Mehr als sechs Jahrzehnte nach ihrem Tod bleibt Marilyn Monroe (1926 – 1962) eine der schillerndsten Figuren der Popkultur. Kaum ein Gesicht wurde häufiger reproduziert, interpretiert und vermarktet als ihres. Doch hinter der Leinwandlegende verbarg sich weit mehr als das berühmte Hollywood-Lächeln. Die Ausstellung in der Lichthalle MAAG nähert sich Marilyn Monroe nicht nur als Mythos, sondern auch als Frau, die früh verstand, wie Macht, Medien und Inszenierung funktionieren.
Kameras, Scheinwerfer und Requisiten – alles im Stil eines Filmstudios der 50er-Jahre. Sobald der Regisseur «Action» ruft, beginnt die Szene zu leben. Mit eindrucksvollen visuellen Inszenierungen, interaktiven Elementen und bislang wenig bekannten Perspektiven feiert die Weltpremiere «Becoming Marilyn Monroe» den 100. Geburtstag einer Frau, die die Popkultur nachhaltig geprägt hat und sich zeitlebens dagegen wehrte, von anderen definiert zu werden. Im immersiven Bereich der Lichthalle MAAG, in dem frühere Produktionen bereits Tutanchamun neues Leben einhauchten oder den Untergang der Titanic nachzeichneten, entfaltet sich nun auf über acht Meter hohen Projektionsflächen die Geschichte einer oft unterschätzten Schauspielerin, Sängerin und Stilfigur. Jahrzehntelang dominierte das Bild der glamourösen, lasziven Blondine, dabei dachte Marilyn hinter den Kulissen bemerkenswert strategisch, lenkte ihre Karriere äusserst gezielt.
Mehr als Pailletten und High Heels
Geboren in Los Angeles als Norma Jeane Mortensen (Taufname: Norma Jeane Baker), wuchs sie unter schwierigen Bedingungen auf und entwickelte früh ein ausgeprägtes Gespür dafür, wie Identität über Bilder konstruiert wird. Was später als «Marilyn Monroe» internationale Berühmtheit erlangen sollte, war nicht bloss eines der zahlreichen Produkte Hollywoods, sondern auch das Resultat bewusster Selbsterschaffung. Marilyn verstand die Macht ihres eigenen Images und wusste Aufmerksamkeit klug einzusetzen – in einer Zeit, in der Frauen im Studiosystem meist keine Kontrolle über ihre Laufbahn hatten. Mitte der 1950er-Jahre gründete sie mit Marilyn Monroe Productions ihre eigene Produktionsfirma und widersetzte sich damit offen den Machtstrukturen Hollywoods. Ein aussergewöhnlicher Schritt für eine Schauspielerin jener Epoche. Marilyn kämpfte für bessere Rollen, höhere Gagen und mehr künstlerische Kontrolle. Vor allem aber wollte sie ernst genommen werden: nicht nur als Sexsymbol, sondern als Schauspielerin und Geschäftsfrau. Damit ebnete sie kommenden Generationen von Frauen in der Filmindustrie den Weg zu mehr Eigenständigkeit.
Schönheit oder Resonanz?
Womöglich liegt genau in diesen Gegensätzen die anhaltende Faszination Marilyn Monroes. Sie verkörperte Glamour und Verletzlichkeit zugleich, öffentliche Perfektion und private Unsicherheit. Sie konnte Räume dominieren und sich gleichzeitig verloren fühlen im eigenen Ruhm. Die Ausstellung greift diese Spannungen auf, ohne sie endgültig auflösen zu wollen. Statt einer klassischen Biografie entsteht das vielschichtige Porträt einer Frau, die ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht voraus war. Die Projektionen und Klangwelten schaffen einen atmosphärischen Zugang zu Marilyns Bildwelt. Ihre Filme, Fotografien und Auftritte gehörten bereits zu Lebzeiten zu den prägendsten visuellen Symbolen des 20. Jahrhunderts. Die Inszenierung schafft deshalb keine Distanz, sondern verstärkt das Gefühl, einer Persönlichkeit zu begegnen, deren Ausstrahlung bis heute nachwirkt. Hinter dem Mythos Marilyn Monroe bleibt eine intelligente, ehrgeizige und erstaunlich moderne Frau sichtbar.
Wann: bis 28. Juni 2026
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