Chiharu Shiota hat in den Swarovski Kristallwelten ein Kunstwerk geschaffen, das wortlos berührt. Die neue Wunderkammer mit dem Namen «Crystallizing Identity» ist die erste permanente Installation Shiotas in Österreich. Ein poetisches Geflecht aus Fäden, Licht und Erinnerungen.
Die japanische Künstlerin ist längst ein Star der internationalen Kunstszene. Wer einmal durch eines ihrer begehbaren Fadennetze gewandert ist, weiss, wie sehr ihre Arbeiten unter die Haut gehen. Mal hängen Schuhe darin, mal Kleider oder Stühle – Relikte eines Lebens, eingefangen in roten oder schwarzen Linien, die wie Gedanken durch den Raum fliessen. In Wattens kombiniert sie dieses Prinzip erstmals mit Kristall – einem Material, das selbst für Licht, Zeit und Zerbrechlichkeit steht.
Japanische Folklore in den Alpen
Im Zentrum der neuen Wunderkammer steht ein Netz aus roten Wollfäden, die mit Kristallperlen durchsetzt sind. Die Fäden verknüpfen sich zu Armen, Beinen, einer Hand – Symbol für den Menschen als Knotenpunkt in einem Geflecht von Beziehungen. Die Arbeit ist von einer japanischen Legende inspiriert: Danach verbindet ein unsichtbarer roter Faden Menschen, die füreinander bestimmt sind – über Zeit und Raum hinweg.
Shiota überträgt diese Idee in die Gegenwart – sinnlich, leise, kraftvoll. Ihre Installation spielt mit Nähe und Distanz, mit Licht und Schatten, mit An- und Abwesenheit. «Wir leben in getrennten Körpern, sind aber Teil eines gemeinsamen Gedankengeflechts», sagt sie. Und was wie ein Widerspruch klingt, wird hier zum Erlebnis. Zwischen Kristallglanz und rotem Garn entsteht ein Raum, der mehr fühlt als zeigt.
Internationale Kunst in den Kristallwelten
Auch der Ort ist kein Zufall. Die 1995 eröffneten Swarovski Kristallwelten sind mehr als ein Ausflugsziel: Sie sind Bühne für internationale Kunst – von Yayoi Kusama über Lee Bul bis James Turrell. Letzterer schuf mit Umbra einen meditativen Lichtraum, in dem die Farben wie Atem fliessen. Rafael Lozano-Hemmers Pulse wiederum reagiert auf den Herzschlag der Besucher:innen – und macht Emotionen sichtbar. Shiota fügt dieser Linie eine fein gewebte, persönliche Dimension hinzu. Ihre Arbeit fügt sich nahtlos ein – und sticht doch heraus.
Denn es geht um Identität. Um das, was uns ausmacht. Und darum, was uns verbindet. Mit anderen. Mit uns selbst. Und manchmal – mit einem Ort. Man möchte wiederkommen.
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