Jedes Jahr dasselbe Schauspiel. Jedes Jahr vergesse ich trotzdem, wie sehr es mich umhaut. Die Kirschblüten in Zürich sind so schön, dass man kurz vergisst, wo man eigentlich hingehen wollte.
«It’s always darkest before the dawn», singt Florence Welch in «Shake It Out». Ich musste genau an diese Zeile denken, als ich neulich durch Wiedikon spazierte und plötzlich vor einem Baum stand, der aussah, als hätte jemand entschieden: Ab heute wird alles anders. Wochenlang war alles grau. Dann plötzlich dieses Rosa. Kirschblüten haben etwas unanständig Schönes. Sie kommen ohne Vorankündigung, hängen für eine Woche – manchmal auch nur ein paar Tage – über Strassen, Trams und Velos, und dann sind sie wieder weg. Wer sie verpasst, wartet ein ganzes Jahr. Das verleiht dem Ganzen eine gewisse Dringlichkeit. Etwa so, als ob man zu spät für ein erstes Date dran ist.
Zugegeben, ich bin nicht jemand, der normalerweise Blumen fotografiert. Aber sobald die Kirschbäume aufblühen – und das ist in Zürich dank milden Temperaturen schon (fast) der Fall –, stehe ich, wie so viele Influencerinnen und Influencer, mitten auf dem Trottoir und snappe völlig schambefreit drauflos. Für alle, die ebenfalls nicht widerstehen können – oder es dieses Jahr zum ersten Mal versuchen wollen: Hier sind meine liebsten Blütenrouten durch die Stadt.
Route 1: Der rosa Tunnel – Wiedikon
Startpunkt ist der Bahnhof Wiedikon. Von hier sind es nur ein paar Minuten zu Fuss bis zum famosen Idaplatz – und damit ins Herzstück der Zürcher Kirschblütenzeit. Die unmittelbar dort gelegene und ultratraumhafte Bertastrasse ist übrigens mein persönlicher Favorit. Denn die Zierkirschen stehen hier dicht entlang der Strasse und bilden, wenn voll erblüht, ein beinahe geschlossenes Blütendach über dem Trottoir. Das wirkt fast wie aus einem Wes Anderson-Film. Logisch, bleiben hier Menschen stehen und schauen verzückt nach oben. Es lohnt sich darum wirklich, hier langsam zu gehen. Oder kurz sitzen zu bleiben. Oder beides.
Kaffeestopps, die passen:
- Café Bebek: lebendig, ein bisschen laut, perfekt für ein spätes, orientalisch angehauchtes Frühstück
- Vicafe Idaplatz: Espresso to go unter blühenden Bäumen. Mehr braucht es manchmal nicht.
Danach gehts in die charmante Zurlinden- und Zentralstrasse weiter. Hier wird es ruhiger. Altbauten, breite Trottoirs, weniger Verkehr – und zwischen parkenden Velos und Fassaden hängen weisse und rosa Blütenbüschel über der Strasse, die an plüschige rosa Wolken erinnern. Das Quartierleben mischt sich mit dem Frühlingserwachen: Kinder fahren Trottinett, jemand trägt Blumen nach Hause, irgendwo klappert Geschirr aus einem Café. Ich weiss, das klingt mega kitschig. Aber manchmal ist Zürich, bei aller Coolness, wirklich genau das.
Ein Stück Japan mitten in Wiedikon
Und von wegen Züri-Coolness: Hier kommt gleich ein szeniger Geheimtipp. Der angesagte Harubaru Copy Club feiert vom 10. bis zum 19. April Hanami – ein japanisches Fest, dessen Name übersetzt «Blüten betrachten» heisst. Und weil das besonders gut mit Freunden, Familie oder – why not? – mit seinen Arbeitsgspändli geht, offeriert das Pop-up Hanami City liebevoll zusammengestellte Bento-Boxen, die mit saisonalen Spezialitäten aus der japanischen Küche bestückt sind. Man kann diese einzeln bestellen oder als Set mit zwei süss-blumigen Sakura Mochi inklusive Getränke und geniesst diese dann auf einem Hanami-Spot.
Route 2: chilliger Frühling – Rigiplatz bis Schaffhauserplatz
Wer nach Wiedikon noch nicht genug Schritte auf seinem Fitnesstracker hat – oder einfach weiterwandern möchte –, dem empfehle ich die zweite Route. Sie ist etwas weniger spektakulär als die erste. Dafür etwas ruhiger und weniger überlaufen. Startpunkt ist der Rigiplatz im Kreis 6. Schon in den kleinen Strassen rund um den Platz sieht man die ersten Zierkirschen zwischen Jugendstilfassaden aufblühen. Von hier führt der Weg Richtung Rotbuchstrasse. Die Bäume bilden in dieser Gegend zwar kein geschlossenes Blütenband, halten dafür aber eine Reihe kleiner Entdeckungen bereit: hier ein einzelner Baum vor einem Altbau, der aussieht, als wäre er extra so gepflanzt worden, dort ein ganzer Innenhof voller Blüten und dazwischen eine unaufgeregte Quartierstille, die man in Zürich manchmal total vermisst.
Gerade diese Unaufgeregtheit macht den Charme dieses Spaziergangs aus, der am Schaffhauserplatz endet, wo ebenfalls einige Kirschbäume stehen. Und wo man sich mit einem Café au Lait auf einer Terrasse niederlassen kann. So zum Beispiel im Café Des Amis, einem französischen Quartierrestaurant mit grosser Terrasse. Genau richtig nach einem langen Blütenspaziergang.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Beste Zeit: meist Ende März bis Anfang April – aber der Frühling entscheidet selbst
- Dauer der Blüte: etwa eine Woche auf dem Höhepunkt, manchmal weniger
- Route 1: Bahnhof Wiedikon – Idaplatz – Bertastrasse – Zurlindenstrasse – Zentralstrasse
- Route 2: Rigiplatz – Rotbuchstrasse – Schaffhauserplatz
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