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20 Jahre Cornèrcard – Interview mit CEO Alessandro Seralvo

Cornèr Insights · Mai 2026

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Redaktion

Mai 2026

Über den Mut, unkonventionell zu denken

Seit 20 Jahren prägt Cornèrcard den Schweizer Kreditkartenmarkt mit Lösungen, die Sicherheit, Flexibilität und digitale Services verbinden. Zum Jubiläum blickt Alessandro Seralvo im Gespräch mit Diego Gilardoni, Zukunftsstratege, Leadership Advisor und Speaker, auf die Entwicklung von Cornèrcard zurück, spricht über neue Erwartungen der Kundinnen und Kunden und erklärt, welche Rolle Innovation, Vertrauen und Technologie für die Zukunft des Bezahlens in der Schweiz spielen.

«Der beste Weg, die Zukunft vorherzusehen», sagte Peter Drucker, «ist, sie zu gestalten.» Dieser Leitsatz fasst angesichts geopolitischer Umwälzungen, soziokultureller Umbrüche und des disruptiven Potenzials der aktuellen technologischen Revolutionen in treffender Weise die Herausforderung zusammen, vor der heute jede Organisation steht, die in einer Welt im tiefgreifenden Wandel relevant bleiben will. 

Die Herausforderung ist von historischer Bedeutung und betrifft natürlich auch Cornèrcard, die in diesem Jahr ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiert. Ein besonders bedeutendes Jubiläum, wenn man bedenkt, dass es den 1975 eingeschlagenen Weg fortsetzt, als Paolo Cornaro die erste Kreditkarte der Schweiz lancierte – als erste von vielen erfolgreichen Initiativen, die Cornèrcard zu einer der solidesten und bekanntesten Marken der Schweiz gemacht haben.

Von Anfang an stand Alessandro Seralvo an der Spitze von Cornèrcard. Er kam 1999 zur Cornèr Bank und erinnert sich an diesen Moment des Wandels so: «In diesen Jahren wuchs der Markt organisch und stetig, ohne grössere Turbulenzen, und mit ihm stiegen auch unsere Margen. Aber das alles änderte sich mit der Entscheidung von Coop und Migros, Kreditkarten zum Spottpreis anzubieten. Das war ein echter Schock, der uns zwang, nach neuen Wegen zu suchen, um unsere Zukunft zu sichern. Und dieser Weg, der sicherlich nicht der einfachste war, bestand darin, unseren Kundinnen und Kunden zwei Karten statt einer anzubieten (indem wir Mastercard für alle Inhaber/-innen einführten) und vor allem eine neue Marke zu schaffen.»

«Es erforderte viel Mut, und dieser Mut muss uns auch heute noch inspirieren, da wir einer Zukunft voller Herausforderungen entgegensehen.» – Alessandro Seralvo
Alessandro Seralvo © provided

Damals hiess die Kartendivision der Bank «Bank Card Center», ein Name, der den Herausforderungen des modernen Marketings nicht gerecht wurde. Deshalb wurde beschlossen, einen neuen Namen zu finden, der die Identität des Unternehmens widerspiegeln und sein Profil in einem sich rasch wandelnden Markt stärken würde. «Heute sind wir eine starke Marke», so Seralvo, «aber es darf nicht vergessen werden, dass Karten damals nicht das bevorzugte Zahlungsmittel der Schweizerinnen und Schweizer waren und es daher keineswegs selbstverständlich war, dass wir diese Wette gewinnen würden. Es erforderte viel Mut, und dieser Mut muss uns auch heute noch inspirieren, da wir einer Zukunft voller Herausforderungen entgegensehen.»

Wenn Ungewissheit zur Möglichkeit wird

Der Mut, von dem Seralvo spricht, ist der Mut der Pioniere, also jener, die unkonventionell denken und Unsicherheit nicht als Bedrohung, sondern als Horizont der Möglichkeiten betrachten. Und genau in diesem Sinne hat sich Cornèrcard stets neuen Herausforderungen gestellt und so beneidenswerte Spitzenleistungen erreicht. Schon vor der Gründung der neuen Marke war die Kartendivision der Cornèr Bank im Jahr 2003 die erste, welche die Kombination Visa/​Mastercard im Acquiring einführte. Seralvo: «Es war ein bemerkenswerter Meilenstein, der alle überraschte, vor allem in der Deutschschweiz. Ich weiss noch, wie sich in einer Sitzung des Verbandes Elektronischer Zahlungsverkehr der Präsident an diejenigen Akteure des Sektors wandte, die süffisant auf uns herabsahen. Er sagte wortwörtlich: ‹Sie haben es noch nicht begriffen, von nun an weht der Wind aus dem Süden.›»

Mit der Einführung von Cornèrcard wurde der Südwind noch stärker, und die Marke eroberte – auch dank äusserst innovativer Marketingkampagnen – rasch eine führende Position auf dem Schweizer Markt. Und es kamen weitere Erfolge und Rekorde hinzu, wie die strategische Partnerschaft mit Miles & More im Jahr 2001 oder die Realisierung der ersten sicheren Visa-Transaktion auf europäischer Ebene 2002.

Seit 2001 pflegt Cornèrcard eine Partnerschaft mit Miles & More © Miles & More

Meilensteine mit Apple Pay

Doch der Meilenstein, auf den Alessandro Seralvo am meisten stolz ist, ist die Lancierung von Apple Pay im Jahre 2016 – eine absolute Premiere in Kontinentaleuropa, da die Schweiz nach dem Vereinigten Königreich das zweite europäische Land war, das das neue Zahlungsmodell einführte. Und genau aus diesem Grund wurde London für eine gewisse Zeit zum Schauplatz einiger abenteuerlicher Unternehmungen, bei denen Seralvo selbst und seine damalige rechte Hand, Giovanni Bettoni, die Hauptrolle spielten.

«Um eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie rudimentär die Technologie damals war», erzählt Seralvo, «dient folgendes Beispiel: Ich erinnere mich, dass wir mehrmals versuchten, in einer Filiale von Harrods mit dem Handy zu bezahlen, was ihr Zahlungssystem zum Absturz brachte und die andere Kundschaft in Rage versetzte. Das Gleiche passierte bei McDonald’s, wo ein Mitarbeiter, der uns mittlerweile nur allzu gut kannte, es vorzog, uns nicht bezahlen zu lassen, um einen Systemabsturz zu vermeiden. Unsere Streifzüge durch das Viertel waren so regelmässig geworden, dass Giovanni in einem Donut-Laden in der Nähe des Bahnhofs Paddington begeistert wie ein langjähriger Stammgast empfangen wurde.» 

2016 lancierte Cornèrcard Apple Pay © Jonas Leupe via Unsplash

Was Cornèrcard wirklich ausmacht – die menschliche Komponente

Abgesehen von den seit 2006 bis heute entwickelten Dienstleistungen und Produkten ist es für Alessandro Seralvo zudem wichtig, an die Rolle des Sponsoring- und Eventbereichs zu erinnern, der damals noch nicht existierte und heute das Herzstück von Cornèrcard bildet: «Der Wendepunkt war die Einführung von Emotions by Cornèrcard zwischen 2008 und 2009, die die Wahrnehmung der Marke von einem Zahlungsdienstleister zu einem Träger von Emotionen veränderte. «Seitdem haben wir uns in der Schweizer Sponsoring- und Eventszene zu einem Akteur allerersten Ranges entwickelt, sodass das È von Emotions mittlerweile fast so bekannt ist wie das M von Mercedes und zum Symbol für Cornèr und Cornèrcard geworden ist.»

«Die menschliche Komponente war schon immer entscheidend und ist das, was uns von anderen unterscheidet.» – Alessandro Seralvo

Der Bezug zu Emotionen ist nicht nur eine Marketingstrategie, sondern spiegelt den authentischen Geist einer Marke wider, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. «Die menschliche Komponente war schon immer entscheidend und ist das, was uns von anderen unterscheidet», sagt Seralvo. In diesen Kontext fügt sich auch die Fokussierung auf den Kundenservice ein, der auf Qualität und persönlicher Beziehung basiert. Ein Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Schweiz, das rund um die Uhr im Einsatz ist und die Kundschaft in vier Sprachen – Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch – betreut, gewährleistet einen direkten und kompetenten Kontakt, ganz im Sinne der traditionellen Kundennähe des Instituts. «Und ich hoffe, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird, wenn man an die Herausforderungen denkt, die die künstliche Intelligenz mit sich bringt. Ich glaube, dass wir uns weiterhin dadurch von anderen abheben können, dass wir künstliche Intelligenz smart einsetzen. Dies könnte beispielsweise bedeuten, sie in grossem Umfang für Massenprodukte und Produkte mit geringem Mehrwert einzusetzen, während bei Spitzenprodukten und ‑dienstleistungen die menschliche Dimension weiterhin im Mittelpunkt steht.»

Wie Cornèrcard den Weg in die Zukunft bahnt

Mit Blick auf die Zukunft, in einer Welt im Umbruch, die durch eine schwer einschätzbare Unsicherheit gekennzeichnet ist, besteht die Antwort nicht darin, nach beruhigenden Gewissheiten zu suchen, die sich nur als Illusionen erweisen können. Sie besteht vielmehr darin, die eigenen mentalen Landkarten zu aktualisieren, um sich in einer neuen Welt zurechtzufinden, und Unsicherheit als Chance zu erkennen. Gestärkt wird dies durch strategische Klarheit, die wiederum durch eine klare Vision möglich wird. Eine Vision, die nicht in einer Marketingagentur entsteht, sondern aus einer langen Geschichte hervorgeht, die von soliden und gemeinsamen Werten geprägt ist. Eine Geschichte wie die von Cornèrcard, von der man viel lernen kann, um mutig und entschlossen in die Zukunft zu blicken. Alessandro Seralvo ist überzeugt: «Wird Cornèrcard in zehn Jahren noch so aussehen wie heute? Ich glaube nicht. Und das Wesen von Cornèrcard? Das wird sich hoffentlich nicht ändern, auch weil wir nur dann, wenn wir diesen Geist am Leben erhalten, die richtigen Ideen, die nötige Energie und frische Perspektiven finden können, um mit der Zeit Schritt zu halten und ihr, wann immer möglich, sogar voraus zu sein.»

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