Wolle und Fäden statt Pinsel, Kubismus und Futurismus als Inspiration: Mit avantgardistischen Ansätzen war Alice Bailly eine Pionierin der Schweizer Moderne. Jetzt rückt das Kunsthaus Zürich ihr Werk ins Rampenlicht.
Mit der gross angelegten Ausstellung «Alice Bailly» (31. Oktober 2025 – 25. Januar 2026) widmet das Kunsthaus Zürich einer der faszinierendsten, doch lange übersehenen Stimmen der Schweizer Moderne eine umfassende Retrospektive.
Mit Fäden und Fantasie verändert Alice Bailly die Schweizer Kunstwelt
Die Genfer Malerin, 1872 geboren und 1938 verstorben, war eine der ersten Künstlerinnen hierzulande, die sich mit den Strömungen des Kubismus und des Futurismus auseinandersetzten – und sie auf eigenständige Weise weiterentwickelten.
Bekannt wurde Bailly vor allem für ihre sogenannten tableaux-laine, farbintensive Wollbilder, in denen sie Fäden statt Pinselstriche einsetzte. Diese Arbeiten verbinden die Energie der Avantgarde mit einem materiellen, fast taktilen Ansatz und verweisen zugleich auf die damals kaum beachtete Verbindung von Kunst und Handwerk. Bailly suchte früh den Austausch mit der internationalen Szene, lebte zeitweise in Paris, stellte im Umfeld der Fauves und Kubisten aus und brachte neue Impulse in die Schweizer Kunst.
Europa im Blick, Schweiz im Fokus
Die Zürcher Ausstellung, kuratiert in enger Zusammenarbeit mit dem Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne, ordnet Baillys Werk im europäischen Kontext ein und zeigt zugleich ihre Verwurzelung in der Schweizer Kunstgeschichte. Rund 120 Gemälde, Zeichnungen, Stickarbeiten und Dokumente zeichnen den Weg einer Künstlerin nach, die sich zwischen Tradition und Aufbruch bewegte – und deren Werk noch heute durch seine Modernität überrascht.
Vergessene Stimmen, neue Perspektiven: Künstlerinnen sichtbar gemacht
Mit der Präsentation knüpft das Kunsthaus Zürich an seine jüngsten Schauen zu Maria Lassnig und Edvard Munch an, die den Fokus auf figürliche und expressionistische Positionen der Moderne legen. Die Einbindung Baillys in dieses Umfeld verdeutlicht das kuratorische Anliegen, weibliche Stimmen in der Kunstgeschichte sichtbar zu machen und ihre Bedeutung neu zu bewerten.
Während die Fondation Beyeler in Basel mit Yayoi Kusama auf eine globale Ikone setzt, richtet Zürich den Blick nach innen: auf das kulturelle Erbe des Landes, auf Künstlerinnen, deren Werk bislang im Schatten stand, und auf die Frage, was Schweizer Moderne im 21. Jahrhundert bedeutet.
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