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Slow Food mit Pfiff ist Claudio del Principes Mission.

«Weniger ist mehr» – mit solch schmallippigem Puristenspruch könnte man den Geniesser, Geschichtenerzähler und Hobby-Koch Claudio del Principe wahrscheinlich jagen. Und dennoch nicht einschüchtern, denn der freundlich parlierende Mann mit dem grauweissen Goatie und dem welligen schwarzen Haar hat seit Jahren eine Mission: Slow Food, jedoch mit Pfiff und einer Lust am Schwelgerischen. Und vor allem – mit mehr als nur einer Prise Humor. So offenbart er zum Beispiel in einem seiner YouTube-Videos, dass er seit 27 Jahren glücklich verheiratet sei, seit vier Jahren aber zusätzlich eine Geliebte habe. Unangemessener Exhibitionismus? Von wegen. Da seine «Geliebte» Bianca doch ein Lievito-Madre-Sauerteig ist, mit dem er am liebsten knuspriges Brot bäckt – und zwar zu Hause in einer idyllisch anmutenden Küche voller Rüstbrettchen aus Holz und gusseiserner Töpfe. Wer möchte da, wenn er den Maître so lustvoll in den Teig greifen sieht und ihm beim Philosophieren zuhört, nicht sofort mitmachen? Aus diesem Grund hat Claudio del Principe, der überdies ein offenes Herz hat, einen Blog mit dem gewitzten Namen anonymekoeche​.net gegründet – und zwar lange vor der Covid-Pandemie. Denn nicht etwa ein Notbehelf in Zeiten verhinderter Restaurantbesuche ist sein Forum, sondern im Gegenteil eine geradezu sinnliche Einladung zum Kochen «a casa» (wie auch sein Kochbuch mit 250 italienisch inspirierten Gerichten heisst, das 2019 zum «Swiss Gourmetbook des Jahres» gewählt wurde). Aber: Weshalb nennt sich der Küchen-Aficionado auch «Geschichtenerzähler»? Weil er weiss, dass etwa ein Rezept für gutes Brot oder schwarze Tortellini mit Oktopus – mit selbstverständlich selbst gemachtem Pastateig – eine gute Erzählung braucht, die man nachher en famille beim Essen ebenfalls kredenzen kann, auf dass es noch besser schmecke. Del Principe bietet appetitanregende Episoden, Rezeptvorschläge oder auch ganz konkrete Reise-Tipps für die Zeit nach der Pandemie. Wo etwa gibt es den besten französischen Käse, wie findet man die verführerischste Normandie-Butter? Denn gerade wenn man entschleunigen will, gilt: «Mehr ist mehr». Dass dies nichts mit einer Anhäufung von Materiellem zu tun hat, sondern schlichtweg mit der Freude an feinen Zutaten und eigener Kochkunst – auch diese Lektion vermittelt Claudio del Principe ebenso unangestrengt wie amüsant. Mille Grazie!