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Anne Loch zog sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aus der Kunstwelt zurück – und schuf im Verborgenen ein Werk von rund 1400 Gemälden. Nun widmet ihr das Zentrum Paul Klee in Bern eine grosse Einzelausstellung.

Anne Loch? Der Name ist heute fast vergessen. Dabei gehörte sie in den 1980er-Jahren zu den grossen Hoffnungen der Kölner Kunstszene. Gemeinsam mit Rosemarie Trockel, Jenny Holzer und Cindy Sherman wurde die deutsche Künstlerin (1946 – 2014) von der renommierten Galerie Monika Sprüth vertreten und zeigte ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen. Eine internationale Karriere schien nur eine Frage der Zeit zu sein.

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Privatsammlung. Courtesy Galerie Friedrich, Bern/Basel, Foto: Dominique Uldry, Bern ©
Anne Loch, AL 256, 1988

Doch Anne Loch entschied sich anders. 1988 verliess sie Köln, liess sich im beschaulichen Thusis nieder und zog sich weitgehend aus dem Kunstbetrieb zurück. Über ihre Beweggründe sprach sie kaum. Statt Erklärungen zu liefern, schrieb sie in ihrem Tagebuch: «Mir sind schon so viele Erklärungen gesagt worden. Aber ausserhalb der Analyse gibt es noch etwas Anderes: Das sind die Momente der Wahrheit, und die zu fühlen, das kann nur ich.» Wer jedoch glaubt, Anne Loch habe der Kunst den Rücken gekehrt, irrt. Nachdem sie aus der Öffentlichkeit verschwunden war, arbeitete sie jahrzehntelang mit unverminderter Konsequenz weiter. Es entstand ein umfangreiches Werk mit rund 1400 Gemälden sowie zahlreichen Papier- und fotografischen Arbeiten. Ihre Bilder hütete sie wie ein kostbarer Schatz und trennte sich nur von ihnen, wenn sie in Geldnot war. Heute befindet sich ihr Nachlass in Bern und macht erstmals eine umfassende Wiederentdeckung ihres Schaffens möglich. 

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BKW Energie AG Bern, Foto: Dominique Uldry, Bern ©
Anne Loch, AL 279, 1989

Je näher, desto rätselhafter

Mit der Ausstellung «Anne Loch. Malerei: Na und?» zeigt das Zentrum Paul Klee rund 80 Gemälde, Zeichnungen und Fotografien. Sie eröffnen einen neuen Blick auf eine Künstlerin, die sich zeitlebens ebenso konsequent dem Kunstbetrieb wie einfachen Deutungen entzog. Blumen, Tiere und Landschaften bestimmen Anne Lochs Bildwelt. Eine knallrote Blüte scheint über den Bildrand hinauszuwachsen, eine gelbe Blume leuchtet vor tiefblauem Hintergrund, eine Schafherde zieht sich über mehrere Meter. Auch ein Falter, der Kopf eines Raben oder das eine Innere einer Pfingstrose füllen ganze Bildflächen. Das Alltägliche erscheint plötzlich fremd. Aus der Distanz erscheinen die Darstellungen vertraut und klar. Erst beim Näherkommen beginnen sie sich aufzulösen. Farbe, Struktur und die Oberfläche der Leinwand treten immer stärker in den Vordergrund und verändern das vermeintlich Wohlbekannte. Dass diesen Bildern eine präzise Vorbereitung vorausging, zeigt Anne Lochs umfangreicher fotografischer Nachlass. Viele ihrer Sujets hielt sie zunächst mit der Kamera fest, bevor sie sie auf die Leinwand übertrug. Die eigentliche Bildidee entstand somit lange vor dem ersten Pinselstrich. Dennoch interessierte Anne Loch weniger das Gegenständliche als der Akt des Malens selbst. «Ich male einfach Striche und ihr Verhältnis zueinander», notierte sie.

Vielleicht liegt gerade darin die anhaltende Faszination ihres Werks. Anne Loch suchte weder nach spektakulären Motiven noch nach grossen Erzählungen. Ihre Bilder erklären die Welt nicht. Sie laden dazu ein, länger hinzusehen und Wahrnehmung neu zu erfahren. Wer der Ausstellung etwas Zeit schenkt, entdeckt immer neue Facetten – und genau darin entfaltet Anne Lochs Malerei ihre besondere Kraft. 

Wann: 18. Juli bis 20. September 2026

Zentrum Paul Klee


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