teilen via

Im Schloss Gödöllő bei Budapest entfaltet eine eindrucksvolle Ausstellung die funkelnde Geschichte über 200 Jahre Schmuckkunst des Hauses A.E. Köchert.

Was verbindet eines der bedeutendsten Schlösser Ungarns mit einem Wiener Juwelier, der Kaiser und Könige schmückte? Eine opulente Dosis Geschichte und funkelnder Glamour. Nur rund 30 Minuten von Budapest entfernt zeigt das Schloss Gödöllő derzeit die Sonderausstellung «Jeweller to Emperor and Crown» und rückt damit das Traditionshaus A.E. Köchert ins Rampenlicht, das seit 1814 erlesene Schmuckstücke anfertigt. In fünf prachtvollen Räumen treten kunstvolle Preziosen in Dialog mit europäischer Zeitgeschichte. Perlenbesetzte Diademe, opulente Broschen, funkelnde Ringe, historische Colliers und prächtige Diamantorden erzählen von gesellschaftlichen Ritualen, Stilvorlieben und den sichtbaren Insignien von Rang und Repräsentation. 

Die von Beatrice Austerlitz und Dr. Papházi János kuratierte Ausstellung ist jedoch weit mehr als ein nostalgischer Blick auf eine Welt aus rauschenden Ballnächten, märchenhaften Hochzeiten und höfischen Jagden des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie zeichnet zugleich nach, wie sich Formen, Stil und Bedeutung des Schmucks bis in die Moderne hinein verwandelt haben. Zu sehen sind aussergewöhnliche Einzelarbeiten aus dem Besitz bedeutender Persönlichkeiten – darunter Erzherzogin Marie Valerie, Kaiserin Marie-Louise von Frankreich, Kaiser Karl, Otto von Bismarck, Katharina Schratt und Prinzessin Caroline von Monaco. Und natürlich darf auch Kaiserin Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn nicht fehlen, denn Schloss Gödöllő galt als ihre erklärte Lieblingsresidenz. Fernab der strengen Hofetikette Wiens und der täglichen Pflichten als Kaiserin fühlte sie sich hier frei und bewegte sich ungezwungener als anderswo. Rund 500 Aufenthalte Elisabeths in Ungarn sind überliefert, während Franz Joseph I. das Land nur etwa fünfmal besuchte. So überrascht es kaum, dass ein eigener Raum ganz ihrem Schmuck gewidmet ist. Im Zentrum stehen dabei ein Devant-de-corsage, eine mit Diamanten, Perlen und Emaille besetzte Brosche im Stil der Neorenaissance, die über Jahrzehnte als verschollen galt und nun erstmals öffentlich gezeigt wird. Entworfen wurde das prachtvolle Meisterwerk von Theophil von Hansen. Im «Sisi»-Raum ebenfalls zu bewundern sind eine Replik ihres berühmten Diamantenstern-Sets sowie zahlreiche weitere erlesene Geschenke ihres Ehemanns Franz Joseph I. 

20251205 Kochert megnyito GKK 0202 ok
Museum Königliches Schloss Gödöllő ©
Die Devant-de-corsage von Kaiserin Elisabeth

Zeichenentwürfe als Kommunikationsmittel

Die Ausstellung des Hauses A.E. Köchert gleicht einem Feuerwerk an Höhepunkten und besticht durch eine aussergewöhnliche Dichte prachtvoller Exponate, von denen sich viele heute in Privatbesitz befinden. Ergänzt werden die Meisterwerke von Goldschmiedekunst durch Entwurfszeichnungen aus dem Köchert-Archiv. Die Zeichnungen dienten einst als zentrales Kommunikationsmedium zwischen Juwelier und Kundschaft und begleiteten den Entstehungsprozess eines Schmuckstücks vom ersten Entwurf bis zur Ausführung. Zugleich führen sie vor Augen, wie eng Schönheit, Funktion und Repräsentation verbunden waren. Schmuck transportierte stets eine Botschaft und gab neben seiner dekorativen Wirkung auch Auskunft über Status und finanzielle Möglichkeiten. Zu sehen sind etwa Entwürfe für den märchenhaften Brautschmuck der Erzherzogin Marie Valerie oder für kostbare Stücke, die Franz Joseph I. für Katharina Schratt, Schauspielerin und enge Vertraute des Kaiserpaares, in Auftrag gab. Bei aller Fülle an Diamanten, Rubinen und Smaragden fällt jedoch eines besonders auf: Wer wirklich ein unübersehbares Statement setzen wollte und es sich leisten konnte, liess Perlen einsetzen. Jede vor dem 19. Jahrhundert erworbene Perle war eine Naturperle und damit von besonderem Wert. Perlen galten dabei als der leise, zugleich aber besonders bedeutungsvolle Luxus. Im Gegensatz zum Glanz der funkelnden Edelsteine verliehen sie dem Schmuck eine beinahe intime Eleganz und machten ihn zu einem subtilen, aber unmissverständlichen Zeichen von Rang und Geschmack. 

Zwischen Tradition und Moderne

Mit dem Ende der österreichischen Monarchie und dem Beginn des 20. Jahrhunderts setzte auch ein gesellschaftlicher Wandel ein. Schmuck wurde kleiner, leichter und alltagstauglicher; Armbanduhren gewannen an Bedeutung, denn die Dame von Welt wollte nun auch sichtbar pünktlich sein. Ebenso gefragt waren Zigarettenetuis aus edlen Metallen – elegante Accessoires einer neuen, selbstbewussten Lebensart. A.E. Köchert stellte sich diesen Veränderungen und schlug zugleich den Bogen in die Gegenwart. Kooperationen mit Künstlern wie George Condo, Hans Hollein oder Erwin Wurm zeigen, wie Tradition und zeitgenössische Gestaltung fruchtbar ineinander greifen können. 

Im Schloss Gödöllő erhält die Geschichte des Hauses A.E. Köchert ihren passenden Resonanzraum. Die Sonderausstellung zeigt, wie zeitlose Handwerkskunst und historische Orte gemeinsam jene Strahlkraft entfalten, die über Generationen hinweg Bestand hat.

Wann: bis 4. April 2026


Reise-Tipp: Budapest ist von Wien aus in rund zwei Stunden mit dem Zug erreichbar. Ein Besuch im Schloss Gödöllő eignet sich ideal als Tagesauflug und ist eine perfekte Ergänzung zu einer Reise durch Österreich. 

Schloss Gödöllő

A.E. Köchert – Schmuck für die Ewigkeit

Die Geschichte von Köchert beginnt 1814 im Wien des Kongresszeitalters, in einer Stadt des Aufbruchs, in der der französische Goldschmied Emmanuel Pioté eine kleine Werkstätte eröffnet und zunächst feinen Emaille-Schmuck fertigt. Die entscheidende Wendung bringt die Begegnung mit dem aus Riga stammenden Jakob Heinrich Köchert, der in St. Petersburg die Kunst der Pavé-Fassung erlernt hat. Mit ihm ziehen Diamanten und kostbare Edelsteine in die Werkstatt ein – und die bescheidene Manufaktur entwickelt sich rasch zu einer der gefragtesten Adressen des Adels. 1831 folgt die Ernennung zum «Kaiserlich-Königlichen Hofjuwelier», ein Moment, der das Haus endgültig in die Welt des Kaiserhofs führt. 

Mit Alexander Emanuel Köchert betritt 1844 die nächste Generation die Bühne. Seine Initialen «AEK» kennzeichnen fortan die Arbeiten, und unter seiner Ägide wird das Haus zum Hof- und Kammerjuwelier berufen sowie mit der Betreuung der kaiserlichen Schatzkammer beauftragt. Eine Auszeichnung von höchstem Vertrauen. Bis heute wird das Unternehmen von der Familie geführt – inzwischen in der sechsten Generation – und verbindet das historische Erbe mit dem Anspruch, Schmuck stets im Dialog mit der jeweiligen Zeit zu gestalten. 

A.E. Köchert


Nichts mehr verpassen – wir halten Sie auf dem Laufenden!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.