Im Berner Oberland schaffen Haute Horlogerie und zeitgenössische Kunst einen gemeinsamen Denkraum über Zeit.
Die Uhr tickt. Und doch scheint die Zeit im Studio Naegeli in Gstaad anders zu verlaufen. Langsamer, greifbarer, formbarer. Im exklusiven Ferienort im Berner Oberland treffen zwei Projekte aufeinander, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, bei genauerem Hinsehen jedoch dasselbe Thema erforschen: Zeit. Art in Time, die kuratierte Galerie für unabhängige Uhrmacher, und die Ausstellung Temporal Matter, die zeitbezogene künstlerische Arbeiten versammelt, schaffen einen Raum, in dem mechanische Präzision und künstlerische Reflexion einander begegnen.
Zeit als Kunstform
Art in Time, gegründet von Karl-Friedrich Scheufele, Co-Präsident des Genfer Uhren- und Schmuckherstellers Chopard, ist ein innovatives Galerie- und Boutique-Konzept für anspruchsvolle Uhrmacherkunst, das 2019 in Monaco lanciert wurde. In unmittelbarer Nähe zum Casino gelegen, versteht sich die Galerie nicht als klassischer Uhrensalon, sondern als kuratierter Denkraum, der unabhängige Uhrmacher und «Niche Brands» wie Ferdinand Berthoud, Chopard, Ressence oder Urwerk vereint.
Die nun in Gstaad gezeigte Erweiterung präsentiert Uhren als Kunstwerke, in denen Kreativität, Handwerkskunst und technische Exzellenz verschmelzen. Jede Uhr ist ein Statement, jede Mechanik Ausdruck einer persönlichen Vision. Zeit wird hier sichtbar gemacht – nicht nur gemessen. Temporal Matter nähert sich dem Thema aus konzeptuell-künstlerischer Perspektive. Gezeigt werden Objekte, Installationen und Arbeiten, die Vergänglichkeit, Materialität und Wahrnehmung thematisieren. Die künstlerische Reise reicht von Skizzen Jean Tinguelys über kleinformatige Gemälde der Surrealistin Fanny Brennan bis hin zu Werken von Carl Andre, Zeichnungen von Mikhail Romadin und einer grossformatigen Fotografie von Thomas Ruff. Zeit wird hier nicht kontrolliert, sondern sinnlich erfahrbar und hinterfragt.
Studio Naegeli – Raum der Begegnung
Die Präsentation beider Konzepte in Gstaad ist kein Zufall. Das Studio Naegeli, minimalistisch und lichtdurchflutet, erlaubt eine konzentrierte Auseinandersetzung mit den Objekten. Abseits urbaner Kulturzentren wird in der alpinen Ruhe Zeit spürbar – zwischen präzisen Uhrwerken und fliessenden künstlerischen Formen. Für Kuratorin Anna Högl, Mitinhaberin von Studio Naegeli, ist Zeit seit Langem ein Forschungsthema. Aus anthropologischer Perspektive untersucht sie, wie kulturelle, soziale und körperliche Praktiken das Erleben zeitlicher Realität prägen.
In einer Welt zunehmender Beschleunigung schaffen Art in Time und Temporal Matter Momente der Entschleunigung. Sie laden dazu ein, Zeit nicht nur zu konsumieren, sondern sie zu betrachten, zu spüren und zu reflektieren. Begleitet vom leisen Ticken der Uhren wird jede Sekunde als das erfahrbar, was sie ist: einzigartig und kostbar.
Informationen zu Art in Time
Wann: bis 15. März 2026
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