto ansteuert, zahlt CHF 15.– für die Zufahrt durch die Klus, eine enge Felsschlucht mit Tunnels und überhängenden Felsen – hallo, Indiana Jones – mit Einbahnverkehr nach Taktfahrplan. Oben in Selden, dem einzigen Weiler im Tal auf 1’537 Metern, hat man dann das Gefühl, kurz aus der Zeit gefallen zu sein. Mitten im UNESCO-Welterbe Jungfrau-Aletsch ist man das ja auch tatsächlich. Die Kander rauscht durch die Ebene, auf halber Strecke gibt es eine Hängebrücke, und wer im Berggasthaus Heimritz einkehrt, wird mit hausgemachtem Kuchen belohnt. Wem das zu gemütlich ist, der oder die steigt von Selden weiter Richtung Gfelalp hoch, von wo der Kanderfirn zum Greifen nahe scheint. Aber Achtung: Die Zufahrtsstrasse ins Gasterntal öffnet jeweils Mitte Mai und schliesst Mitte November – das genaue Datum hängt jedes Jahr von der Witterung ab. Vor Pfingsten also unbedingt kurz auf gasterntal.ch nachschauen, ob die Strasse befahrbar ist. Der Rufbus von Kander-Reisen fährt sowieso erst ab Juni. Eine Variante, die immer geht: zu Fuss ab Kandersteg, rund 2,5 Stunden.
Anspruch: einfaches Bergwandern (Grundroute). Zufahrt per Auto CHF 15.– Maut, Strassenöffnung ab Mitte Mai (witterungsabhängig), Einbahnverkehr beachten. Rufbus (ab Juni): +41 33 671 11 72, Reservation zwingend. gasterntal.ch.
Gastlosen-Rundweg, Freiburger Voralpen
Die Gastlosen sind eine bis zu 300 Meter hohe Kalksteinkette in den Freiburger Voralpen und eine Landschaft, die ausserhalb des Kantons (noch) nicht so bekannt ist. Für die Rundwanderung startet man in Jaun und fährt mit dem Sessellift «Gastlosenexpress» aufs Mauzes Bergle (ca. 1’540 Meter) hoch. Achtung: Die genauen Öffnungsdaten für 2026 sind aktuell noch nicht publiziert, darum unbedingt kurz vor dem Trip checken. Ab Mauzes Bergle geht es durch den Stillwasserwald (ja, der heisst tatsächlich so) zum Chalet du Soldat, weiter zum Wolfs Ort (1’915 Meter, höchster Punkt) und entlang der Südseite der Steilwände zum Bergbeizli Chalet Grat. Der Weg ist rund zwölf Kilometer lang und dauert – je nach Tempo – vier bis fünf Stunden. Noch kurz etwas Schweizer Mythologie: Die Legende sagt, der Teufel habe im Zorn seine Grossmutter gegen die Felsen geschmettert. Die Geologie spricht von Erosion durch Spalten im Gestein. So oder so, spektakulär ist die Ansicht auf jeden Fall.
Anspruch: anspruchsvolles Bergwandern. Anreise mit dem ÖV: Zug nach Bulle, dann TPF-Bus (Transports publics fribourgeois) Linie 260 nach Jaun, via Charmey. Sessellift: jaun-bergbahnen.ch, Öffnungszeiten kurz vor dem Trip checken. Bergbeizli Chalet Grat: +41 26 929 81 78.
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