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Hugo Toro schafft Architektur, die in Erinnerung bleibt. Das zeigt sich im Orient Express und vielen weiteren Projekten. Mit ihm gehen wir in den Dialog über Raum als Medium und seine emotionale Kraft.

Geboren 1989, studierte Toro zunächst in Paris an der renommierten Penninghen-Schule, anschliessend an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Dort vertiefte er sein handwerkliches Verständnis, lernte Keramik, Metallverarbeitung und digitale Techniken kennen. Diese Neugier auf Material und Fertigung prägt seine Projekte bis heute. Im Marlow in Monte Carlo inszenierte er einen zuvor leeren Raum völlig neu: Speisebereiche, Rückzugsnischen und Bar-Bereiche sind klar zoniert, alles massgefertigt. Teppiche, Leuchten und Wandverkleidungen zeigen mythologische Motive, das warme, gedämpfte Licht schafft Intimität. «Man soll sich dort gegenseitig wahrnehmen, ohne sofort sichtbar zu sein», beschreibt Toro seine Idee.

Eine perfekte Dosis Atmosphäre

Das traditionsreiche Le Mas Candille in Südfrankreich interpretiert er als einen Ort provenzalischer Eleganz. Natürliche Materialien, strukturierte Oberflächen und ein Farbklima aus Stein, Ocker und Licht verbinden Innen- und Aussenräume. Der Ort wirkt zeitlos, modern und doch tief verwurzelt.

Im kürzlich eröffneten Orient Express La Minerva in Rom verbindet Toro klassische römische Motive mit moderner Reiseästhetik. Gewölbe, Lichtachsen, Marmor und Messing erzeugen eine Atmosphäre zwischen Filmkulisse und Erinnerungsfragment. Toro versteht Raum als emotionales Medium. Für ihn erzählen Orte Geschichten – nicht als Metapher, sondern als zentrales Planungsprinzip. Seine Architektur soll in Erinnerung bleiben.

Hugo Toro ganz persönlich

Hugo Toro Monte Carlo SBM Alexandre Tabaste 2

Sie haben bereits zahlreiche beeindruckende Projekte umgesetzt – zuletzt das Restaurant Marlow in Monte Carlo. Was war Ihnen dort besonders wichtig?
Hugo Toro: Das Marlow war ursprünglich eine komplett freie Fläche. Ich wollte dort verschiedene Ebenen schaffen – Zonen zum Essen, zum Cocktail trinken – aber auch kleine Abgrenzungen, damit man sich anschauen kann, ohne sofort gesehen zu werden. Ich wollte eine gewisse Sinnlichkeit erzeugen. Alles in diesem Projekt ist massgefertigt – vom Teppichdesign bis hin zu Lampen mit mythologischen Motiven.

Zu Ihren weiteren Arbeiten zählen Projekte wie das Gigi Paris oder das Booking Office in London. Was zeichnet Ihre Entwürfe aus?
HT: Ich möchte, dass Räume Geschichten erzählen. Mir geht es darum, Interaktionen zu ermöglichen – Räume zu gestalten, die nicht nur schön aussehen, sondern Emotionen wecken. Ich liebe es, wenn Menschen eine klare Meinung haben. Lieber sie lieben es oder hassen es – Hauptsache, es bleibt nicht gleichgültig. 

Sie haben in Paris und Wien studiert. Wie hat Sie diese Ausbildung geprägt?
HT:
Ich habe Innenarchitektur an der Penninghen in Paris studiert, dann meinen zweiten Master an der Universität für angewandte Kunst in Wien gemacht. Besonders in Wien habe ich das Handwerkliche schätzen gelernt. Ich habe dort gelernt zu schweissen, Keramik herzustellen und mit Robotern zu arbeiten. Für mich ist wichtig: Es sollte immer ein Dialog zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem sein. Alte Techniken schliessen moderne Technologien nicht aus – im Gegenteil.

Warum ist Licht für Sie «echter Luxus»?
HT: Weil viele Menschen ihr Leben mit grellem, weissem LED-Licht ruinieren, steht Luxus für ein durchdachtes Lichtkonzept mit warmem Licht. Ich bevorzuge mehrere Lichtquellen – Wand- oder Tischlampen – um eine Atmosphäre zu schaffen, die sich wie ein Zuhause anfühlt. Das ist viel wertvoller als ein teurer Kronleuchter.

Orient Express La Minerva
Alexandre Tabaste ©

Gibt es ein Projekt, das Sie unbedingt noch umsetzen möchten?
HT: Ja – ich würde wahnsinnig gerne ein Museum oder eine Stiftung gestalten. Klingt vielleicht seltsam, aber auch ein Aquarium oder ein Krematorium fände ich spannend. Die sind heute oft so funktional und hässlich – dabei können sie genauso inspirierend sein wie ein Hotel. Und ich hätte grosse Lust, ein Haus unter Wasser zu entwerfen, in dem man Haie beobachten kann.

Wo finden Sie Ihre Inspiration?
HT: Überall. In Museen, aber auch im Müll auf der Strasse. Ich sehe etwas – und denke sofort darüber nach, wie ich dieses Bild oder diese Stimmung in einen Raum übersetzen könnte, den Menschen wirklich erleben können.

Was darf bei Ihnen zu Hause nie fehlen?
HT
: Ein Kerzenhalter – ich liebe das Licht von Kerzen. Und Aschenbecher. Ich bin zwar schwerer Asthmatiker und rauche nicht, aber ich liebe ihre Form und die Geste. Ich verwende sie zum Beispiel, um Essenzen zu verbrennen.

Wie definieren Sie persönlich Luxus?
HT: Luxus ist für mich, mit Leidenschaft arbeiten zu können. Und die Fähigkeit, gedanklich zu reisen. Auch wenn man nicht viel unterwegs ist, kann man in seiner Fantasie, in seinen Ideen und Projekten ständig auf Reisen sein.

Was steht bei Ihnen als Nächstes an?
HT:
Ich möchte weiter experimentieren. Räume schaffen, die sich wie Institutionen anfühlen – aber trotzdem frisch und neu wirken. Und ich möchte Projekten eine starke Identität geben, die den Menschen im Gedächtnis bleibt.

Mehr Informationen: hugotoro​.com


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