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Wenn am zweiten Sonntag im März über 14000 Menschen über die Seenplatte des Oberengadins gleiten, ist das weit mehr als nur ein Volkslauf. Ein Ausblick auf den Mythos im Hochtal, das logistische Meisterwerk hinter den Kulissen und die Herausforderungen für das Jahr 2026.

Von Maloja nach S‑chanf: Die Route ist das Herzstück des Schweizer Langlaufsports. Was 1969 mit einer Gruppe von 945 Pionieren um den St. Moritzer Sportartikelhändler Albert Scheuing begann, hat sich über die Jahrzehnte zum zweitgrössten Langlaufereignis weltweit entwickelt. Für viele Schweizer Breitensportler gehört der «Engadiner» fest zur Winteragenda – ein prestigeträchtiger Fixpunkt, auf den monatelang hingearbeitet wird.

Der Start: Gleitflug über die Seen

Der Schauplatz in Maloja auf 1820 m ü. M. ist einzigartig. Die ersten 15 Kilometer führen die Läuferinnen und Läufer über die gefrorene Seenplatte von Sils, Silvaplana und Champfèr. Es ist eine Phase der psychologischen Schwerstarbeit: Die Weite der Landschaft und die dünne, trockene Luft können tückisch sein. Wer hier sein Tempo nicht findet, zahlt im späteren Verlauf des Rennens den Preis. Mit etwas Glück sorgt jedoch der berüchtigte Malojawind für den nötigen Schub im Rücken Richtung St. Moritz.

Engadin Skimarathon
Engadin Skimarathon ©

Das Nadelöhr im Stazerwald

Der Rhythmus bricht abrupt nach St. Moritz Bad. Hier wartet der Stazerwald, das technische «Nadelöhr» des Marathons. Die steilen Abfahrten zum Stazersee hinunter sind legendär – und berüchtigt für spektakuläre Massenstürze im dichten Feld der Volksläufer. Es ist der einzige Abschnitt der 42 Kilometer, auf dem die Organisatoren offiziell erlauben, die Ski abzuschnallen und das Gefälle zu Fuss zu bewältigen, um Verletzungen vorzubeugen.

Logistik als Benchmark

Hinter der sportlichen Fassade verbirgt sich eine logistische Präzision, die weltweit als Massstab gilt. Die Rhätische Bahn (RhB) setzt am Marathontag rund 150 Extrazüge ein, um die Massen bereits ab 4 Uhr morgens ins Tal zu befördern. Da Start und Ziel räumlich weit getrennt sind, müssen rund 37 Lastwagen die nummerierten Effektensäcke der Teilnehmenden über den Pass transportieren. Auch die Verpflegungsmengen sind eindrücklich: Allein eine Tonne Bananen und rund 7500 Liter Isostar werden an die Erschöpften ausgegeben.

Tradition und Klimawandel

Die Seele des Laufs sind die «Giubilers» – Läufer, die seit mindestens 40 Jahren dabei sind. Eine Ikone ist die über 85-jährige Françoise Stahel, die seit der Premiere 1969 kaum eine Austragung verpasst hat und als Botschafterin für die gesundheitsfördernde Wirkung des Sports gilt.

Doch auch im hochgelegenen Engadin gehen die milden Winter nicht spurlos vorüber. Die Schneesicherheit ist zwar im Vergleich zu anderen Regionen hoch, dennoch müssen die Organisatoren kreativ werden. In schneearmen Jahren kommen spezielle Pistenfahrzeuge zum Einsatz, welche die oberste Schicht des glasigen See-Eises abraspeln, um daraus die nötige Schneegrundlage für die Loipe zu gewinnen.

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Engadin Skimarathon ©

Die Marathonwoche 2026

Längst hat sich das Ereignis von einem Eintages-Event zu einer umfassenden Marathonwoche entwickelt. Im Jahr 2026 erstreckt sich das Programm vom 25. Februar bis zum 8. März, wer heuer dabei sein will, sollte vorausschauend planen: Die Teilnehmerzahl ist auf etwa 14200 Personen begrenzt, um die Qualität und Sicherheit auf der Strecke zu gewährleisten.

Engadin Skimarathon
Engadin Skimarathon ©

Datum

Event

Distanz / Ort

Charakter

25.2.2026

Jugendsprint

Samedan

Nachwuchsförderung

1.3.2026

25. Frauenlauf

17 km (Samedan – S‑chanf)

Jubiläumsausgabe

5.3.2026

8. Nachtlauf

17 km (Sils – Pontresina)

Stirnlampen-Spektakel

8.3.2026

Skimarathon

42 km (Maloja – S‑chanf)

Der grosse Haupttag


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